Stadtohr

Stadtrundgang Bayreuth · Station 6 von 16

Haus Wahnfried

1976 · richard wagner, villa, museum, zweiter weltkrieg

Ausführlich

Sie stehen vor dem Haus Wahnfried. Schauen Sie zuerst auf die Eingangsfassade und die Westseite, denn die sind original. Fast alles andere, was Sie sehen, ist wiederhergestellt, und warum, dazu kommen wir. Richard Wagner fand in Bayreuth kein passendes Haus und wählte darum ein Wiesengrundstück am Rennweg, direkt am Hofgarten. Am 6. Januar 1872 teilte der königliche Hofsekretär Lorenz von Düfflipp ihm mit, dass König Ludwig II. ihn ermächtigt habe, sukzessive bis zu 25.000 Taler als Beihilfe zu Grundstück und Hausbau auszuzahlen. Am 1. Februar 1872 kaufte Wagner den Bauplatz für 12.000 Gulden. Gebaut hat Carl Wölfel, nach Wagners Vorstellungen und abgeänderten Plänen Wilhelm Neumanns aus Berlin. Das Haus war damit weitgehend ein Geschenk des Königs; dessen jugendliche Büste steht vor dem Eingang. Nun das Menschliche. Die Bau- und Einrichtungsarbeiten gingen weit schleppender als geplant und wurden Wagner zu einer Quelle ständigen Verdrusses. Er nannte das Haus in dieser Zeit nur Ärgersheim. 1872 begonnen, 1874 fertiggestellt, am 28. April 1874 zog er mit Cosima und den Kindern Daniela, Blandine, Isolde, Eva und Siegfried ein. Entgegen allen zeitgenössischen Vorwürfen von Verschwendungssucht sagte Wagner im Inneren jedem Luxus ausdrücklich ab, vor allem bei der Materialwahl. Die Außenmauern sind ortstypische Sandsteinquader mit Ziegelmauerwerk innen; der Grundriss von rund 21 auf 17 Metern ist eine Reminiszenz an die oberitalienischen Renaissance-Villen im Stil Andrea Palladios. Hier vollendete er die Götterdämmerung und arbeitete am Parsifal. Im Saal stehen seine originale Bibliothek, etwa 2500 Handeinbände des Bayreuther Buchbinders Christian Senfft, und ein Konzertflügel Centennial D von 1876, ein Geschenk William Steinways zur Eröffnung des Festspielhauses. Dieser Flügel wird für Konzerte spielbereit gehalten. Wagner litt in seinen letzten Jahren vor allem im Winter unter dem rauen Bayreuther Klima und floh monatelang nach Italien. Während seines letzten Aufenthalts starb er am 13. Februar 1883 in Venedig. Sein Leichnam wurde hierher überführt und am 18. Februar 1883 in einer Gruft im Garten beigesetzt. Cosima starb im 93. Lebensjahr; ihre Urne liegt in der Südseite des Grabhügels. Und nun der 5. April 1945. Bei einem der amerikanischen Luftangriffe auf Bayreuth schlug eine Fliegerbrandbombe aus südlicher Richtung in den Saal. Das halbe Haus war zerstört: der Saal samt Rotunde, die darüberliegende Etage und der südöstliche Teil wurden weggesprengt. Sämtliches originale Interieur und Mobiliar war vernichtet. Gerettet war nur, was man kurz zuvor ausgelagert hatte: die Bibliothek, Gemälde und die Dokumente des Familienarchivs mit Wagners Partituren. Ein Foto ging 1945 durch die Weltpresse; es zeigt den amerikanischen Corporal Lester Carlson, der in der verwüsteten Halle auf Wagners Steinway-Flügel spielt. 1949 wurde das Haus durch Abmauerung der offenen Seiten provisorisch und nüchtern wiederhergestellt, damit die Familie darin wohnen konnte, und so blieb es etwa zwanzig Jahre. Bis 1973 gehörte Wahnfried der Familie Wagner. Mit der Gründung der Richard-Wagner-Stiftung ging es durch Schenkungsurkunde vom 24. April 1973 in das Eigentum der Stadt Bayreuth über. Von 1972 bis 1976 wurden Haus und Park in der ursprünglichen Form wiederhergestellt. Seit 1976 ist hier das Richard-Wagner-Museum. Das Feld Jahr nennt 1976, also das Museum; gebaut wurde das Haus von 1872 bis 1874. Ich nenne Ihnen beide Zahlen.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Haus Wahnfried am Rand des Hofgartens. Es war von 1874 bis 1883 das Wohnhaus Richard Wagners. Begonnen wurde der Bau 1872, bezogen hat Wagner es am 28. April 1874. Seit 1976 beherbergt es das Richard-Wagner-Museum.

Für Kinder

Dieses Haus heißt Wahnfried. Hier wohnte der Komponist Richard Wagner von 1874 bis 1883. Bezahlt hat es zum größten Teil König Ludwig II. von Bayern, der Wagners Musik liebte. Vor dem Haus steht eine Büste des Königs als junger Mann. Der Bau dauerte so lange und machte Wagner so viel Ärger, dass er sein Haus eine Zeit lang Ärgersheim nannte. Wagner starb 1883 in Italien. Begraben ist er im Garten hinter dem Haus. Im April 1945 fiel eine Brandbombe in den Saal, und die Hälfte des Hauses war weg. Die Bücher waren gerettet, weil man sie vorher weggebracht hatte. Heute ist hier ein Museum.

Quellen

Koordinaten: 49.940945102, 11.582061647 · auf der Karte

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