Sie stehen auf dem Neumarkt. Drehen Sie sich einmal langsam im Kreis und schauen Sie die Fassaden an. Die meisten davon sind jünger als Sie. Der Platz entstand im 16. Jahrhundert. Die Stadt erweiterte ihre Festungswerke, das Frauentor wurde um 1550 abgetragen, und zwischen den neuen Linien lag Raum für einen zweiten Markt. Der Jüdenhof im Nordwesten wurde als Nebenplatz einbezogen. Im 18. Jahrhundert wuchs der Platz noch einmal, weil der Frauenkirchhof säkularisiert wurde. Bis 1945 stand hier ein mit wenigen Ausnahmen geschlossen erhaltenes Ensemble des bürgerlichen Barocks. Nicht Schlösser, nicht Kirchen: Wohn- und Geschäftshäuser von Kaufleuten. Nach den Luftangriffen im Februar 1945 waren von allen Gebäuden am Neumarkt nur zwei als Ruinen übrig, das Johanneum und die Frauenkirche. Alle anderen waren zerstört. Dann kommt der Teil, über den in Dresden am längsten gestritten wurde. Bei der Großflächenenttrümmerung bis 1958, endgültig bis 1963, wurden auch Bauensembles abgerissen, die standfest und wiederaufbaufähig waren, zum Beispiel an der Rampischen Straße. Übrig blieb eine weitläufige Freifläche um die Kirchenruine. Und doch war der Platz nicht verschwunden: Seine zahlreichen Bordsteinkanten blieben im Stadtgrundriss erhalten. Eine Linie Straßenbahn fuhr noch bis 1948 über den Neumarkt, dann wurden die Schienen ausgebaut und, soweit brauchbar, anderswo weiterverwendet. Ab 1977 begann man das Gelände wieder in Blöcke zu gliedern, die später Quartiere hießen. Dazu gehörte das Konzept der Leitbauten: einzelne Gebäude sollten, wenn möglich vollständig, sonst wenigstens mit ihrer Fassade, so wiederhergestellt werden, wie sie vor der Zerstörung ausgesehen hatten. Das erste sichtbare Ergebnis war ein Hotel, eröffnet am 26. Januar 1990. Nach der Wiedervereinigung und angestoßen vom Wiederaufbau der Frauenkirche veränderte sich der Platz ab 2001 fortlaufend. Eine Gestaltungssatzung für das ganze Areal wurde ausformuliert, trat aber nie in Kraft und scheiterte 2002 endgültig. Stattdessen wurde Quartier für Quartier geplant und mit harten Auflagen verkauft. Starken Einfluss hatte dabei eine Bürgerinitiative, die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden. Sie hat Rekonstruktionen durchgesetzt und andere Entwürfe verhindert. Im Frühjahr 2019 stand die unmittelbare Platzkante, am 31. Dezember 2021 war das gesamte Neumarktareal fertig. Zwei Lücken blieben: das Hotel Stadt Rom an der Südseite, für das etwa 2027 Baustart sein könnte, und das Quartier um das Palais Hoym, das im Rohbau stand. Sie sehen hier also keinen alten Platz. Sie sehen eine Entscheidung. Gehen wir zur ältesten Pfarrkirche dieser Stadt.
Sie stehen auf dem Neumarkt in der Inneren Altstadt, zwischen Altmarkt und Elbe. Der Platz entstand im 16. Jahrhundert als zweiter Marktplatz. Die barocke Bebauung wurde im Februar 1945 zu großen Teilen zerstört. Seit 2001 ist der Platz neu gebaut worden.
Du stehst auf einem Marktplatz. Er heißt Neumarkt, obwohl er fast fünfhundert Jahre alt ist. Schau dir die Häuser an. Sie sehen alt aus, mit Giebeln und Verzierungen. Aber fast alle sind neu. Im Februar 1945 wurde hier im Krieg alles zerstört, nur zwei Häuser blieben als Ruine stehen. Danach war hier lange eine leere Fläche. Dann haben die Leute alte Pläne und alte Fotos genommen und die Häuser noch einmal gebaut. Darüber gab es großen Streit: Manche wollten lieber moderne Häuser. Was hättest du gemacht?
Koordinaten: 51.0516, 13.7403 · auf der Karte