Stadtohr

Stadtrundgang Dresden · Station 8 von 16

Grünes Gewölbe

1723 · schatzkammer, barock, diebstahl

Ausführlich

Sie stehen am Westflügel des Residenzschlosses, vor der Schatzkammer. Zur Jahreszahl zwei Angaben, beide richtig, aber nicht dasselbe: Wikidata nennt 1723, und das ist das Jahr, in dem August der Starke hier eine Wunderkammer einrichtete. Die Räume selbst sind älter. Nachdem Moritz 1547 Kurfürst geworden war, ließ er im Westen seines Schlosses einen Flügel anbauen. Zwei Räume und ein großer Saal mit Turmzimmer erhielten prunkvolle Decken, und die Säulenbasen und Kapitelle wurden malachitgrün bemalt. Daher der Name. Offiziell hießen diese Räume ab dem späten 16. Jahrhundert Geheime Verwahrung. Sie waren kein Museum, sondern ein Tresor. Dass man steinerne Gewölbe dafür nahm, hatte einen Grund: Schutz gegen Feuer. Diese vorausschauende Entscheidung ist der Grund, dass es hier überhaupt noch etwas zu sehen gibt. Zwischen 1723 und 1730 machte August der Starke daraus eine Schau. Die Architektur der Schatzkammern gestaltete Matthäus Daniel Pöppelmann, derselbe Baumeister, der den Zwinger plante. Seit 1724 waren die Räume öffentlich zugänglich. Über 4000 Kunstwerke gehören dazu. Ein Stück zum Hinsehen: der Mohr mit der Smaragdstufe, 63,8 Zentimeter hoch, aus lackiertem Birnbaumholz, besetzt mit Smaragden, Rubinen, Saphiren, Topasen, Granaten und Schildpatt, geschaffen vom Hofgoldschmied Johann Melchior Dinglinger mit Balthasar Permoser, wahrscheinlich 1724. Dargestellt ist, am Körperschmuck zu erkennen, kein Afrikaner, sondern ein Indianer. Die Smaragde stammten aus Kolumbien und waren Kurfürst August 1581 geschenkt worden. Nun das Kriegskapitel, kurz: Die Bombardierung am 13. Februar 1945 zerstörte drei der neun Räume größtenteils. Die Kunstschätze waren Jahre vorher auf die Festung Königstein ausgelagert worden, kamen am Kriegsende in die Sowjetunion und wurden 1958 an die DDR zurückgegeben. Am 7. September 2004 öffnete das Neue Grüne Gewölbe im ersten Stock, am 1. September 2006 das wiederhergestellte Historische Grüne Gewölbe im Erdgeschoss. Es richtet sich nach den erhaltenen Inventaren von 1733, mehr als 3000 Objekte kehrten an ihren alten Platz zurück. Das Land Sachsen gab insgesamt 45 Millionen Euro dafür aus. Und dann, am frühen Morgen des 25. November 2019, wurde hier eingebrochen. Aus einer Vitrine im Juwelenzimmer verschwanden mehrere Objekte, Teile von zwei weiteren Stücken und diamantbesetzte Rockknöpfe. Dabei ging auch der Sächsische Weiße verloren, ein weißer Diamant mit achtundvierzig Karat. Im September 2021 wurde gegen sechs Mitglieder einer Familie Anklage erhoben, am 17. Dezember 2022 konnte die Polizei 31 Objekte sichern. Zwei Stücke fehlen weiterhin: die Epaulette mit dem Sächsischen Weißen und die Große Brustschleife der Königin Amalie Auguste. Vierhundertfünfundsiebzig Jahre Tresor, und dann das.

Kurzfassung

Sie stehen am Westflügel des Residenzschlosses. Hier liegt das Grüne Gewölbe, die historische Schatzkammer der Wettiner. Der Name kommt von den malachitgrün gestrichenen Säulenbasen und Kapitellen der ursprünglichen Räume. Seit 1724 sind die Sammlungsräume öffentlich zugänglich.

Für Kinder

Hinter dieser Wand ist eine Schatzkammer. Sie heißt Grünes Gewölbe, weil in den ersten Räumen die Säulen oben und unten grün angemalt waren. Zuerst war das kein Museum, sondern ein Versteck. Die Fürsten legten ihre Schätze in Räume aus Stein, weil Stein nicht brennt. Das war schlau: Deshalb sind die Schätze heute noch da. 2019 brachen nachts Diebe ein und nahmen Schmuck mit, darunter einen weißen Diamanten. Vieles kam zurück, zwei Stücke fehlen bis heute. Was würdest du in einen Raum legen, der nicht brennen kann?

Quellen

Koordinaten: 51.0528, 13.7364 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.