Stadtohr

Stadtrundgang Dresden · Station 5 von 16

Kupferstichkabinett Dresden

1720 · museum, zeichnung, sammlung

Ausführlich

Sie stehen am Residenzschloss. Diese Station ist unsichtbar, denn sie besteht aus Papier. Im zweiten Obergeschoss liegt das Kupferstich-Kabinett, ein Museum für Zeichnung, Druckgrafik und Fotografie. Es ging 1720 als eigenständiges Museum aus der um 1560 gegründeten Kunstkammer der Wettiner hervor. Nach eigener Angabe ist es damit das älteste Museum für graphische Künste im deutschsprachigen Raum. Die Sammlung umfasst über 500.000 Exemplare. Darin stecken Blätter von Albrecht Dürer, Lucas Cranach dem Älteren, Hans Holbein dem Jüngeren, Jan van Eyck, Rubens, Rembrandt, Goya und Michelangelo. Dazu kommen Künstler mit Dresdner Bezug: Caspar David Friedrich, Ludwig Richter, Georg Baselitz. 1898 kaufte der damalige Direktor Max Lehrs die ersten Arbeiten von Käthe Kollwitz. Heute sind es etwa zweihundert. Gezeigt werden in den Wechselausstellungen bis zu 200 Objekte, alle drei Monate andere. Rechnen Sie das einmal gegen eine halbe Million. Nun zum schweren Teil. Die Zerstörung der Stadt im Februar 1945 bedeutete auch für dieses Kabinett einen schweren Einschnitt. Trotz Auslagerung waren die Verluste sehr hoch. Nach dem Krieg wurde der berühmteste Teil der Sammlung in die Sowjetunion verbracht. Erst Ende der 1950er Jahre kehrte er zurück und wurde im Albertinum wieder zugänglich gemacht, wo wir am Ende dieses Rundgangs noch stehen werden. 2004 zog das Kabinett in die sanierten Räume des Residenzschlosses. Dass Verluste aus einem Krieg kein abgeschlossenes Kapitel sind, zeigt ein Vorgang von 2004 und einer von 2026. Am 20. Februar 2004 gab der ukrainische Präsident Leonid Kutschma der Bundesregierung zwei Bände mit 142 Kupferstichen aus diesem Haus zurück. Und im Juni 2026 wurde bekannt, dass eine seit dem Zweiten Weltkrieg verschollene Zeichnung von Otto Greiner wieder aufgetaucht ist, ein stehender männlicher Rückenakt von 1892, 1894 erworben. Sie lag im Getty Research Institute in Los Angeles. Der Weg dorthin: 2001 kurz auf dem deutschen Kunstmarkt, 2005 von einem Privatsammler in New York gekauft, 2016 mit dessen Sammlung an das Institut. Und jetzt die Stelle, an der ich Ihnen raten würde, kurz stehen zu bleiben. Woran erkennt man eine Zeichnung nach über achtzig Jahren wieder? Wissenschaftlerinnen des Kupferstich-Kabinetts identifizierten sie an drei Dingen: an einer historischen Reproduktion von 1900, an einem charakteristischen Tintenfleck und an einer kyrillischen Beschriftung auf der Rückseite. Ein Fleck als Beweis. Das Getty Research Institute hat dem Blatt von Juni bis Oktober 2026 eine eigene Ausstellung gewidmet, und im Dezember 2026 soll es offiziell zurückgegeben werden. 2008 wurde dieses Haus Museum des Jahres. Gleich hinter der Wand, an der Sie stehen, liegt die Schatzkammer. Vorher aber ein Wort darüber, wer all diese Museen zusammenhält.

Kurzfassung

Sie stehen am Residenzschloss. Im zweiten Obergeschoss liegt das Kupferstich-Kabinett, ein Museum für Zeichnung, Druckgrafik und Fotografie. Es ging 1720 als eigenständiges Museum aus der um 1560 gegründeten Kunstkammer der Wettiner hervor. Die Sammlung umfasst über 500.000 Blätter.

Für Kinder

Hier im Schloss gibt es ein Museum, das du meistens nicht sehen kannst. Es sammelt nur Dinge aus Papier: Zeichnungen, Drucke, Fotos. Über fünfhunderttausend Stück. Papier mag keine Sonne, es wird gelb davon. Deshalb liegen fast alle Blätter in dunklen Schränken. Ein Bild war über achtzig Jahre verschwunden, dann fand man es in Amerika. Aber wie beweist man, dass es das richtige ist? Forscherinnen verglichen ein altes Foto, eine Schrift auf der Rückseite und einen Tintenfleck. Der Fleck war der Beweis.

Quellen

Koordinaten: 51.0527, 13.7369 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.