Sie stehen vor St. Johannis, einer ehemaligen Klosterkirche der Franziskaner, in der Altstadt an der Havel, nahe der Jahrtausendbrücke. Um 1250, frühestens 1237, spätestens 1258, wurde der Konvent der Franziskaner von Ziesar in die Altstadt verlegt, weil es in Ziesar kriegerische Unruhen gegeben hatte. Die Franziskaner überführten den Leichnam des 1237 gestorbenen Ziesarer Pfarrers Helias hierher und bestatteten ihn in einer Franziskanerkutte vor dem Altar des heiligen Johannes des Täufers. Der heutige Bau wurde ab 1411 errichtet, traditionell vom Chor aus. 1428 war das Kloster das erste der Provinz, das sich der strengeren Richtung der Observanten zuwandte. Sie legten das Armutsgelübde und den Umgang mit Geld konsequenter aus. In der Reformation hob Kurfürst Joachim II. das Kloster auf. Ab 1544 setzte die Altstadt durch, die Gebäude als Hospital zu nutzen. Den Franziskanern räumte man ein Bleiberecht auf Lebenszeit ein, der letzte Nachweis stammt von 1570. Ab 1687 wies man die Kirche der französisch-reformierten Gemeinde als Gotteshaus zu. Im 19. Jahrhundert richtete sich eine Bierbrauerei in den Klostergemäuern ein, 1865 wurde das letzte Klostergebäude abgerissen. Die Bibliothek der Franziskaner lag nach der Reformation in St. Gotthardt, wo wir vorhin waren. Sie wurde 1923 an die Preußische Staatsbibliothek verliehen, im Zweiten Weltkrieg ausgelagert und kam als Kriegsbeute nach Krakau. Sie liegt dort in der Bibliothek der Jagiellonen-Universität. Die Bundesregierung sieht das als illegal. Darüber streiten Polen und Deutschland bis heute. Dann die Ruine. Ein britischer Luftangriff zerstörte im Zweiten Weltkrieg das gesamte Westjoch. 1985 stürzte das Dach über dem Chor ein. Ende der 1980er Jahre plante man, die Ruine zu beseitigen. Dazu kam es wegen der politischen Veränderungen 1989 und 1990 nicht mehr. Ab 1991 und 1992 sicherte man sie mit Notdach und Innengerüst. Vor der Bundesgartenschau 2015 wurde die Ruine für 3,7 Millionen Euro saniert und zum Veranstaltungsort umgebaut. 80 Prozent der Kosten trug das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz. Seit Ostersonntag 2016 feiert die Evangelisch-Reformierte Gemeinde zwischen Frühling und Herbst wieder Gottesdienste hier. Schauen Sie auf die Wände. Die Havel liegt nur 40 bis 70 Meter entfernt und destabilisiert den Baugrund. Nord- und Südwand stehen zum Ufer hin erheblich aus dem Lot, die Südwand stützen massive Außenpfeiler. Der Bau ist unverputzter Backstein, zweischiffig, spätgotisch. Der schlanke Turm entstand 1460 bis 1469. In der nördlichen Nische des Chors fand man mittelalterliche Malereien aus der Zeit um 1420, vermutlich eine Marienkrönung oder -segnung. In der zweiten Nische, von Norden gezählt, ist ein Jüngstes Gericht dargestellt.
Sie stehen vor der Kirche St. Johannis, einer ehemaligen Franziskanerkirche an der Havel. Der Konvent kam um 1250 aus Ziesar in die Altstadt, der heutige Bau entstand ab 1411. Die Ruine wurde für die Bundesgartenschau 2015 saniert und wird als Veranstaltungshalle genutzt.
Hier lebten früher Mönche, die Franziskaner. Sie kamen um 1250 aus Ziesar, weil dort Unruhen herrschten. Die Kirche, die du siehst, wurde ab 1411 aus Backstein gebaut. Im Zweiten Weltkrieg zerstörte ein Luftangriff einen Teil davon, 1985 stürzte das Dach über dem Chor ein. Dann war die Kirche eine Ruine. Für die Bundesgartenschau 2015 wurde sie repariert und bekam ein neues Dach. Die Havel fließt nur 40 bis 70 Meter entfernt. Die Havel macht den Baugrund unsicher, und die Wände stehen schief. Siehst du, in welche Richtung sie sich neigen?
Koordinaten: 52.4115, 12.5545 · auf der Karte