Stadtohr

Stadtrundgang Dresden · Station 1 von 16

Frauenkirche

1726 · kirche, barock, wiederaufbau

Ausführlich

Willkommen in Dresden. Wir fangen mit dem Haus an, an dem sich die Geschichte dieser Stadt am kürzesten erzählen lässt. Legen Sie den Kopf in den Nacken und schauen Sie die Kuppel hinauf. Einundneunzig Meter. Eine der größten steinernen Kirchenkuppeln nördlich der Alpen, und einer der größten Sandsteinbauten der Welt. Der Rat der Stadt beschloss 1722, hier neu zu bauen. Beauftragt wurde George Bähr, Architekt und Ratszimmermeister. Am 26. August 1726 wurde der Grundstein gelegt. Jetzt zum Geld, denn daran hängt eine unangenehme Geschichte. Der Bau kostete 288.570 Taler, 13 Groschen und 64,4 Pfennige. Das Geld kam vorwiegend aus Spenden der Dresdner Bürger. Gesammelt worden war es aber für etwas anderes: für die Ansiedlung der Salzburger Protestanten, die wegen ihres Glaubens vertrieben worden waren. Die zogen inzwischen durch Sachsen, denn sie folgten der Einladung des Königs von Preußen. Ausgehändigt wurde ihnen das Geld nicht. Es wurde zum Bau dieser Kirche zweckentfremdet. Nun zur Kuppel. Bähr wollte sie zuerst aus Holz bauen und mit Kupfer verkleiden. Später schlug er Stein vor, weil er sich davon eine großartigere Wirkung versprach, und setzte das mit Unterstützung Augusts des Starken durch. August schwärmte für die Kuppelkirche Santa Maria della Salute in Venedig. Bähr selbst war nie im Ausland und konnte keinen einzigen Kuppelbau in Italien studieren. Wegen der konkaven Wölbung im unteren Teil, die an eine Glocke erinnert, bekam sie den Namen die Steinerne Glocke. Schon 1738 waren Risse in Kuppel, Hauptbögen und Gewölben festgestellt. Der Architekt Gaetano Chiaveri, ein versierter Statiker, hatte die Kuppel des Petersdoms in Rom begutachtet und plädierte danach vehement für den Abriss der Bährschen Steinkuppel: Das Tragwerk sei für eine Holzkuppel bemessen und der Stein dafür zu schwer. Bähr starb 1738, fünf Jahre vor der Vollendung. Am 27. Mai 1743 kam das Kreuz auf die Laterne. Zweihundertzwei Jahre später, in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945, schwächte die Hitze des Feuersturms die tragenden Teile so weit, dass die ausgebrannte Kirche am Vormittag des 15. Februar in sich zusammenbrach. Die Ruine blieb liegen, zu DDR-Zeiten ausdrücklich als Mahnmal. Anfang 1993 begann die Enttrümmerung, 1994 der Wiederaufbau, finanziert überwiegend von Fördervereinen und Spendern aus aller Welt, darunter die amerikanischen Friends of Dresden. Am 30. Oktober 2005 war der Weihegottesdienst. Aus dem Mahnmal wurde ein Symbol der Versöhnung. Das Wort Wiederaufbau wird uns auf diesem Rundgang noch oft begegnen. Fast jedes Haus, das wir sehen, hat diese zwei Lebensläufe. Schauen Sie sich jetzt um: Der Platz, auf dem Sie stehen, ist die nächste Station.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Frauenkirche am Neumarkt. Der Kuppelbau ist einundneunzig Meter hoch und entstand von 1726 bis 1743 nach Plänen von George Bähr. In der Nacht zum 14. Februar 1945 brannte die Kirche aus, am Vormittag des 15. Februar stürzte sie ein. Wiederaufgebaut wurde sie von 1993 bis 2005.

Für Kinder

Schau nach oben. Diese Kuppel ist aus Sandstein und einundneunzig Meter hoch. Weil der untere Teil nach innen gebogen ist, nannten die Leute sie die Steinerne Glocke. Stein ist schwer: Schon beim Bauen bekam die Kuppel Risse. Im Februar 1945 fielen Bomben auf Dresden, und es brannte so heiß, dass die Steine schwach wurden. Fast fünfzig Jahre lag die Kirche danach als Trümmerhaufen da. Dann schickten Menschen aus vielen Ländern Geld, und sie wurde noch einmal gebaut. Siehst du die dunklen Steine in der Wand? Das sind die alten.

Quellen

Koordinaten: 51.051944444, 13.741666666 · auf der Karte

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