Sie stehen vor der Kreuzkirche am Altmarkt. Zur Jahreszahl gleich ein Hinweis: Wikidata nennt für diese Kirche 1170. Der Wikipedia-Quelle sagt etwas anderes, nämlich dass mit dem Beginn einer Kaufmannssiedlung in der Mitte des 12. Jahrhunderts anzunehmen ist, dass auch der erste Kirchenbau begann. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt. Dieser erste Bau war wohl eine romanische Basilika, und er war nicht selbstständig: Er unterstand dem Patrozinium der Frauenkirche, bei der wir vorhin standen. Im 14. Jahrhundert hieß er Nikolaikirche, nach dem Schutzpatron der Händler und Kaufleute. Dann kam das Kreuz. 1234 stiftete Constantia von Babenberg eine Kreuzesreliquie, man baute eine Kapelle dafür, und der Name der Kapelle übertrug sich auf die Kirche. 1319 steht sie erstmals als ecclesia sanctae crucis in den Akten, nach der Weihe eines neuen Hauptaltars am 10. Mai 1388 heißt der ganze Bau Zum heiligen Kreuz. Jetzt ein Detail, das viel über diese Stadt sagt. Das Vermögen der Kreuzkapelle wurde mit dem Vermögen der Elbbrücke zusammengelegt und bis ins 19. Jahrhundert im Dresdner Brückenamt verwaltet. Kirche und Brücke aus einer Kasse. Dazu kamen Einnahmen aus Ländereien in Bannewitz, Prohlis, Lockwitz und Gittersee und aus Weinbergen in Kötzschenbroda. Von 1447 bis 1449 wurde die romanische Basilika zur gotischen Hallenkirche umgebaut, unter Hans Kumoller und seinem Sohn Matthes. Am 15. Juni 1491 vernichtete ein Stadtbrand den Bau, Gewölbe und Pfeiler des Langhauses stürzten ein, nur die Sakristei blieb unversehrt. Wieder aufgebaut, 1539 der erste lutherische Gottesdienst, und damit wurde die Kreuzkirche evangelische Hauptkirche der Stadt. Und die Reliquie, um die herum alles benannt war? Sie wurde nun schwarzer Abgott genannt und in den Bodenraum der Sakristei verbannt, den man deshalb Götzenraum nannte. Dort wurde sie mit der Zeit vergessen. Zerstört wurde sie am 19. Juli 1760, als preußische Truppen Dresden beschossen. Schauen Sie den Turm an. Von 1579 bis 1584 stand hier ein rechteckiger, sehr mächtiger Westturm, sechsundneunzig Meter hoch, der bis 1765 das Stadtbild prägte. 1765 brach die alte Turmfront ein, die man in den Neubau einbeziehen wollte. Danach stritten Barock und Klassizismus dreißig Jahre um dieses Haus. Außen gewann der Klassizismus, innen der Barock: Die Weihe war 1792, fertig war der Bau 1800. Am 16. Februar 1897 brannte die Kirche erneut aus. Wie der Bau vorher aussah, können Sie auf den Bildern des Hofmalers Bernardo Bellotto sehen, den man Canaletto nannte: Gotik und Renaissance. Fünf Zerstörungen, fünf Wiederaufbauten. Die nächste Station steht gleich hier auf dem Platz, aber nur im Dezember.
Sie stehen vor der Kreuzkirche am Altmarkt. Sie ist die evangelische Hauptkirche Dresdens. Hier arbeitet der Dresdner Kreuzchor. Der Bau wurde in seiner Geschichte fünfmal zerstört, zuletzt im Zweiten Weltkrieg. Der äußere Wiederaufbau dauerte von 1946 bis 1955.
Diese Kirche heißt Kreuzkirche. Hier singt der Dresdner Kreuzchor. Ihren Namen hat die Kirche von einem kleinen Stück Holz: Vor fast achthundert Jahren schenkte eine Frau ihr einen Splitter vom Kreuz. Dafür baute man eine eigene Kapelle, und bald nannten alle die ganze Kirche nach dem Kreuz. Später wollte niemand die Reliquie mehr haben. Man legte sie in eine Kammer über der Sakristei und vergaß sie dort. Fünfmal wurde diese Kirche zerstört und fünfmal wieder aufgebaut. Hör mal: Spielt gerade die Orgel?
Koordinaten: 51.04872, 13.73919 · auf der Karte