Stadtohr

Stadtrundgang Bremerhaven · Station 8 von 16

Carlsburg (Lehe)

· festung, schweden, stadtgründung, 17. jahrhundert

Ausführlich

Sie stehen im ältesten Teil Bremerhavens. Die Straßennamen Karlsburg und An der Karlstadt erinnern noch an das, was hier einmal werden sollte: Carlsburg, eine schwedische Festungsstadt, die nie fertig wurde. Seit 1648 übte Schweden die Hoheitsrechte über die Herzogtümer Bremen und Verden aus. Es besaß dort keine bedeutenden Hafenstädte. Also entstand der Plan, direkt an der Wesermündung eine Hafen- und Festungsstadt zu gründen, als eigener Stützpunkt und um Bremen zu schaden. 1670 beauftragte man Dionys Bredekow und Jean Mell mit Grundrissen. Mells Entwurf wurde gewählt: eine ovale Stadt in der Ebene nördlich der Geeste, mit zehn Bastionen und einem Kanal im Inneren als geschütztem Binnenhafen. Benannt wurde sie nach König Karl XI. 1672 begannen die Erdarbeiten. Die Geeste erhielt einen künstlichen Durchstich, und die Einwohner von Lehe wurden zu Hand- und Spanndiensten verpflichtet. Der Architekt Nicodemus Tessin der Ältere plante 1674 sogar Straßenzüge und öffentliche Bauten. Neben Lutheranern und Reformierten wollte man auch Katholiken aus England und Juden die Ansiedlung ermöglichen. Dann kam der Krieg. Die Befestigungen waren so weit fertig, dass die Besatzung mit 600 bis 800 Mann und 72 Geschützen eine erste Blockade abwehrte. Ab Ende Oktober 1675 wurde die Stadt ein zweites Mal belagert, durch Nahrungsmangel und Krankheiten geschwächt kapitulierte die Garnison im Januar 1676. Ein zweiter Versuch ab 1679 scheiterte. Der Festungsbaumeister Erik Dahlberg entwarf eine Idealstadt mit kreuzförmigem Hafen und 400 Bauplätzen, die Geeste sollte nach holländischem Vorbild der Grachten durch die Stadt laufen. Gebaut wurde das nie. 1700 brachte man die letzten Kanonen nach Stade, das Projekt war aufgegeben. Und doch ist diese Stadt nicht verschwunden. 1827 kaufte Bremen, wegen der zunehmenden Versandung der Weser, durch Bürgermeister Johann Smidt von Hannover das Gelände und Deichvorland der unvollendeten Festungsstadt. Am 1. Mai 1827 wurde es übergeben und Bremerhaven genannt. Bis 1830 war der Alte Hafen fertig, an dem wir begonnen haben. Die Wälle von Carlsburg wurden planiert, der Marktplatz Bremerhavens lag ungefähr im Zentrum der ehemaligen Festung. Und 1849 entstand hier ein Auswandererhaus, von dem im nächsten Halt die Rede ist.

Kurzfassung

Sie stehen im ältesten Teil Bremerhavens, auf dem Gelände der Carlsburg. Schweden wollte hier Ende des 17. Jahrhunderts eine Festungsstadt bauen, 1700 wurde das Projekt aufgegeben. 1827 kaufte Bremen das Gelände und gründete Bremerhaven.

Für Kinder

Hier sollte einmal eine Stadt entstehen, aber kein Dorf mit Häusern, sondern eine Festung mit zehn Bastionen. Das wollte Schweden im 17. Jahrhundert bauen. Sie sollte Carlsburg heißen, nach dem schwedischen König Karl XI. Man fing 1672 an, Gräben und Wälle auszuheben. Doch es gab Krieg, und die Stadt wurde nie fertig. 1700 brachte man die letzten Kanonen weg. Mehr als hundert Jahre später kaufte Bremen das Land und gründete Bremerhaven. Es wurde am 1. Mai 1827 übergeben. Was hätte wohl aus einer Stadt mit einem Kanal mitten drin werden können?

Quellen

Koordinaten: 53.54, 8.58333 · auf der Karte

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