Stadtohr

Stadtrundgang Düsseldorf · Station 14 von 16

Königliches Gymnasium

1700 · schule, klassizismus, abgerissen, nachbarschaftsstreit

Ausführlich

Sie stehen an der Heinrich-Heine-Allee, damals Alleestraße 32, und diese Station erzählt von einem Grundstück, das eigentlich für etwas anderes gedacht war. Hier wurde 1833 der Neubau des Königlichen Gymnasiums eingeweiht, eine von den Gedanken des Neuhumanismus geprägte Lehranstalt, die den männlichen Nachwuchs zur Hochschulreife führte. Die Vorgeschichte reicht weiter zurück: Die Schule ging aus einem Gymnasium hervor, dessen Gründung Justus Gruner, Gouverneur des Generalgouvernements Berg, 1814 auf Veranlassung von Karl Wilhelm Kortüm verfügt hatte, dem Direktor des Düsseldorfer Lyceums. Dieses Lyceum war nach Aufhebung des Jesuitenordens die Nachfolgerin der Jesuitenschule, die im Rahmen der Rekatholisierung im 17. Jahrhundert im Jesuitenkloster entstanden und bis 1803 dort untergebracht war. Nun das Grundstück. Ursprünglich sollte hier das neue Stadttheater gebaut werden. Daneben, an der Alleestraße 34, stand das Hotel Breidenbacher Hof, und sein Besitzer hatte auf genau das gehofft: ein Theater als Nachbar, gebildetes und vornehmes Publikum vor der Tür. Als klar wurde, dass stattdessen eine Schule kommt, war das für Wilhelm Breidenbach nicht nur das Ende eines Traums, sondern vor allem, wie es in der Quelle heißt, eine erhebliche Lärmbelästigung für seine Gäste. Der Schulhof wurde bis an die aufwendig gestaltete Hotelfassade herangezogen und mit einer Mauer abgeriegelt. Am 7. Januar 1829 protestierte Breidenbach bei der Königlichen Regierung. Es half nichts. Zum Bau selbst. Erst sollte er nach Plänen von Adolph von Vagedes entstehen. 1828 überarbeiteten der Landbauinspektor Felderhoff und Baukondukteur Werner die Entwürfe, so dass das Gebäude schließlich dem Entwurf Schinkels entsprach. Das Äußere war, wie es heißt, in den nüchternsten Formen des Klassizismus gebaut, ohne jedes Risalit, mit ganz glatten Flächen, ohne irgendwelchen architektonischen Zierrat. Daher der Spottname: der alte Kasten. Nur eine Ausnahme gab es, und sie lag innen. Die Aula war nach den ursprünglichen Plänen von Vagedes gestaltet: eine Säulengalerie auf vierundzwanzig Säulen mit reicher Malerei, Kassettendecke und schmiedeeisernen Geländern, an drei Seiten eine Empore, und diese Empore mit doppelter Säulenstellung, unten dorisch, darüber ionisch. Außen der nüchternste Kasten der Stadt, innen vierundzwanzig Säulen. 1904 wurde das Gymnasium abgebrochen, und von 1907 bis 1909 entstand auf dem Gelände das Warenhaus Tietz, heute Kaufhof. Wikidata nennt für dieses Objekt das Jahr 1700, Wikipedia datiert die Einweihung des Schulneubaus auf 1833. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt; die Jesuitenschule als Vorgängerin reicht nach einer Quelle ins 17. Jahrhundert zurück.

Kurzfassung

Sie stehen an der Heinrich-Heine-Allee, früher Alleestraße. Hier wurde 1833 der Neubau des Königlichen Gymnasiums eingeweiht, nach Plänen von Adolph von Vagedes und Karl Friedrich Schinkel. Im Volksmund hieß es der alte Kasten. 1907 bis 1909 entstand hier das Warenhaus Tietz.

Für Kinder

Hier stand früher eine Schule. Sie war groß, grau und ganz glatt, ohne Schmuck an den Wänden. Die Leute nannten sie deshalb den alten Kasten. Gebaut wurde sie 1833, mitgeplant hat sie der berühmte Architekt Karl Friedrich Schinkel. Innen gab es einen Saal mit vierundzwanzig Säulen und einer bemalten Decke, also ganz anders als außen. Gleich daneben stand ein feines Hotel, und der Besitzer war wütend: Er hatte sich ein Theater gewünscht und bekam einen lauten Schulhof vor die Fenster. Wärst du lieber Nachbar einer Schule?

Quellen

Koordinaten: 51.226, 6.77794 · auf der Karte

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