Sie stehen am Markgrafenbrunnen auf dem Residenzplatz, eingeweiht 1705, und ich erzähle Ihnen drei Dinge: wofür er gebaut wurde, wie er funktioniert und warum er falsch herum steht. Zuerst der Anlass. Markgraf Christian Ernst hatte sich an der Befreiung Wiens von der Belagerung durch die Türken im Jahr 1683 beteiligt. Er soll mit eigener Hand einen türkischen Rossschweif erobert haben und kam mit reicher Beute und dem Titel Kaiserlicher General der Kavallerie zurück. Dafür ließ er sich hier ein Denkmal setzen. Der Hofbildhauer Elias Räntz arbeitete von 1699 bis 1705 daran. Als Vorlage nutzte er einen Nürnberger Kupferstich, der den Markgrafen auf einem sich aufbäumenden Pferd zeigt. Nun die Figur. Christian Ernst sitzt in Prunkrüstung auf dem Pferd, ein Schwert umgeschnallt, in der rechten Hand einen Marschallstab. Er reitet über einen Türken hinweg, dessen Gesicht schmerzentstellt ist. Auf der anderen Seite des Pferdes steht sein Kammerzwerg, Johann Tramm aus Stammbach, der nicht viel größer als zwei Fuß gewesen sein soll; er hält ein Schild mit der Aufschrift, die Frömmigkeit sei zu allen Dingen nütze. Pferd und Reiter sind geschätzt fünf Meter hoch, und die Statuen des Markgrafen und des Kammerzwergs waren ursprünglich vergoldet. Und jetzt der Punkt, an dem Kunst zu Technik wird. Der niedergerittene Türke und der Kammerzwerg haben eine praktische Bedeutung: Sie stützen die Reiterfigur ab. Deshalb schweben die Vorderhufe des Pferdes nicht in der Luft, was bei dem verwendeten Sandstein zu Problemen geführt hätte. Das ganze Bildprogramm des Siegers über den Besiegten ist also zugleich eine statische Notwendigkeit. Ohne diese beiden Körper würde das Pferd brechen. Zum Brunnen insgesamt. Das achteckige Becken, bei dem vier Ecken leicht nach innen eingewölbt sind, steht erhöht und ist allseits über vier Stufen erreichbar. Auf Straßenniveau ist das Fundament rund zwölfeinhalb Meter breit und lang, das Wasserbecken selbst neun auf neun Meter. Alle Figuren sind in Überlebensgröße aus Sandstein gearbeitet. Es ist ein geschütztes Kulturdenkmal und wird nachts beleuchtet. Die vier Figurengruppen im unteren Teil bestehen jeweils aus einer Person, die auf einem wasserspeienden Tier oder Fabelwesen sitzt. Sie stehen für die vier Flüsse, die im Fichtelgebirge entspringen: Main, Naab, Saale und Eger. Und jeder Fluss steht zugleich für den Kontinent, der vom Fichtelgebirge aus in seiner Himmelsrichtung liegt. Ein Brunnen als Weltkarte. Das Spruchband um die Reiterfigur ist ein Chronogramm. Einige Buchstaben sind größer gearbeitet als die anderen. Liest man sie als römische Zahlzeichen und bildet ihre Summe, ergibt sich das Fertigstellungsjahr 1705. Bei Renovierungen verschwand allerdings ein Wort aus der Inschrift, weshalb der Text heute kein Distichon mehr ist. Nun das Falschherum. Bei seiner Einweihung stand der Brunnen im äußeren Hof, dem Ehrenhof, des Alten Schlosses. 1748 wurde er auf die Reitbahn versetzt, einen damals freien Platz westlich des Hofgartens vor den Toren der Stadt. Bei dieser Umsetzung nahm man auf die ursprüngliche Orientierung der Figuren keine Rücksicht. Die Lage der vier Flussgruppen stimmt deshalb heute nicht mehr mit den Himmelsrichtungen überein, die sie symbolisieren. Und das Neue Schloss, das heute den Hintergrund bildet, gab es damals noch nicht.
Sie stehen am Markgrafenbrunnen auf dem Residenzplatz. Eingeweiht wurde er 1705. Die zentrale Figur ist eine Reiterstatue des Markgrafen Christian Ernst, umgeben von vier Figurengruppen für die im Fichtelgebirge entspringenden Flüsse. Der Bildhauer war Elias Räntz.
Schau dir den Reiter an. Das ist Markgraf Christian Ernst, der hier vor über dreihundert Jahren regierte. Pferd und Reiter sind etwa fünf Meter hoch und aus Sandstein. Unter dem Pferd liegt ein Mann, daneben steht ein sehr kleiner Mann mit einem Schild. Sie sehen aus wie Teil der Geschichte, aber sie haben eine Aufgabe: Sie halten das Pferd. Ohne sie würden die Vorderbeine in der Luft hängen und der Stein könnte brechen. Rundherum sitzen vier Figuren auf Tieren, aus denen Wasser spritzt. Sie stehen für vier Flüsse, die im Fichtelgebirge beginnen. Früher zeigten sie in die richtige Richtung. Beim Umstellen im Jahr 1748 hat niemand darauf geachtet.
Koordinaten: 49.9421, 11.577 · auf der Karte