Sie stehen vor der Sempergalerie, dem Flügel, der den Zwinger nach Norden schließt. Dahinter hängen etwa siebenhundert Gemälde aus dem 15. bis 18. Jahrhundert, ungefähr vierzig Prozent dessen, was im Depot liegt, dicht gehängt in prunkvollen Goldrahmen. Die Sammlung fängt 1560 an, mit der Kunstkammer des Kurfürsten August, in der Gemälde noch eine untergeordnete Rolle spielten. Systematisch wurde erst im 18. Jahrhundert gesammelt, unter August dem Starken und seinem Sohn Friedrich August II. Zwei Käufe machten die Sammlung europaweit berühmt: 1746 die hundert besten Werke aus der Sammlung des Herzogs Francesco III. von Modena, 1754 die Sixtinische Madonna von Raffael. Dann kam der Siebenjährige Krieg und beendete das Sammeln für viele Jahre. Das Haus selbst entwarf Gottfried Semper. Er musste 1849 fliehen, und Karl Moritz Haenel stellte den Bau 1855 fertig. Am 25. September 1855 wurde er als Neues Königliches Museum eröffnet. Die vierunddreißig spanischen Bilder gelten als der wichtigste Bestand in einem deutschen Museum, und die Cranach-Sammlung ist die größte der Welt. Jetzt die Rechnung, die dieses Haus mit dem Krieg offen hat, und sie ist genau belegt. Die Bilder wurden ausgelagert: in das Kalkwerk Lengefeld, in den Tunnel der Rottwerndorfer Sandsteinwerke bei Pirna, in den Cottaer Tunnel. Deshalb blieb die Mehrzahl erhalten, obwohl die Sempergalerie weitgehend zerstört wurde. Aber am 13. Februar 1945 verbrannten 154 Gemälde, weil der Lastwagen, auf dem sie geladen waren, von einer Bombe getroffen wurde. Sie sollten wegen des Vorrückens der Roten Armee aus dem Depot Schloss Milkel nach Westen gebracht werden. Der Weg über Dresden war verboten. Er wurde verbotswidrig gewählt. Weitere zweiundvierzig Gemälde, alles Großformate, verbrannten am gleichen Tag im Residenzschloss. Nach dem Krieg kamen die verbliebenen Bilder als Beutekunst in die Sowjetunion. 1955 beschloss der Ministerrat die Rückgabe, am 25. August 1955 wurden in Moskau 1240 Dresdner Gemälde an eine Delegation der DDR übergeben. Am 3. Juni 1956 öffnete die Galerie in einem Teil des noch im Wiederaufbau befindlichen Hauses. Zur Vierhundert-Jahr-Feier der Sammlungen am 31. Oktober 1960 war das Gebäude wiederhergestellt, und 240 weitere Bilder kamen hinzu. 1963 zählte man 206 im Krieg zerstörte und 507 vermisste Gemälde. Etwa 450 Gemälde sind bis heute kriegsbedingt vermisst. Eine Zahl, die nicht abnimmt und nicht verschwindet. Von 1988 an wurde die Sempergalerie umfassend rekonstruiert und am 5. Dezember 1992 wiedereröffnet. Nach sieben Jahren Generalsanierung öffnete die Gemäldegalerie im Februar 2020 erneut. Gehen Sie ein paar Schritte nach Norden, auf den Platz hinaus.
Sie stehen vor der Sempergalerie am Zwinger. Hier hängt die Gemäldegalerie Alte Meister mit etwa siebenhundert Werken aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. Die Schwerpunkte sind italienische Renaissance und holländische und flämische Malerei des 17. Jahrhunderts. Das Haus wurde 1855 eröffnet.
Hinter dieser langen Wand mit den Säulen hängen etwa siebenhundert Bilder. Das berühmteste heißt Sixtinische Madonna. Im Krieg hatten die Menschen Angst, dass die Bilder verbrennen. Deshalb versteckten sie sie weit weg, in einem Kalkwerk und in Tunneln im Berg. Das war klug: Das Museum wurde zerstört, die meisten Bilder nicht. Etwa vierhundertfünfzig Bilder sind bis heute verschwunden. Niemand weiß, wo sie sind. Wenn du ein Bild retten müsstest: Wo würdest du es verstecken?
Koordinaten: 51.05338, 13.73466 · auf der Karte