Sie stehen vor dem Redoutenhaus, Opernstraße 16, Ecke Münzgasse. Redoute bedeutet Ballsaal, errichtet für Maskenbälle und höfische Gesellschaftstänze. Der Name erklärt, wofür das Haus gedacht war. Wofür es tatsächlich gedient hat, ist eine andere Sache. Zur Vorgeschichte. 1714 und 1715 ließ Markgraf Georg Wilhelm hier ein erstes Redoutenhaus errichten, entworfen von Johann David Räntz, für Opern und Komödien, in der Nähe seiner Residenz, dem heutigen Alten Schloss. Sein Nachfolger Georg Friedrich Karl war sparsam, und das Haus fiel in einen Dornröschenschlaf. Als seine Schwiegertochter Wilhelmine es 1734 für eine Karnevalsveranstaltung nutzte, missfiel ihm das so sehr, dass er derartige Vergnügungen für die Zukunft untersagte. Er starb im Mai 1735. Sein Sohn Friedrich teilte die Moralvorstellungen des Vaters nicht. Wenige Jahre später war das Haus baufällig und den gewachsenen Ansprüchen nicht gewachsen; 1740 wurde es abgebrochen und an gleicher Stelle neu gebaut. Dahinter, durch einen Zwischentrakt getrennt, stand das Opera- und Komödienhaus. Da die Redoute dem Herrscherpaar bald nicht mehr genügte, entstand von 1744 bis 1750 das Opernhaus daneben. Jetzt kommt die Wendung. Mit Wilhelmines Tod im Oktober 1758 endeten Komödien und Maskeraden. 1759 verkaufte Friedrich das ganze Ensemble an den Bankier Moses Seckel. Seckel ließ den hinteren Trakt, das alte Opera- und Komödienhaus, innerhalb eines Jahres auf eigene Kosten zur Synagoge umbauen. Im Vordergebäude durfte er Gewerberäume und einen Laden einrichten. Sein Erbe, der Bruder David, trennte 1772 den vorderen und mittleren Trakt von der Synagoge ab. Danach war das Vordergebäude viele Jahrzehnte ein Büro- und Geschäftshaus. Eineinhalb Jahrhunderte lang blieb das Redoutenhaus Eigentum und Domizil jüdischer Familien. Erst 1919 wurde es an zwei nichtjüdische Personen verkauft. Im frühen 20. Jahrhundert betrieben Salomon und Albertine Neuland hier ein Modewaren- und Damenkonfektionsgeschäft; es waren die Großeltern Charlotte Knoblochs. Im Januar 1936 zwangen die Nationalsozialisten das jüdische Ehepaar zur Geschäftsaufgabe. Nach der sogenannten Arisierung wurde der Betrieb als Modehaus Krämer und Hacker weitergeführt. Im Januar 1939 kaufte der Bayerische Staat Synagoge und Redoutenhaus, für geplante Erweiterungsbauten des Opernhauses. Nach dem Krieg war hier unter wechselnden Pächtern das Operncafé. Zwischen 1964 und 1968 wurde das Haus saniert und dabei entkernt; den Rokoko-Deckenstuck aus dem Theatersaal im ersten Stock versetzte man ins Erdgeschoss. Ende 2016 schloss die Gastronomie. Die Umgestaltung begann 2019; bis Ende 2022 wurden hundert Tonnen Stahl und tausend Tonnen Beton verbaut, nur um das Haus statisch zu ertüchtigen. Die Kosten sollten mehr als fünfzehn Millionen Euro betragen. Am 21. April 2023 eröffnete das Welterbe-Museum. Und dabei geschah etwas, das Sie sich merken sollten: In Höhe des ersten Obergeschosses wurde eine große Fensteröffnung in die Rückwand gebrochen, die eine Blickbeziehung zur Synagoge herstellt. Nach zweihundertfünfzig Jahren schaut das Vorderhaus wieder nach hinten.
Sie stehen vor dem Redoutenhaus, Opernstraße 16, Ecke Münzgasse. Redoute heißt Ballsaal. Der dreigeschossige Sandsteinquaderbau mit Mansarddach entstand nach 1740 und grenzt unmittelbar an das Opernhaus. Seit April 2023 ist hier das Welterbe-Museum.
Dieses Haus heißt Redoutenhaus. Eine Redoute war ein Saal für Maskenbälle. Hier wurde getanzt, gespielt und gegessen, mitten im 18. Jahrhundert. Dann starb die Fürstin, die das alles liebte, und 1759 verkaufte ihr Mann das Haus an einen Bankier namens Moses Seckel. Seckel war jüdisch. Er baute den hinteren Teil zu einer Synagoge um, also zu einem Gebetshaus. Hundertfünfzig Jahre lang wohnten und arbeiteten hier jüdische Familien. Heute ist in dem Haus ein Museum über das Opernhaus. Beim Umbau haben die Handwerker oben ein großes Fenster in die Rückwand gebrochen. Dadurch kann man von hier aus die Synagoge sehen. Sie ist die nächste Station.
Koordinaten: 49.94454, 11.57824 · auf der Karte