Stadtohr

Stadtrundgang Berlin · Station 2 von 16

Reichstagsgebäude

1894 · parlament, neorenaissance, glaskuppel, bundestag

Ausführlich

Sie stehen vor dem Reichstagsgebäude am Platz der Republik. Seit 1999 tagt hier der Deutsche Bundestag, seit 1994 tritt hier auch die Bundesversammlung zusammen, die den Bundespräsidenten wählt. Die Geschichte dieses Hauses beginnt mit einem Provisorium. Ab 1867 tagte der Reichstag des Norddeutschen Bundes im Gebäude des Preußischen Herrenhauses in der Leipziger Straße. Nach der Reichsgründung 1871 kamen die Abgeordneten der süddeutschen Staaten hinzu, und man brauchte mehr Platz. Als Übergangslösung machte man in nur 70 Tagen das Gebäude der Königlichen Porzellanmanufaktur für den Parlamentsbetrieb tauglich. Man rechnete mit fünf bis sechs Jahren. Es wurden 23. Dann das Grundstück. Die Kommission wählte einen Bauplatz auf der Ostseite des damaligen Königsplatzes, des heutigen Platzes der Republik. Dort stand aber das Palais des Grafen Raczyński. Der Graf weigerte sich, sein Grundstück abzugeben, und Kaiser Wilhelm I. zeigte wenig Neigung, ihn zu enteignen. So blieb der Siegerentwurf des ersten Wettbewerbs von 1872, von Ludwig Bohnstedt, unausgeführt. Erst nach dem Tod des Grafen 1874 und dem Verkauf des Palais an den preußischen Staat konnte man 1881 auf diesen Platz zurückkommen. 1882 gab es einen neuen Wettbewerb mit 189 anonymen Einsendungen. Paul Wallot aus Frankfurt am Main bekam den Auftrag, weil er mit 19 von 21 Stimmen eindeutig mehr Stimmen auf seiner Seite hatte als sein Mitgewinner. Am 9. Juni 1884 wurde der Grundstein gelegt, bei Regen, mit viel Militär und wenigen Parlamentariern. Wallot arbeitete unter ständiger Kritik und musste alle paar Monate neue Entwürfe liefern. Das größte Problem war die Kuppel. Sie sollte aus Stein sein, aber die Wände um den Plenarsaal waren zu schwach, um sie zu tragen. 1889 fand der Bauingenieur Hermann Zimmermann eine Lösung: eine leichte Konstruktion aus Stahl und Glas. Die Kuppel wurde dadurch statt 85 nur knapp 75 Meter hoch. Der Reichstag war eines der ersten großen Gebäude, die mit Portlandzement und Stahlarmierung errichtet wurden, dem heutigen Stahlbeton. 1894 war er fertig. Hier tagten der Reichstag des Kaiserreichs und der Weimarer Republik. Nach dem Reichstagsbrand von 1933 und dem Zweiten Weltkrieg stellte man das Haus in den 1960er Jahren in modernisierter Form wieder her. Von 1995 bis 1999 baute Norman Foster es um. Die begehbare Glaskuppel von heute geht auf eine Idee von Gottfried Böhm zurück. Fast drei Millionen Besucher kommen im Jahr; damit gilt der Reichstag als das meistbesuchte Parlamentsgebäude der Welt.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Reichstagsgebäude am Platz der Republik. Paul Wallot baute es von 1884 bis 1894 im Stil der Neorenaissance. Seit 1999 tagt hier der Deutsche Bundestag. Die begehbare Glaskuppel über dem Plenarsaal ist heute eine Landmarke im Stadtbild.

Für Kinder

Du stehst vor dem Reichstagsgebäude. Es ist ein Parlamentsgebäude, und seit 1999 tagt hier der Deutsche Bundestag. Gebaut wurde es von 1884 bis 1894. Vorher hatten die Abgeordneten nur eine Übergangslösung. Sie sollte fünf bis sechs Jahre dauern, am Ende waren es 23. Schau nach oben: Über dem Gebäude sitzt eine Kuppel aus Glas, und man kann sie betreten. Jedes Jahr kommen fast drei Millionen Besucher. Was glaubst du, was man von ganz oben alles sehen kann?

Quellen

Koordinaten: 52.518611111, 13.376111111 · auf der Karte

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