Stadtohr

Stadtrundgang Berlin · Station 12 von 16

Französischer Dom

1701 · hugenotten, gendarmenmarkt, kuppelturm, glockenspiel

Ausführlich

Sie stehen am Gendarmenmarkt vor dem Französischen Dom. Zur Jahreszahl gibt es zwei Angaben: Wikidata nennt 1701, das Jahr, in dem der Bau der Französischen Friedrichstadtkirche begann. Der Kuppelturm, der eigentliche Dom, entstand von 1780 bis 1785. Zuerst die Kirche. Sie wurde von 1701 bis 1705 für die Hugenotten gebaut. Das waren reformierte Glaubensflüchtlinge aus Frankreich. Mit dem Potsdamer Toleranzedikt von 1685 hatte der Große Kurfürst sie nach Brandenburg eingeladen. Über 15.000 Franzosen kamen, 6.000 von ihnen ließen sich in Berlin nieder. Um 1700 waren 20 Prozent der Berliner Einwohner Franzosen, und ihr kultureller Einfluss war groß. Nun der Turm. König Friedrich II. ließ ab 1773 den Gendarmenmarkt zu einem repräsentativen Platz umgestalten. Beide Kirchen am Platz ergänzte er durch zwei symmetrische Türme ohne Funktion, zugunsten von Prachtentfaltung und städtebaulicher Wirkung. Vorbild waren die überkuppelten Kirchen an der Piazza del Popolo in Rom. Baumeister des Französischen Turms waren Carl von Gontard und Georg Christian Unger. Das Wort Dom meint hier keine Bischofskirche. Es kommt vom französischen dôme, Kuppel, und gilt ebenso für den Deutschen Dom auf der Südseite des Platzes. Für den Bau musste der Friedhof der Hugenottengemeinde weichen. Die Gemeinde erhielt dafür ein unentgeltliches Nutzungsrecht für alle Zeiten. Im 19. Jahrhundert waren im Turm die Wohnungen des Küsters und des Kirchendieners sowie die Französische Domschule untergebracht, eine Knabenschule an der Nordseite und eine Mädchenschule an der Südseite, mit je sechs Klassenzimmern. Seit 1935, zur 250-Jahr-Feier des Edikts von Potsdam, ist hier das Hugenottenmuseum. Bei alliierten Luftangriffen verbrannten am 7. Mai 1944 das Kirchenschiff und am 24. Mai 1944 die Turmkuppel. Die darunter liegenden Geschosse blieben verschont, weil 1930 eine Betondecke eingezogen worden war. Von 1944 bis 1982 hielt die französisch-reformierte Gemeinde ihre Gottesdienste im Erman-Saal des Turms. Die Kirche wurde von 1978 bis 1985 wiederaufgebaut, die Kuppel von 1981 an rekonstruiert, für 6,5 Millionen D-Mark. Am 9. August 1987, zur 750-Jahr-Feier Berlins, übergab man den Turm mit Aussichtsbalustrade in 40 Metern Höhe, einem Restaurant in der vierten Ebene, dem Glockenspiel und dem Hugenottenmuseum. Das Glockenspiel hat 60 Glocken, fünf Oktaven Umfang und ein Gesamtgewicht von 29 Tonnen. Die tiefste Glocke wiegt 5700 Kilogramm, die kleinste 14. Es ist das zweitgrößte der Stadt, denn im Tiergarten gibt es seit 1987 eines mit 68 Glocken. Von 2004 bis 2006 wurde die Fassade für sechs Millionen Euro saniert, 18 der 60 Glocken wurden repariert oder neu gegossen.

Kurzfassung

Sie stehen am Gendarmenmarkt vor dem Französischen Dom. Der Kuppelturm wurde von 1780 bis 1785 an die Französische Friedrichstadtkirche angebaut. Die Kirche war von 1701 bis 1705 für Glaubensflüchtlinge aus Frankreich entstanden. Seit 1935 ist hier das Hugenottenmuseum.

Für Kinder

Du stehst am Gendarmenmarkt vor dem Französischen Dom. Das Wort Dom klingt nach Bischofskirche, aber hier bedeutet es Kuppel. Der Turm mit der Kuppel hat keine Aufgabe in der Kirche. Er wurde von 1780 bis 1785 gebaut, damit der Platz prächtiger aussieht. Gegenüber steht der Deutsche Dom, mit einem gleichartigen Turm. Die Kirche daneben bauten Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, die Hugenotten. Im Turm hängt ein Glockenspiel mit 60 Glocken. Die kleinste wiegt 14 Kilogramm, die größte 5700. Was meinst du, wie das klingt?

Quellen

Koordinaten: 52.514444, 13.392222 · auf der Karte

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