Sie stehen vor dem Alten Zuchthaus, heute Nicolaiplatz 28 und 30. Der Ort hat eine wechselvolle Geschichte als Armenhaus, Gefängnis, Konzentrationslager und Tötungsanstalt. Die ältesten Gebäude stammen von 1790. Damals begann der Bau des Königlichen Landarmen- und Invalidenhauses vor den Toren der Stadt. Hundert invalide Soldaten mit Familie und dreihundert verarmte Bürger aus der Mark sollten dort kostenlos Obdach finden. 1820 baute man es zu einer preußischen Strafanstalt um und umgab das Gelände mit einer hohen Ziegelmauer. 1920 und 1923 revoltierten die Insassen, weil Verpflegungsrationen gekürzt wurden. Die Revolten wurden blutig niedergeschlagen. Wegen katastrophaler hygienischer Zustände schloss man sie 1931 zunächst, ein neues Zuchthaus entstand im Stadtteil Görden. Von August 1933 bis Februar 1934 diente das Haus als frühes Konzentrationslager. Am 24. August 1933 kam ein erster Transport mit 90 Häftlingen an, später waren es 1000 bis 1200. Die Bewachung hatte die SS. Die Häftlinge litten unter katastrophalen sanitären Zuständen, Schikanen und Misshandlungen. Mindestens drei wurden zu Tode gefoltert, die kommunistische Stadtverordnete Gertrud Piter sowie Otto Ganzer und Georg Ziersch. Unter den Gefangenen waren auch der Schriftsteller Erich Mühsam und der Rechtsanwalt Hans Litten. Am 31. Januar 1934 wurde das Lager aufgelöst. Dann 1940. Hier wurde als zweite Anstalt nach Grafeneck eine Tötungsanstalt der Aktion T4 eingerichtet. Amtlich hieß sie Landes-Pflegeanstalt Brandenburg an der Havel, um ihre Funktion zu verschleiern. Im Januar 1940 erprobte man hier die Tötung von Menschen durch Kohlenstoffmonoxid, vor fünfzehn Beobachtern, darunter fast die gesamte Leitungsebene der T4-Zentrale. Ab Februar begann die planmäßige Tötung. Bis Oktober 1940 wurden mehr als 9000 psychisch Kranke und geistig Behinderte aus Nord- und Mitteldeutschland in einer Gaskammer ermordet, die als Dusche getarnt war. Unter den Opfern waren auch Kinder und jüdische Patienten. Eine 1945 aufgefundene Aufstellung, die sogenannte Hartheimer Statistik, nennt für 1940 insgesamt 9.772 Ermordete. Als Todesursache gab man verschleiernd eine natürliche an, dafür gab es auf dem Gelände ein eigenes Sonderstandesamt. Ein bekanntes Opfer ist der Architekt und Maler Paul Goesch. Im Oktober 1940 wurde die Anstalt mit dem gesamten Personal nach Bernburg verlegt. Von der Scheune, die als Gaskammer diente, ist nur noch die Rückwand erhalten. Sie bildet den südwestlichen Abschluss des Geländes. Seit 1963 hängt an der Mauer zum Nicolaiplatz hin eine Bronzetafel. In der DDR saß in diesem Haus die Verwaltung der Stadt. Heute sind hier Teile der Stadtverwaltung und die Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde untergebracht.
Sie stehen vor dem Alten Zuchthaus am Nicolaiplatz. Die ältesten Gebäude stammen von 1790. Es war Armenhaus, Gefängnis, 1933 und 1934 frühes Konzentrationslager und 1940 Tötungsanstalt der Aktion T4. Heute gibt es hier eine Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde.
Dieses Haus hat eine ernste Geschichte. Zuerst war es ein Haus für arme Menschen und für Soldaten, die nicht mehr dienen konnten. Später wurde es ein Gefängnis. 1933 und 1934 sperrten die Nationalsozialisten hier Politiker, Gewerkschafter und Schriftsteller ein. 1940 wurden in diesem Haus mehr als 9000 kranke Menschen und Menschen mit einer Behinderung ermordet. Das war schweres Unrecht. Heute erinnert eine Gedenkstätte an sie. Warum, glaubst du, ist es wichtig, dass wir uns an solche Orte erinnern?
Koordinaten: 52.411, 12.550694444 · auf der Karte