Stadtohr

Stadtrundgang Bayreuth · Station 12 von 16

Heilig Dreifaltigkeit

· stadtkirche, spätgotik, stadtbrand, türmer

Ausführlich

Sie stehen vor der Stadtkirche Heilig Dreifaltigkeit. Schauen Sie zu den beiden Türmen hinauf und achten Sie auf die steinerne Brücke zwischen ihnen. Dort oben hat jemand gewohnt, und zwar bis 1934. Davon gleich mehr. Zuerst der Anfang, denn er ist auch der Anfang der Stadt. Eine erste Kirche mit nur einem Turm wurde vermutlich am 9. November 1194 vom Bamberger Bischof Otto II. geweiht. Bei diesem Aufenthalt unterzeichnete er eine Urkunde, und diese Urkunde ist die Ersterwähnung Bayreuths überhaupt. Im Untergeschoss des Nordturms sind Reste dieses Bauwerks erhalten. Anfang Februar 1430 zerstörten die Hussiten die Kirche. 1437 begann der Bau in den heutigen Ausmaßen, nach Plänen des Bamberger Steinmetzen Meister Oswald: fünfundfünfzig Meter lang, zwanzig breit, sechzehn hoch, die Türme rund fünfzig Meter. Etwa dreimal so groß wie der Vorgängerbau. Nach jahrelanger Bauunterbrechung war sie erst 1495 fertig. Das Mittelschiff ist durch sieben spitzbogige Arkaden von den Seitenschiffen getrennt; ein Querhaus gibt es nicht. Nun die Feuer, denn an denen hängt die Baugeschichte. Markgraf Christian verlegte 1603 seine Residenz von Kulmbach nach Bayreuth. Beim ersten Stadtbrand 1605 wurde die Kirche stark beschädigt. Von 1611 bis 1614 baute der Hofbaumeister Michael Mebart sie zur Hofkirche und zur Hauptkirche des Fürstentums aus; die Holzdecke wurde nicht erneuert, sondern durch ein Gewölbe ersetzt. Unter dem Chorraum legte man die Fürstengruft an, die bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts als Grablege für insgesamt sechsundzwanzig Mitglieder der Markgrafenfamilie diente. 1621 kam der zweite Stadtbrand. Durch Funkenflug gerieten beide Turmhauben in Brand, und der Nordturm stürzte auf das Kirchendach. Im Innenraum wurden Orgel und Gestühl zerstört. Das Erdgeschoss des Nordturms ist seitdem nicht mehr zugänglich, weil es mit Trümmern verfüllt ist; darum wurde außen ein kleiner Treppenturm angebaut. Seit 1668 haben die Türme ihre heutige Gestalt mit welschen Hauben und der steinernen Brücke. Und 1634, im Dreißigjährigen Krieg, durchschlug eine Kanonenkugel ein Chorfenster. Die Kirche war voll besetzt, und es gab keinen Personenschaden. Daran erinnert am Chor ein stilisiertes zerbrochenes Fenster mit der Jahreszahl im Glas. Jetzt zu dem Mann auf dem Turm. Am 12. Mai 1448 trat erstmals ein Türmer seinen Dienst an. Zwischen 1444 und 1529 entstanden der zweite Turm, eine die Türme verbindende Holzbrücke und die Türmerwohnung. Das Amt des Türmers wurde erst 1932 abgeschafft, nach fast fünfhundert Jahren. Der letzte Stadttürmer hieß Johann Münch. Er lebte mit seiner Familie von 1908 bis zu seinem Tod 1934 in der Türmerwohnung im Nordturm. Ein Mann, eine Familie, ein Kirchturm, sechsundzwanzig Jahre. Zwei weitere Dinge gehören hierher. Das eine: 1513 wurde auf der Südseite eine Kapelle geweiht, die als Beinhaus für den Friedhof um die Kirche diente; unten lagen in einem Gewölbe die aufgeschichteten Gebeine, darüber ein mit Fresken bemalter Sakralraum. Nach der Einführung der Reformation durch Markgraf Georg den Frommen im Jahr 1528 wurde die Kapelle profaniert und dem neu gegründeten Gemeinen Almosenkasten überlassen, der arme und gebrechliche Menschen versorgte. Dort lagerte man nun Lebensmittel, und das Haus hieß fortan Almosenkasten. Das andere: Bis ins 21. Jahrhundert befand sich an der Ostseite dieser Kirche die mittelalterliche antijüdische Darstellung einer sogenannten Judensau. Die stark verwitterte Skulptur wurde im Jahr 2004 beseitigt. Erhebliche Bauschäden führten 2006 zur Schließung. Die Wände des Langhauses waren jeweils sechzehn Zentimeter aus dem Lot geraten, weil der Gewölbedruck schlecht abgeleitet wurde. Am 1. Advent 2014 wurde die Kirche wieder eröffnet.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Stadtkirche Heilig Dreifaltigkeit, der größten Kirche Bayreuths. Sie ist eine dreischiffige Basilika im spätgotischen Stil, 55 Meter lang, 20 Meter breit und 16 Meter hoch; die Türme sind rund 50 Meter hoch. Am Ersten Advent 1614 wurde sie der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht.

Für Kinder

Das ist die größte Kirche von Bayreuth. Sie ist 55 Meter lang, und die zwei Türme sind rund 50 Meter hoch. Zwischen den Türmen führt eine Brücke aus Stein. Die erste Kirche an dieser Stelle wurde im Jahr 1194 geweiht. Von diesem Tag gibt es eine Urkunde, und darin steht der Name Bayreuth zum ersten Mal. Im Nordturm war eine Wohnung. Dort lebte der Türmer, der nach Feuer Ausschau hielt. Der erste begann 1448, der letzte starb 1934 dort oben. Im Jahr 1634 schlug eine Kanonenkugel durch ein Fenster. Die Kirche war voll, aber niemand wurde verletzt. Daran erinnert ein gemaltes zerbrochenes Fenster.

Quellen

Koordinaten: 49.9432, 11.5746 · auf der Karte

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