Stadtohr

Stadtrundgang Brandenburg an der Havel · Station 2 von 16

Brandenburg

· slawen, burgwall, mittelalter, mark brandenburg

Ausführlich

Sie stehen noch immer auf der Dominsel, und zwar an einer Stelle, die älter ist als der Dom. Hier stand die Brandenburg, in den Quellen auch Brennaburg oder Brendanburg genannt, eine slawische Niederungsburg des 8. bis 12. Jahrhunderts auf einer Havelinsel. Um 600 entstand auf der Insel eine kleine slawische Siedlung. Funde und Hausformen weisen auf eine böhmische Herkunft. Diese Siedlung wurde bald aufgegeben und zu Ackerland. Danach kamen Einwanderer von östlich der Neiße und bauten um 700 die erste Burg mit Befestigung, daneben eine Vorburg. Seit dem 9. Jahrhundert wurden Befestigungen und Gräben mehrmals verstärkt. Im Winter 928 auf 929 eroberte König Heinrich I. die Burg, durch Aushungern und durch einen Angriff über den vereisten Burggraben. Die Bevölkerung blieb slawisch. 940 kehrte der Fürstensohn Tugumir aus deutscher Gefangenschaft zurück und herrschte unter deutscher Tributhoheit. 948 richtete man in der nordöstlichen Vorburg den Sitz des neuen Bistums ein. Nach dem Slawenaufstand von 983 wurden die Befestigungen beseitigt, die Gräben verfüllt und eine wesentlich größere Anlage von etwa vier Hektar angelegt. Stellen Sie sich einen Ringwall mit Palisaden vor, 240 mal 340 Meter groß, mit einem Haupthaus aus Holz in der Mitte. Seit etwa 1128 herrschte hier Fürst Pribislaw, der zwischenzeitlich zum König der Heveller gekrönt worden war. Nach seinem Tod übernahm 1150 Albrecht der Bär die Burg. Einige Zeit später nahm sie Jaczo ein, ein Verwandter Pribislaws; das Jahr ist unsicher. Am 11. Juni 1157 eroberte ein deutsches Heer mit Markgraf Albrecht und Erzbischof Wichmann von Magdeburg die Burg nach blutigem Kampf zurück. Das war der Beginn einer dauerhaften deutschen Herrschaft in der Mark Brandenburg. Danach wurde die Burg geteilt. Die nordöstliche Hälfte erhielt das Bistum und baute dort den Dom und die Domherrenhäuser. Der Dom entstand über den zugeschütteten Wällen der Burg, und die gestörten Bodenschichten tragen entscheidend zu seiner Instabilität bei. Den südlichen Teil erhielt wahrscheinlich zunächst der Burggraf Siegfried als Vertreter des Königs. Die Bischöfe verlegten ihre Residenz später auf die Burgen Pritzerbe und Ziesar, auf der Insel blieben die Domherren. Was ist von der Burg geblieben? Eine Quelle nennt als mögliches letztes Relikt die Kapelle St. Petri. Ihr Feldsteinsockel am Westgiebel gehört, zusammen mit dem Sockel des Westwerks von St. Gotthardt, zu den ältesten gemauerten Artefakten Deutschlands östlich der Elbe. Nach ungesicherten Angaben ist sie die Grablege des Fürsten Pribislaw-Heinrich; das Grab ist bisher nicht nachgewiesen. Auch ob sie wirklich die Burgkapelle war, ist nicht sicher. Zur Kirche St. Gotthardt, deren Turm zu den ältesten Bauten der Stadt zählt, gehen wir als Nächstes.

Kurzfassung

Sie stehen noch immer auf der Dominsel, an der Stelle der Brandenburg. Das war eine slawische Burg des 8. bis 12. Jahrhunderts. Am 11. Juni 1157 eroberte ein deutsches Heer sie zurück. Das war der Beginn dauerhafter deutscher Herrschaft in der Mark. Heute stehen hier der Dom und St. Petri.

Für Kinder

Vor über tausend Jahren stand hier eine Burg, die Brandenburg. Slawen hatten sie auf einer Insel in der Havel gebaut. Später war sie ein Ring aus Holzpalisaden mit einem Holzhaus in der Mitte. Im Winter 928 auf 929 war der Graben vor der Burg zugefroren, und König Heinrich der Erste griff über das Eis an. Stell dir vor, du verteidigst die Burg: Was ändert sich, wenn der Graben aus Eis ist? Später wurde die Burg geteilt. Eine Hälfte bekam das Bistum, und dort baute man den Dom.

Quellen

Koordinaten: 52.415, 12.5667 · auf der Karte

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