Sie stehen vor dem Kom(m)ödchen am Kay-und-Lore-Lorentz-Platz, einer Kabarettbühne mit eigenem Ensemble. Zwei Daten erzählen, was politisches Kabarett in der Bundesrepublik war. Das erste ist der 29. März 1947. Da hatte das Kom(m)ödchen Premiere, zwei Jahre nach Kriegsende, mit einem Programm, das „Positiv dagegen“ hieß. Gegründet hatten es Kay und Lore Lorentz. Mit auf der Bühne standen Werner Vielhaber, Bernd Nesselhut, Hans Walter Clasen, Eduard Marwitz, Iris Fanslau und Ruth Henrichs; Hanne Wieder gehörte schon im Gründungsjahr fest zum Ensemble. Im Juli 1947 nahm Mutter Ey das Kabarett in ihrem wiedereröffneten Kunstzentrum auf. Anfang der fünfziger Jahre kamen Eckart Hachfeld und Martin Morlock als Autoren dazu, und damit entstand die Form, für die das Haus bekannt wurde: gefällig und unspektakulär in der Darbietung, anspielungsreich im Inhalt. Das zweite Datum ist 1959. In diesem Jahr wurden die Fernsehübertragungen des Programms für ein Jahr untersagt, nach einer Intervention des damaligen Verteidigungsministers Franz Josef Strauß. Ein Minister, ein Anruf, ein Jahr ohne Fernsehen. Es blieb nicht die einzige Kritik. Die Studentenbewegung der sechziger Jahre warf dem Kom(m)ödchen vor, systemstabilisierend zu sein. Der Umzug in dieses Haus hat eine eigene Pointe. Die alten Räume waren zu klein geworden, und es bestand die Gefahr, die Bühne an die Nachbarstadt Köln zu verlieren. Die Stadt Düsseldorf bot Räume in der neuen Kunsthalle an, also in dem Haus, das auf dem Grundstück an der Südseite des Grabbeplatzes den Vorgängerbau ersetzte. Umgezogen wurde am 27. April 1967, und zwar in der Pause einer Vorstellung: Die Gäste trugen Requisiten und Teile des Bühnenbildes in das neue Theater. Danach die Familiengeschichte. 1983 ging Lore Lorentz solo und verließ das Ensemble, Kay Lorentz baute ein jüngeres auf. Als er 1993 starb, gab sie ihre Solokarriere auf und übernahm die Leitung, um die geplanten Vorstellungen umzusetzen. Nach ihrem Tod 1994 führte ihr Sohn Kay Sebastian Lorentz die Bühne weiter, 2024 übernahm dessen Tochter Luzie Lorentz die Geschäftsleitung. Wer hier aufgetreten ist, liest sich wie ein Verzeichnis des deutschen Fernsehens: Ernst Hilbich, Heinz von Cleve, Thomas Freitag, Harald Schmidt, Hugo Egon Balder, Jochen Busse, Volker Pispers, Mariele Millowitsch, Frank Lüdecke, Christian Ehring. Das Archiv des Hauses liegt seit 2007 im Theatermuseum an der Merowingerstraße 88 und ist nach Voranmeldung einsehbar. Eine städtische Schule trägt den Namen Lore-Lorentz-Schule.
Sie stehen am Kay-und-Lore-Lorentz-Platz in der Altstadt, vor dem Kom(m)ödchen. Kay und Lore Lorentz gründeten diese Kabarettbühne 1947. Premiere war am 29. März 1947 mit dem Programm „Positiv dagegen“. Seit dem 27. April 1967 spielt das Haus an diesem Ort, in den Räumen der Kunsthalle.
Hier spielt ein Kabarett. Das ist eine Bühne, auf der Leute über Politik Witze machen. Gegründet haben es Kay und Lore Lorentz 1947, kurz nach dem Krieg. Ihr erstes Programm hieß „Positiv dagegen“. Die Witze trafen oft sehr mächtige Leute. Einmal ärgerte sich ein Minister so, dass das Kabarett ein ganzes Jahr nicht im Fernsehen gezeigt werden durfte. Später brauchte es größere Räume und zog 1967 hierher, mitten in einer Vorstellungspause: Die Zuschauer trugen die Requisiten selbst hinüber. Über wen würdest du Witze machen?
Koordinaten: 51.2272, 6.77556 · auf der Karte