Sie stehen auf dem Altmarkt, und diese Station gibt es eigentlich nur im Dezember. Dann steht hier der Striezelmarkt. Der Anfang ist ein landesherrliches Privileg: Am 19. Oktober 1434 stellten Kurfürst Friedrich II. der Sanftmütige und sein Bruder Herzog Sigismund dem Rat der Stadt die Erlaubnis für einen freien Markt aus, um gemeines nutzens und unserer stadt besten willen. Dresden hatte zu dieser Zeit viertausend Einwohner. Der Markt dauerte einen Tag. Es gab Fleisch, weil nach den vorweihnachtlichen Fastentagen der Braten gekauft werden musste. Den Namen gab ihm das Gebäck: Christbrod steht 1474 auf einer Rechnung an den Dresdner Hof, und seit etwa 1500 hieß der Montag vor Weihnachten Striezelmontag, nach dem Strutzel oder Striezel, dem heutigen Stollen. Für einen einzigen Tag lohnte sich keine Bude. Deshalb lieh der Rat zu Dresden den Händlern gegen Gebühr einfache Bretter, die Struzelbreten, als Unterlage für die Striezel. Karren zum Transport wurden ab 1507 vermietet. Jetzt zum Streit, der sich über Jahrhunderte zieht. Je besser der Markt lief, desto mehr Händler kamen von außerhalb: Leineweber aus der Lausitz, Glashändler aus Böhmen, Spielzeughändler aus dem Erzgebirge, Pfefferküchler aus Pulsnitz ab 1655. Die ansässigen Handwerker beschwerten sich beim Rat, oft ohne Erfolg, denn die Fremden verkauften billiger. Was dann geschah, ist eine kleine Lehrstunde in Bürokratie. 1727 durften angereiste Töpfer nur noch einen Korb Ware verkaufen. Die Händler kamen daraufhin mit größeren Körben. Ab 1728 prüfte ein Marktmeister die Größe der Körbe. Es durfte nicht mehr Ware im Korb sein, als ein Mensch in einem Korb tragen konnte. Wer beim verbotenen Hausieren erwischt wurde, verlor seinen gesamten Warenbestand. Wer zu früh verkaufte, zahlte zehn Taler Strafe. Ab 1787 konnte ein Händler für sechzehn Groschen eine feste Stelle erwerben, lebenslang und nicht übertragbar. 1811 gab es 271 fest eingeschriebene Plätze. Und nun die Kinder. Um 1800 wurde der Kleinhandel auf dem Markt und in den Straßen ringsum besonders von Kindern betrieben, den Striezelkindern. Sie verkauften selbst gemachte Papierlaternen, Puppen und Pflaumentoffeln. Erst eine Verordnung vom 28. November 1850 erlaubte ihnen den Handel ausdrücklich, und nur an den letzten vierzehn Tagen vor Weihnachten. 1910 wurde der kindliche Verkaufshandel untersagt. Nach 1945 musste der Markt ausweichen. Vom 5. bis 13. Dezember 1945 gab es eine Weihnachtsmesse in einem Saal der ehemaligen Goehle-Werke, unter dem Motto: Jedem Kind ein Weihnachtsgeschenk. Mehr als 30.000 Menschen kamen. Danach wanderte der Markt durch die Stadt, bis er zurückkam. Heute zählt er zwei Millionen Besucher im Jahr, 2018 setzte er rund 48 Millionen Euro um.
Sie stehen auf dem Altmarkt. Hier wird seit 1434 im Advent der Striezelmarkt veranstaltet. Er ist der älteste mit einer Urkunde bestätigte Weihnachtsmarkt Deutschlands und zieht im Jahresschnitt zwei Millionen Besucher an. Achtzig Prozent der Händler kommen aus Sachsen.
Hier ist im Dezember der älteste Weihnachtsmarkt Deutschlands. Er heißt Striezelmarkt. Striezel ist ein altes Wort für Stollen, diesen Kuchen mit Rosinen. Der Markt begann 1434. Und zuerst gab es hier keine Geschenke, sondern Fleisch für den Weihnachtsbraten, an einem einzigen Tag. Händler aus anderen Städten durften nur so viel verkaufen, wie in einen Korb passte. Also kamen sie mit riesigen Körben, und die Stadt stellte einen Mann hin, der die Körbe nachmaß. Vor zweihundert Jahren verkauften hier auch Kinder. Was würdest du verkaufen?
Koordinaten: 51.049631, 13.737964 · auf der Karte