Stadtohr

Stadtrundgang Bayreuth · Station 4 von 16

Synagoge Bayreuth

· synagoge, jüdische geschichte, barock, novemberpogrome

Ausführlich

Sie stehen vor der Bayreuther Synagoge. Sie ist die älteste Synagoge in Deutschland, die noch ihrer Bestimmung gemäß genutzt wird, und sie steht angelehnt an das Markgräfliche Opernhaus. Diese Nachbarschaft ist kein Zufall, und sie hat am Ende Leben und Mauern gerettet. Zuerst die Vorgeschichte. Die ersten Menschen jüdischen Glaubens siedelten sich Mitte des 13. Jahrhunderts in Bayreuth an. Knapp dreihundert Jahre später, im Jahr 1515, wurde die jüdische Bevölkerung wieder vertrieben. Danach wurde nur noch einzelnen Juden der Zuzug gestattet, meist aus geschäftlichen Gründen. Die heutige Gemeinde entstand 1759. Markgraf Friedrich beschäftigte in seinem Hofstaat mehrere Juden, darunter einen Hofmaler sowie Hoffaktoren und Hofagenten. Seinem Hof- und Münzlieferanten Moses Seckel gab er 1759 drei Erlaubnisse auf einmal: zur Ansiedlung von zehn jüdischen Familien, zur Begründung einer Gemeinde und zum Bau einer Synagoge. Seckel kaufte mit seinem Bruder David für 8520 rheinische Gulden das alte Komödien- und Redoutenhaus, den Vorläuferbau des Opernhauses, und ließ es auf eigene Kosten umbauen. Nach knapp einem Jahr war es fertig: eingeweiht am 15. März 1760. Vorerst blieb die reich ausgeschmückte Synagoge sein Privateigentum; er stellte sie der Gemeinde unentgeltlich zur Verfügung. Erst mit seinem Tod ging sie, auf Wunsch des Bruders und rechtmäßigen Erben, in Gemeindebesitz über. Die Gemeinde wuchs stetig, zählte aber nie mehr als rund hundert Familien. 1787 konnte nach langwierigen Verhandlungen mit der Stadt der jüdische Friedhof in Benutzung genommen werden. 1829 wurde Joseph Aub der erste Distriktsrabbiner des 1813 neugegründeten Distriktsrabbinats Bayreuth. Und nun die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938. Der örtliche Gauleiter Fritz Wächtler gab Anweisungen, wie der angebliche spontane Ausbruch der Volkswut in Bayreuth abzulaufen habe. Nach 23 Uhr wurden SA-Leute durch motorisierte Melder aus den Betten oder Gastwirtschaften geholt; per Einsatzbefehl hatten sie sich in Zivilkleidung an der Ecke Opernstraße und Wölfelstraße einzufinden. Sie verwüsteten das Innere der Synagoge. In Brand steckten sie sie nicht, und zwar wegen der unmittelbaren Nähe zum Markgräflichen Opernhaus. Das Haus, das Sie sehen, steht, weil daneben ein Theater stand, das sie nicht verlieren wollten. Hinweise auf eine aktive Rolle der Bevölkerung lassen sich nicht finden. Ab den frühen Morgenstunden schafften Bedürftige Holz aus der Synagoge fort, darunter die Sitzbänke. In den 1960er Jahren wurde das Gebäude notdürftig wiederhergestellt und umgebaut, am 1. April 1967 erneut eingeweiht. Am 16. August 2013 wurde im Garten die Mikwe eingeweiht, ein rituelles Tauchbad; das Wasser kommt über einen artesischen Brunnen aus siebzig Meter Tiefe ohne Pumpe in das Becken. Danach wurde noch einmal umgebaut. Der Eingang kehrte von der Straßenseite auf die Westseite zurück, und die Rundbogenfenster kamen wieder, die bis 1965 bestanden hatten und damals auf Drängen der Schlösserverwaltung durch rechteckige ersetzt worden waren. Im Frühjahr 2018 wurde die Synagoge wieder eröffnet. Eine Entdeckung noch: 2009 fand man bei Sanierungsarbeiten in einem Hohlraum auf dem Dachboden eine Genisa, alte Schriftrollen und aus dem Gebrauch genommene religiöse Gegenstände. Im Januar 2010 wurde der Fund geborgen und inventarisiert.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Synagoge in der Münzgasse 2, angelehnt an das Markgräfliche Opernhaus. Eingeweiht wurde das barocke Haus am 15. März 1760. Es ist die älteste Synagoge in Deutschland, die noch ihrer Bestimmung gemäß genutzt wird. Heute ist sie Gebetshaus der Israelitischen Kultusgemeinde.

Für Kinder

Das hier ist eine Synagoge. So heißt das Gebetshaus im Judentum. Von allen Synagogen in Deutschland, in denen heute noch gebetet wird, ist diese die älteste. Eingeweiht wurde sie im Jahr 1760. Vorher war das Haus ein Theater. Ein Mann namens Moses Seckel kaufte es und baute es um, mit seinem eigenen Geld. An der Wand konnte man noch lange die alten Theaterbögen sehen. Im November 1938 zerstörten Nationalsozialisten in ganz Deutschland Synagogen und brannten sie nieder. Diese hier zerstörten sie innen, aber sie zündeten sie nicht an. Der Grund ist bitter: Direkt daneben steht das Opernhaus, und das wollten sie nicht verlieren. Im Garten gibt es ein Bad mit Wasser aus siebzig Meter Tiefe.

Quellen

Koordinaten: 49.9446, 11.5788 · auf der Karte

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