Stadtohr

Stadtrundgang Braunschweig · Station 12 von 16

Alte Waage

1534 · fachwerk, rekonstruktion, waagehaus, neustadt

Ausführlich

Sie stehen vor der Alten Waage. Ein Satz vorab, der wichtig ist: Das Haus, das Sie sehen, ist nicht alt. Es ist eine 1994 vollendete, detailgetreue Rekonstruktion eines Gebäudes von 1534. Schauen Sie hinauf. 21 Meter hoch, mehrgeschossig, freistehend, mit einem Zwischengeschoss zwischen Erdgeschoss und den zwei Obergeschossen. Alle Geschosse ragen etwa einen Meter über das Erdgeschoss hinaus, was bei Fachwerkhäusern früher üblich war und vor allem repräsentative Gründe hatte. Auf dem Dach sitzen drei große Erker mit Luken zum Speicher. Und unten: zwei große Tore. Dort mussten früher die Fuhrwerke zum Wiegen ihrer Ladung ein- und ausfahren, bevor sie diese in der Stadt anbieten durften. Erbaut wurde das Speicher- und Waagehaus der Neustadt 1534 am Wollmarkt, an der Stelle eines Waaghus, das 1401 erstmals erwähnt worden war. 1671 wurde die Alte Waage nicht mehr als Waage genutzt, weil eine neue errichtet worden war. Das Haus verfiel. 1854 restaurierte es der Hofbaurat Friedrich Maria Krahe, kaum nach dem historischen Bestand. Die Gefache, die bis dahin kunstvoll mit Ziegeln verfüllt waren, wurden weiß verputzt. Zwischen 1937 und 1939 wurden Krahes Veränderungen größtenteils zurückgenommen. Danach diente das Haus bis 1944 als Heim für die Hitlerjugend. 1944 kam das Ende. Am 10. Februar erhielt das Gebäude mehrere Volltreffer, die Reste gingen im Feuersturm des 15. Oktober unter. Das Grundstück wurde eingeebnet und jahrzehntelang als Parkplatz oder Marktplatz benutzt. 1991 begann unter dem Architekten Justus Herrenberger die Rekonstruktion am alten Standort. Der Ehrenbürger Friedrich Theodor Kohl hatte sich nachdrücklich dafür eingesetzt. Zum Teil wurden originale Bauteile verwendet, die katalogisiert und eingelagert worden waren. Gebaut wurde nach den historischen Plänen so originalgetreu wie möglich. Beim Fachwerk gibt es ausschließlich Holzverbindungen, keine Nägel, keine Schrauben. Es gab Streit um diese Kopie. Architekturprofessoren der TU schimpften „Disneyland“. Herrenberger nannte das Ergebnis eine ehrliche Konstruktion und eine phantastische Leistung der Zimmerleute. Bei der Eröffnung herrschte Volksfeststimmung. Heute ist das Haus ein Verwaltungs- und Schulungsgebäude der Volkshochschule.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Alten Waage in der Braunschweiger Neustadt. Das Haus ist 21 Meter hoch und das größte Fachwerkhaus der Stadt. Es ist eine 1994 vollendete Rekonstruktion des Originals von 1534, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Heute sitzt hier die Volkshochschule.

Für Kinder

Dieses Haus ist 21 Meter hoch und aus Holzbalken gebaut. Das nennt man Fachwerk. Früher war es eine Waage für Fuhrwerke. Wer Waren in die Stadt bringen wollte, musste sie hier erst wiegen lassen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus durch Bomben zerstört. Danach war an seiner Stelle jahrzehntelang ein Parkplatz. Von 1991 bis 1994 wurde es neu aufgebaut, nach den alten Plänen. Und das Besondere: Beim Fachwerk gibt es keine Nägel und keine Schrauben, nur Holzverbindungen. Was meinst du, wie hält ein Haus ohne Nägel zusammen?

Quellen

Koordinaten: 52.2675, 10.5197 · auf der Karte

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