Stadtohr

Stadtrundgang Braunschweig · Station 9 von 16

Braunschweiger Löwe

2. Hälfte 12. Jahrhundert · wahrzeichen, bronzeguss, heinrich der löwe, kriegszeit

Ausführlich

Sie stehen vor dem Braunschweiger Löwen, dem bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Er ist aus Bronze und überlebensgroß: 1,78 Meter hoch, 2,79 Meter lang, 880 Kilogramm schwer, die Wand ist höchstens zwölf Millimeter dick. Heinrich der Löwe ließ ihn als Symbol seiner Macht errichten. Eine Quelle nennt ihn die erste profane freistehende Großplastik des Mittelalters nördlich der Alpen. Er war kein Familiensymbol der Welfen, sondern das Zeichen von Heinrichs Namen. Der Name hat eine Geschichte. Als Heinrich 1156 zu Sachsen auch Bayern erhielt, wurde auf dem Hoftag zu Regensburg für ihn, so heißt es, ein neuer Name geschaffen: Heinrich der Löwe. Auf einem Silberbrakteaten der Braunschweiger Münzstätte steht es auch: Ich bin Heinrich von Braunschweig, ich bin der Löwe. Wann der Löwe aufgestellt wurde, ist ungewiss. Lange galt 1166, nach den Annalen des Albert von Stade, die rund hundert Jahre später entstanden. Neuere Forschung zweifelt daran, weil Albert für 1166 auch Ereignisse beschrieb, die nachweislich später stattfanden. Als frühestes Jahr der Aufstellung wird 1163 angenommen, als spätestes 1181. Wikidata nennt das Jahr 1100, eine Quelle die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts. Ich nenne Ihnen beide. Schauen Sie auf die Mähne. Zwischen den Zotteln fand man bei der letzten Restaurierung Spuren von Vergoldung. Der Löwe war ursprünglich vergoldet, seine Augen waren emailliert. Wer ihn gemacht hat, ist unbekannt. Wegen der feinen Ziselierung und der geradezu naturalistischen Ausführung vermutet man einen erfahrenen Goldschmied oder einen Glockengießer. Als Vorbilder werden die Kapitolinische Wölfin, der Markuslöwe in Venedig oder die Reiterstatue Mark Aurels genannt, die Heinrich auf Italienfeldzügen Barbarossas kennengelernt haben dürfte. Der Sockel wechselte. Zuerst stand der Löwe auf zwei niedrigen Säulen. Im August 1616 ließ Herzog Friedrich Ulrich sie durch einen pyramidalen Unterbau ersetzen, ein Jahr, nachdem er die Stadt heftig belagert hatte. 1812 rettete der Präfekt des Départements Oker, Friedrich Henneberg, den Löwen vor der Deportation nach Paris. Und 1943: Der Landeskonservator Kurt Seeleke tauschte das Original in einer Nacht-und-Nebel-Aktion gegen eine Kopie, die man 1936 bei der Berliner Gießerei Noack hatte anfertigen lassen. Er handelte ohne Absprache mit seiner vorgesetzten Dienststelle und ohne die NSDAP-Führung zu informieren. Das Original brachte er mit dem Siebenarmigen Leuchter, dem Imervard-Kreuz und dem Grabmal Heinrichs des Löwen in einen Stollen im Rammelsberg bei Goslar, fünfzig Kilometer südlich von Braunschweig.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Braunschweiger Löwen, dem Wahrzeichen der Stadt. Heinrich der Löwe ließ den überlebensgroßen Bronzelöwen im 12. Jahrhundert als Symbol seiner Macht aufstellen. Er gilt als erste profane freistehende Großplastik des Mittelalters nördlich der Alpen.

Für Kinder

Du stehst vor dem Löwen von Braunschweig. Er ist aus Bronze und überlebensgroß: 1,78 Meter hoch und 2,79 Meter lang. Heinrich der Löwe hat ihn aufstellen lassen, vor mehr als 800 Jahren. Früher war der Löwe golden und hatte Augen aus Email. Im Zweiten Weltkrieg hat ein Mann das Original heimlich bei Nacht gegen eine Kopie getauscht und in einen Stollen im Rammelsberg gebracht, damit die Bomben es nicht zerstören. Warum, glaubst du, ist ein Löwe das Zeichen einer ganzen Stadt?

Quellen

Koordinaten: 52.264861111, 10.524166666 · auf der Karte

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