Sie stehen bei den Burggütern der Stadt Bayreuth. Man nennt sie auch Freihäuser, und dieses Wort ist der Schlüssel. Es waren privilegierte Gebäude vor allem lokaler Adelsfamilien in der Nähe der Stadtmauer, und sie sind Teil der historischen Innenstadt. Zuerst eine Klarstellung, denn der Name führt in die Irre. In anderen Städten, etwa in Kulmbach, hatten Burggüter eine Funktion zur Verteidigung. Die Bayreuther hatten das nicht. Lediglich die ersten Adeligen, die von den Nürnberger Burggrafen belehnt wurden, könnten als Burgmannen dafür vorgesehen gewesen sein. Was diese Häuser auszeichnete, war etwas anderes: ihre besondere privilegierte Stellung als Freihäuser. Sie waren von allen städtischen Steuern befreit. Stellen Sie sich das im Stadtbild vor. Hier ein Bürgerhaus, das zahlt, daneben ein Haus, das nicht zahlt, und der Unterschied liegt nicht an der Arbeit darin, sondern am Namen des Besitzers. Diese Häuser sind nach ihren adeligen Besitzern benannt und stehen in der Kanzleistraße und in der Sophienstraße, nahe der Stadtkirche Heilig Dreifaltigkeit, zu der wir als nächstes gehen. Namentlich sind es das Nanckenreuther Haus von 1439 in der Kanzleistraße 15, das Seckendorffer Haus in der Kanzleistraße 13 und die Plassenberger Hofstatt in der Sophienstraße 22; etwas später wurde auch das Sparnecker Haus in der Sophienstraße 29 so benannt. Zum Seckendorffer Burggut. Bereits vor 1398 soll das Grundstück bebaut gewesen sein; das damalige Anwesen wird als Haus mit Hofreit und Garten beschrieben. Im Jahr 1511 errichtete die Sankt-Anna-Bruderschaft ein neues Gebäude. Das heutige Aussehen geht auf Franz Maran zurück, den Tanzmeister am Bayreuther Hof. Seit 1967 hat dort ein Bestattungsunternehmen seinen Sitz. Vom Tanzmeister zum Bestatter, im selben Haus. Das Sparnecker Burggut war ein Eckhaus und ist der zweifelhafte Fall. 1439 wurde es noch nicht erwähnt, und vor 1490 war es nur eine einfache Scheune, allerdings ausdrücklich als Burggut bezeichnet. Eine Scheune mit Steuerbefreiung. Aus den Quellen geht hervor, dass Hans von Sparneck das Gut erworben hatte und sein Sohn es 1490 für sich und seinen Bruder ausbauen ließ. Noch 1490 kaufte der Kastner Hans Sendelbeck das Haus von Georg von Sparneck zu Uprode. 1523 gab es einen Rechtsstreit Sendelbecks mit der Stadt, und dabei wurden der Burggutscharakter und die Steuerfreiheit erneut bestätigt. Das ist der Kern der Sache: Die Stadt versuchte zu besteuern, der Besitzer berief sich auf das alte Vorrecht, und das Vorrecht hielt. Dem Quelle fällt es allerdings schwer, dieses Haus den anderen Burggütern seiner Bedeutung nach gleichzustellen. Von dem Gebäude ist nichts mehr da; die Fläche, auf der das Burggut stand, ist mit neueren Häusern bebaut. Am 23. Oktober 1963 benannte der Stadtrat eine Stichstraße am Roten Hügel nach den Sparneckern, den Sparneckerweg. Und das Nanckenreuther Haus, das älteste der genannten, wurde 1976 von einer ortsansässigen Brauerei gepachtet. Seitdem wird es häufig Braunbierhaus genannt. Ein Haus, das fünfhundert Jahre lang keine Steuern zahlte, schenkt heute Bier aus.
Sie stehen bei den Burggütern, auch Freihäuser genannt. Es waren privilegierte Gebäude vor allem lokaler Adelsfamilien in der Nähe der Stadtmauer. Ihr Vorrecht war einfach: Sie waren von allen städtischen Steuern befreit. Das älteste genannte ist das Nanckenreuther Haus von 1439.
Diese Häuser nennt man Freihäuser oder Burggüter. Sie gehörten früher adeligen Familien. Das Besondere war: Ihre Besitzer mussten keine Steuern an die Stadt zahlen. Alle anderen Leute mussten das. Das älteste dieser Häuser ist von 1439. Einmal wollte die Stadt doch Steuern haben. Das war im Jahr 1523. Es gab einen Streit vor Gericht, und der Besitzer gewann. Eines der Häuser sah so aus, wie es heute aussieht, weil ein Tanzmeister vom Hof es umbauen ließ. Heute ist darin ein Bestattungsunternehmen. In einem anderen wird seit 1976 Bier verkauft. Findest du es gerecht, dass manche Leute keine Steuern zahlen mussten?
Koordinaten: 49.942681841, 11.574065778 · auf der Karte