Stadtohr

Stadtrundgang Bayreuth · Station 10 von 16

Ellrodtscher Gartenportikus

· portikus, glasperlen, denkmalschutz

Ausführlich

Sie stehen vor dem Ellrodtschen Gartenportikus, Friedrichstraße 7, an der Prachtstraße Bayreuths, gegenüber der Einmündung der Dammallee. Dieses Haus ist ein Lehrstück darüber, was aus einem Tor werden kann. Gebaut wurde es 1743 und 1744 unter Leitung von Carl Philipp Christian von Gontard. Seine Aufgabe war, Einfahrt zu sein: Toreinfahrt zu den Ellrodtschen Gärten, die hinter dem Wohnhaus des markgräflichen Beamten von Ellrodt in der Ludwigstraße lagen. Ehemals bestand der Bau aus zwei pavillonartigen, zweigeschossigen und zweiachsigen Gartenhäusern mit Zeltdächern. Verziert waren sie mit Säulenvorbauten an der Torseite und darüber mit einer zurückgesetzten Balusterbrüstung, die das Wappen der Reichsgrafen von Ellrodt trug. Durch diese Säulenvorbauten und die in vielen Details aufwändige Ausgestaltung hat der Bau wie das gegenüberliegende Steingraeberanwesen eine einzigartige Außenfassadengestaltung und besondere Bedeutung im Gesamtstraßenbild. Er steht unter Denkmalschutz und ist in der Bayerischen Denkmalliste eingetragen. Nun die Geschichte, mit der niemand rechnet. 1856 eröffnete der Kaufmann Heinrich Scharrer in diesem Anwesen ein Handelsgeschäft für Spiegel, Glasperlen und Perlspielzeug. Die Glasperlen kamen aus den Glashütten des Fichtelgebirges, des Bayerischen Walds und des Böhmerwalds, und die Firma, die ab 1864 H. Scharrer und Koch hieß, exportierte sie in alle Welt. Aus der Toreinfahrt eines Gartens wurde eine Adresse im Welthandel. 1863 baute man entsprechend um: Die Tordurchfahrt wurde um ein Geschoss aufgestockt und das Dach zu einem durchgehenden Walmdach verändert. Den Hof umschlossen Holzschuppen in U-Form; um 1900 kamen ein Treppenhaus und Stallungen hinzu. 1909 erwarb Theo Köhler, der Urgroßvater der heutigen Eigentümer, Gebäude und Firma. Dann brach der Erste Weltkrieg das Exportgeschäft ein. In den 1920er Jahren stellte man um und setzte auf Modeschmuck und Spielwaren. 1968 übergab Köhler das Unternehmen an seine Enkelin Sigrid Gottstein. Unter einem neuen Logo entstand hochwertiges Spielzeug; das Logo hieß Sigikid. 1972 zog die florierende Firma aus Platzgründen nach Mistelbach. Damit begann der schwierige Teil. Nach dem Auszug wurde das Haus für Wohnungen umgenutzt, und um das Jahr 2000 stand es mehrere Jahre leer. Durch den langen Leerstand verschlechterte sich die Bausubstanz, und im Ensemble der Friedrichstraße bot das Haus ein negatives Bild. Darum wurde es 2002 in ein benachbartes Sanierungsgebiet einbezogen. Die Baulichkeiten im Hof mussten Ende 2002 wegen Baufälligkeit abgerissen werden; deshalb hat das Gebäude zur Gartenseite hin heute die Form eines L. Heute befinden sich hier Wohnungen mit gehobenem Komfort und junge Unternehmen, unter anderem eine Finanzmaklerfirma und eine Werbeagentur. Schauen Sie noch einmal hinter das Haus, soweit Sie können. Dort liegen ein Innenhof und ein Garten, und dieser Garten bildet zusammen mit den Gärten des Nachbarhauses, dem sogenannten Dekanatsgarten, und den Gartenanlagen der Regierung von Oberfranken ein Ensemble, eine grüne Fläche mitten im Zentrum der Stadt. Von dem Garten, zu dem dieses Tor gehörte, ist also etwas übrig.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Ellrodtschen Gartenportikus, Friedrichstraße 7. Der Bau aus Sandstein entstand 1743 und 1744 unter Leitung von Carl Philipp Christian von Gontard. Er diente als Toreinfahrt zu den Ellrodtschen Gärten. Er steht unter Denkmalschutz.

Für Kinder

Dieses Haus war ursprünglich nur ein Tor. Durch die große Durchfahrt kam man in einen Garten, der einem Beamten des Fürsten gehörte. Gebaut wurde das Tor 1743 und 1744. Oben war früher ein Wappen angebracht. Später zog ein Kaufmann ein und verkaufte hier Spiegel und Glasperlen. Die Perlen kamen aus Glashütten in den Wäldern der Umgebung und wurden in die ganze Welt verschickt. Noch später machte die Familie Spielzeug daraus. Die Firma hieß Sigikid und zog 1972 weg. Dann stand das Haus lange leer und wurde immer kaputter. Heute wohnen und arbeiten wieder Menschen darin. Hinter dem Haus ist noch ein Stück Garten übrig.

Quellen

Koordinaten: 49.9419, 11.5744 · auf der Karte

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