Sie stehen vor dem Gotischen Haus, Ritterstraße 86. Es stammt beinahe in originaler Bausubstanz von 1452 und gehört zu den ganz wenigen Zeugnissen bürgerlicher Backsteinbauweise des 15. Jahrhunderts in der Mark. Das Haus liegt etwa 77 Meter nördlich vom Chor der Johanniskirche, wo wir gerade waren, und 81 Meter von der Havel entfernt. Als es entstand, war es das erste Haus hinter der Toranlage, am Eingang der Altstadt von der Langen Brücke, der heutigen Jahrtausendbrücke. Der Grundriss misst 13,5 mal 10 Meter. Die Wände aus rotem Backstein im Klosterformat sind zwischen 80 Zentimeter und einem Meter stark und mit außergewöhnlicher Sorgfalt gemauert. Schauen Sie auf die Blendnischen, rund und spitzbogig, innen wie außen. Sie dekorieren die Wände und halfen dem unbekannten Bauherrn, Ziegel zu sparen. Der Keller reicht bis zu vier Meter unter das Straßenniveau und ist trotz der Nähe zur Havel trocken. Sein Fußboden besteht aus umgedreht verbauten Keramiktöpfen, oben viereckig, am Boden rund. Sie dienten unter anderem der Isolation. Man weiß, dass das Haus in einem Zug gebaut wurde, wahrscheinlich innerhalb eines Jahres. Im Erdgeschoss liegt ein saalartiger Raum von etwa hundert Quadratmetern. Wozu er diente, ist völlig unklar. Er lässt vermuten, dass das Haus, als dessen Bauherrn man am ehesten einen Patrizier annimmt, zumindest teilweise öffentlich war. Im Obergeschoss tragen Deckenbalken von 1452 einfache Sterndekorationen. Den Dachboden nutzte man wahrscheinlich nie als Speicher, denn es gibt keine Ladeluken. Der Dachstuhl von 1452 ist durchdacht auf Druck und Zug ausgelegt. Die Balken wurden wahrscheinlich angesengt, um Schädlingsbefall zu verhindern, und sind bis heute hervorragend erhalten. Die Strichnummern der Träger sind noch gut zu lesen. Das Haus besteht aus zwei Teilen, die erst nach 1724 unter ein gemeinsames Dach kamen. Um 1870 gestaltete man es zum Wohn- und Mietobjekt um. Aus dieser Zeit stammt die spätklassizistische Fassade mit Schwan- und Blütenmotiven. 1986 wurden Putzschichten freigelegt, und man erkannte den Wert des Hauses. Seitdem sieht man am Südostgiebel drei Rundblenden und Reste der Fensterlaibungen. Der Schaugiebel war mutmaßlich bis zum Rathaus der Neustadt zu sehen. Er hatte offenbar eine demonstrative Funktion, die sich aus der Konkurrenz der beiden Städte erklären lässt. Das Haupthaus besaß Braugerechtigkeit erster Klasse. Später war hier ein Radioreparaturgeschäft, dann die Reederei Carl Stein. Die Stadt erwarb das Haus und ließ es sichern. Eine Quelle nennt als Ziel für die Restaurierung den 30. April 2015, bei Kosten von etwa 1,5 Millionen Euro. Geplant waren eine museale Nutzung des Erdgeschosses und Stadtverwaltung im Obergeschoss. Wie es heute genutzt wird, steht nicht in einer Quelle.
Sie stehen vor dem Gotischen Haus, Ritterstraße 86. Es stammt fast in originaler Bausubstanz von 1452 und ist eines der wenigen Zeugnisse bürgerlicher Backsteinbauweise des 15. Jahrhunderts in der Mark. Wer es bauen ließ und wofür, ist unklar. Erst 1986 erkannte man seinen Wert.
Dieses Haus steht seit dem Jahr 1452. Das ist mehr als 570 Jahre her. Es ist aus rotem Backstein gebaut, und die Wände sind bis zu einem Meter dick. Im Keller liegt der Boden aus Tontöpfen, die man umgedreht eingebaut hat. Sie dienten der Isolation, und der Keller ist trocken, obwohl die Havel ganz nah ist. Im Dachstuhl sieht man noch Striche auf den Balken, mit denen man sie damals nummerierte. Wer das Haus ursprünglich bauen ließ, weiß man nicht. Warum, glaubst du, baut jemand einen Saal von hundert Quadratmetern?
Koordinaten: 52.4122, 12.555 · auf der Karte