Sie stehen vor der Liberei in der Kröppelstraße. Das kleine Haus wirkt unscheinbar. Es misst im Grundriss nur 5,50 mal 5,14 Meter, ein kapellenartiger Backsteinbau. Aber es gilt als ältester freistehender Bibliotheksbau nördlich der Alpen. Die Geschichte beginnt 1309. Magister Jordanus, Pfarrer der Andreaskirche, starb und hinterließ seiner Kirche testamentarisch seine Sammlung von 18 Handschriften. Seine Nachfolger mussten sich verpflichten, sie unversehrt zu erhalten und nie zu verkaufen. 1412 ließ Pfarrer Johann Ember einen Vertrag aufsetzen: Er wollte ein eigenes Gebäude für die Bibliothek stiften und bezahlen. Die Kirchenältesten sollten zehn Mark beitragen. Der Vertrag regelte genau, wie die Bücher zu halten waren. Jede Handschrift wurde mit einer Kette gesichert und lag auf einem Pult. Die Schlüssel zu den Ketten hatten der Rat der Neustadt und die Kirchenältesten, der Schlüssel zum Gebäude der jeweilige Pfarrer. Ausleihen durfte niemand, außer Ember selbst, und der höchstens zwei Bücher auf einmal. Zugänglich sollten die Bücher neben dem Klerus allen sonstigen ehrwürdigen Personen sein. Es war also eine Präsenzbibliothek, eine frühe öffentliche Bücherei. Im Gegenzug sollten zweimal im Jahr Gedenkfeiern für Ember und seine Eltern gehalten werden. Am 25. September 1412 wurde mit dem Lüneburger Baumeister Meister Heinrich, Werners Sohn, vereinbart, wie das Haus aussehen sollte. Als Material wurde Ziegelstein festgelegt. Fertig sein sollte es zu Pfingsten 1413. Das Dach wurde aber erst Mitte 1422 gedeckt, wegen des Braunschweiger Pfaffenkriegs. Schauen Sie auf den Backstein. Er war in der Stadt ungebräuchlich, denn in Braunschweig baute man vor allem Fachwerkhäuser. Sie ist das einzige Zeugnis mittelalterlicher Backsteingotik in der Stadt. Auf der Südseite verläuft ein Fries mit 17 schreitenden Löwen. Was er bedeutet, ist unbekannt. Darunter hängen drei Wappen. Links, so scheint es sicher, das Herzog Bernhards I. beziehungsweise des Blasiusstiftes, in der Mitte der Löwe für den Rat, rechts das Wappen Embers mit drei Eimern, denn sein Name bedeutet Zuber oder Eimer. Wozu die Wappenreihe diente, ist nicht geklärt. 1495 schenkte Gerwin von Hameln 336 Bände. Danach stritten sich der Rat und Gerwins Erben über Jahrzehnte, und Gebäude und Bestand litten unter Vernachlässigung und Diebstahl. 1753 wurden die Reste in eine größere Bibliothek überführt. Nach heutigem Forschungsstand sind noch 137 Bände aus Gerwins Nachlass erhalten. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus schwer beschädigt und erst ab 1963 restauriert.
Sie stehen vor der Liberei in der Kröppelstraße. Sie gilt als ältester freistehender Bibliotheksbau nördlich der Alpen und entstand zwischen 1412 und 1422. Der Backsteinbau misst im Grundriss nur 5,50 mal 5,14 Meter. Über 300 Jahre war ihre Bibliothek eine der bedeutendsten im norddeutschen Raum.
Dieses kleine Backsteinhaus war eine der ersten Büchereien, die nicht nur für Geistliche da war. Es wurde zwischen 1412 und 1422 gebaut. Die Bücher waren damals handgeschrieben und sehr wertvoll. Darum lag jedes auf einem Pult und hing an einer Kette. Mitnehmen durfte man keins. Nur der Pfarrer Johann Ember, der das Haus gestiftet hat, durfte höchstens zwei Bücher ausleihen. Schau dir die Südseite an. Da läuft ein Streifen mit Löwen entlang. Wie viele kannst du zählen? Es sind 17.
Koordinaten: 52.268, 10.5209 · auf der Karte