Stadtohr

Stadtrundgang Düsseldorf · Station 13 von 16

Neanderkirche

1683 · kirche, reformierte gemeinde, hinterhofkirche, orgel

Ausführlich

Sie stehen vor der Neanderkirche an der Bolkerstraße. Diese Kirche war nicht dafür gemacht, angesehen zu werden, und darum geht es an dieser Station. Die Vorgeschichte in drei Daten. Nach dem Beginn der Gegenreformation in Düsseldorf wurden die Aktivitäten der reformierten und evangelischen Kirche noch von 1609 bis 1614 geduldet. 1610 errichtete man deshalb auf dem Grundstück der späteren Neanderkirche ein Predigthaus. 1614 endete die Duldung, und das Haus musste schließen. Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts durften evangelische Christen in der Altstadt wieder Kirchengebäude errichten. Die Reformierte Gemeinde baute diese Kirche fast gleichzeitig mit der Lutherischen Berger Kirche. Nach der Grundsteinlegung 1683 entstand sie bis 1687 nach Entwurf und unter Bauleitung von Michael Cagnon; Kirchweihe war bereits 1684, drei Jahre vor der Fertigstellung. Entwürfe für die Innenausstattung, die große Kirchentür und den Engel mit Posaune als Wetterfahne lieferte der Hofmaler Johannes Spilberg. Nun die Bedingung, unter der gebaut werden durfte. Im Herzogtum Berg herrschte die römisch-katholische Konfession vor, und ihr hing auch der Landesherr aus dem Hause Pfalz-Neuburg an. Wegen der Vorbehalte gegen Protestanten durften protestantische Kirchen nicht als Kirchenbau in Erscheinung treten. Daher musste die Neanderkirche als sogenannte Hinterhofkirche errichtet werden: in einem uneinsehbaren Innenhof einer Blockrandbebauung, nicht unmittelbar an einer öffentlichen Straße. Eine Kirche, die aus der Stadt heraus nicht zu sehen war. Dazu passt die Bauform: früher Barock, aber wegen der calvinistischen Zurückhaltung schlichter, als es im Barock üblich war. Dass Sie heute von der Bolkerstraße aus auf die Kirche schauen, hat einen bitteren Grund. Im Zweiten Weltkrieg wurden die vorgelagerten Häuser an der Bolkerstraße zerstört und nicht wieder aufgebaut. Auf ihren Grundstücken entstand der Kirchhof, den die gegenüberliegende Brauerei zum Schlüssel gelegentlich als Biergarten nutzt. Neben der Traditionsgaststätte Benders Marie führt ein zweiter Durchgang zur Andreasstraße. Die Verhüllung ist also weg, weil die Häuser weg sind. Den Namen trägt die Kirche erst seit 1916, nach Joachim Neander. Ein Wort zur Orgel. Das heutige Instrument baute 1965 die Firma Rieger aus Schwarzach in Österreich unter Leitung von Josef von Glatter-Götz, nach einem Dispositionsentwurf von Gerhard Schwarz, Hubert Meyers und Oskar Gottlieb Blarr. Im Turm hängen zwei Bronzeglocken. Die große goss 1962 die Gießerei Rincker, 1070 Millimeter Durchmesser, 720 Kilogramm, gestiftet von der Stadt. Die kleine ist eine Leihglocke vom Hamburger Glockenfriedhof, 500 Kilogramm, und woher sie stammt, ist bis heute unbekannt.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Neanderkirche an der Bolkerstraße, der evangelischen Kirche der Altstadt. Nach der Grundsteinlegung 1683 wurde sie bis 1687 nach Entwurf von Michael Cagnon errichtet, Kirchweihe war bereits 1684. Den Namen nach Joachim Neander trägt sie seit 1916.

Für Kinder

Diese Kirche ist ein Versteck. Vor vielen Hundert Jahren durften in Düsseldorf nicht alle Menschen so beten, wie sie wollten. Die evangelische Gemeinde durfte eine Kirche bauen, aber nur unter einer Bedingung: Von der Straße aus durfte man nicht sehen, dass es eine Kirche ist. Darum baute man sie 1683 in einen Hinterhof, rundherum Wohnhäuser. Wer vorbeiging, sah nur Hauswände. Im Krieg wurden diese Häuser zerstört, und niemand baute sie wieder auf. So wurde das Versteck sichtbar. Oben am Turm sitzt ein Engel mit einer Posaune. Findest du ihn?

Quellen

Koordinaten: 51.2267, 6.7745 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.