Stadtohr

Stadtrundgang Bayreuth · Station 8 von 16

Neues Schloss Bayreuth

· rokoko, markgrafen, residenz, wilhelmine

Ausführlich

Sie stehen vor dem Neuen Schloss, und dieses Haus ist das Ergebnis einer Katastrophe und eines knappen Budgets. Im Januar 1753 zerstörte ein Feuer die bisherige Residenz der Markgrafen größtenteils. Wir werden am Ende dieses Rundgangs vor dem Rest dieser Residenz stehen, dem Alten Schloss, und ich werde Ihnen dann erzählen, wie das Feuer entstand. Gebaut wurde ab 1753, im Auftrag Friedrichs III., nach Entwurf von Joseph Saint-Pierre, im Rokokostil. 1758 war der Bau im Wesentlichen fertig. Nun die Umstände. Das Opernhaus und das Neue Schloss in der Eremitage hatten bereits viel Geld gekostet. Saint-Pierre stand damit vor der undankbaren Aufgabe, möglichst rasch und mit sparsamsten Mitteln eine neue Residenz zu bauen. Vermutlich gab die Nähe des Hofgartens den Ausschlag für den Platz an der Rennbahn. Der Nachteil: Dort standen bereits fünf Bauten, die in die Planung einbezogen werden mussten, darunter das halbfertige Gebäude der reformierten Kirche. Und nun schauen Sie genau hin, denn man sieht es heute noch. Der Mitteltrakt mit Eingang, Treppenhaus und Festsaal ist durch Umbau des Rohbaus dieser reformierten Kirche entstanden. Die Merkwürdigkeiten, die daraus folgten, erkennt man an scheinbar vermauerten Eingängen und an stellenweise verschobenen Dachkonstruktionen, die allerdings nur vom Park aus sichtbar sind. Ein Schloss, dem eine Kirche im Bauch steckt. Wilhelmine nahm großen Anteil an der Planung; das belegt ihre rege Korrespondenz mit ihrem Bruder Friedrich II. von Preußen, der vom Gebäude allerdings keine hohe Meinung gehabt haben soll. Sie starb noch im Jahr der Fertigstellung 1758. Das Neue Schloss gilt als Beispiel des sogenannten Bayreuther Rokokos. Mit der Würzburger Residenz kann es nicht mithalten, es zählt aber zu den Hauptwerken deutscher Architektur des 18. Jahrhunderts. Das Interessanteste ist eine Regelverletzung. Im Nordflügel ist die Raumgruppierung unübersichtlich, und das ist Absicht: Hier fand Wilhelmines kapriziöse Vorliebe Ausdruck, die strenge höfische Rangordnung der Appartements zu durchbrechen und in eine Flucht inselhafter Gemächer aufzulösen. Am Hof bestimmte die Reihenfolge der Zimmer, wie nah man dem Fürsten kommen durfte. Sie hat diese Reihenfolge aufgelöst. Sie entwarf selbst unter anderem das Spiegelscherbenkabinett und das Alte Musikzimmer. Im Spiegelscherbenkabinett wurden statt symmetrischer Spiegel unregelmäßig geformte Spiegelstücke an Decke und Wänden aufgebracht. Im Palmenzimmer im Herrenflügel, möglicherweise ein Versammlungsraum der Freimaurerloge, und in den Spalierzimmern, deren erhöhter Stuck den Eindruck von Spaliergerüsten mit naturalistischen Pflanzen vermittelt, wird der Garten ins Haus geholt. Der Festsaal ist mit feinstem Goldstuck und hoheitlicher Pilastergliederung ausgestattet. Die Räume sind in bemerkenswerter Weise im Originalzustand: Stuckaturen, Wandvertäfelungen, Parketts, Türen. Auch die Bilder an den Wänden sind Politik. Die fränkischen Hohenzollern mussten in den Kriegen Friedrichs II. gegen Maria Theresia und Franz I. Stephan einen heiklen Spagat aushalten, und dem Markgrafen gelang es, die Neutralität zu wahren. Entsprechend hängen in Wilhelmines Vorzimmer die Porträts ihres preußischen Familienkreises, im Vorzimmer des Markgrafen aber ein Bild des Habsburg-Lothringer Kaiserpaars. Je nachdem, welcher Gesandte kam, führte man ihn in das passende Zimmer. Eine letzte Geschichte, die in diesem Haus passiert ist. Napoleon Bonaparte verbrachte hier die Nacht vom 15. auf den 16. Mai 1812. Er soll entsetzt dieses verfluchte Schloss gerufen haben, nachdem ihm nachts das Gespenst der Weißen Frau von Himmelkron erschienen war. Im Nachlass des Kastellans fand man später Ketten, Rasseln und ein weißes Gewand. Theodor Fontane erwähnt den Vorfall in Effi Briest, verlegt ihn aber in ein Schloss der Eremitage. Als Napoleon am 3. August 1813 wieder in der Stadt war und im Hofgarten eine Parade abnahm, verzichtete er vorsichtshalber darauf, in Bayreuth zu übernachten.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Neuen Schloss, der letzten Residenz der Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth. Gebaut wurde es ab 1753 im Auftrag Friedrichs III. nach Entwurf von Joseph Saint-Pierre im Rokokostil. 1758 war es im Wesentlichen fertig. Hervorzuheben sind Festsaal, Spiegelscherbenkabinett und Palmenzimmer.

Für Kinder

Dieses Schloss musste sehr schnell gebaut werden. Der Grund: Im Januar 1753 brannte das alte Schloss der Fürsten ab. Geld war kaum noch da, denn das Opernhaus hatte schon sehr viel gekostet. Darum baute der Baumeister einfach um fünf Häuser herum, die hier schon standen. Eines davon war eine halbfertige Kirche. Ihr Rohbau steckt heute mitten im Schloss. Die Fürstin Wilhelmine half beim Planen. Sie erfand ein Zimmer, in dem lauter krumme Spiegelstücke an Wand und Decke kleben. Es heißt Spiegelscherbenkabinett. 1812 schlief Napoleon hier eine Nacht und erschrak furchtbar, weil ihm ein Gespenst erschien. Später fand man Ketten, Rasseln und ein weißes Gewand beim Hausmeister.

Quellen

Koordinaten: 49.941944444, 11.5775 · auf der Karte

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