Sie stehen vor dem Alten Rathaus, Maximilianstraße 33. Es ist dasselbe Gebäude wie an der vorigen Station; dort haben wir hinten gestanden, jetzt stehen wir vorn. Schauen Sie auf das Hauptportal und merken Sie etwas: Es sitzt nicht in der Mitte, sondern ist asymmetrisch nach rechts verschoben. Darüber trägt der gesprengte Dreiecksgiebel über einer rustizierten Blende einen Wappenstein. Zwei Erker reichen über die beiden Obergeschosse, einer an der Ecke zur Brautgasse, einer in der äußersten rechten Fensterachse. Die Fassadengestaltung ist barock, der Eckerker zeigt Renaissanceformen, und der hintere Teil längs der Brautgasse ist ein unverputzt gebliebener Sandsteinquaderbau. Ein Haus aus mehreren Zeiten. Dieses Rathaus ist nicht das erste. Nachweisbar sind zwei Vorgänger mitten auf dem unteren Markt, ungefähr in Höhe der Einmündungen von Sophienstraße und Schulstraße. Das erste bekannte Rathaus war ein freistehendes Gebäude, und es wurde 1430 von den Hussiten niedergebrannt. Dabei gingen sämtliche Urkunden und Schriftstücke verloren. Das ist der Grund, warum die Geschichte dieser Stadt vor 1430 nur lückenhaft dokumentiert ist: Ein Feuer hat das Gedächtnis gelöscht. Der Folgebau an derselben Stelle hatte im Erdgeschoss Fleisch- und Brotbänke, also offene Verkaufsstellen für die Grundnahrungsmittel, und auf der Giebelseite ein Türmchen, das 1583 erneuert wurde. Unweit davon standen der Pranger und ein Galgen als warnende Zeichen der Obrigkeit; die Hinrichtungen selbst wurden außerhalb der Stadtmauer durchgeführt. Brot kaufen und daneben der Galgen, auf demselben Platz. Dieses Rathaus fiel dem großen Stadtbrand von 1621 zum Opfer, demselben Brand, der den Nordturm der Stadtkirche herunterwarf. In den folgenden hundert Jahren hielt der Rat seine Sitzungen in einem Raum des Hospitals ab. Hundert Jahre ohne Rathaus. Nun dieses Haus. Seine Anfänge führen ins 16. Jahrhundert zurück. Nach der Zerstörung durch die Hussiten und den Stadtbränden von 1605 und 1621 kam das Anwesen in adeligen Besitz, und 1679 wurde das Vordergebäude als repräsentatives Stadtpalais mit zweistöckigen Erkern neu errichtet. Die verwitwete Baronin Sponheim verkaufte ihr Palais 1721 an die Hospitalstiftung, die es der Stadt zur Nutzung als Rathaus überließ. Mit der neuen Aufgabe kam die barocke Umformung in den Jahren 1722 bis 1727, geleitet vom markgräflichen Baumeister Johann David Räntz dem Älteren. Das Feld Jahr nennt 1724, eine Quelle datiert die Anfänge ins 16. Jahrhundert, das Vordergebäude auf 1679 und die Umformung auf 1722 bis 1727. Ich nenne Ihnen die älteste Angabe und sage dazu, dass es mehrere gibt. Was dieses Haus danach alles war, ist eine lange Reihe. Rathaus bis 1917. Sitz des Stadtgerichts von 1797 bis 1812 und von 1818 bis 1832, Kreisgericht von 1816 bis 1832. Kreis-Landwirtschafts- und Gewerbeschule im zweiten Stock des Rückgebäudes von 1833 bis 1893, Diensträume der Stadtpost von 1876 bis 1893. Stadtbücherei im Erdgeschoss von 1921 bis 1928. Als das erste Neue Rathaus bei den Luftangriffen weitgehend zerstört wurde, kehrten 1945 die repräsentativen Funktionen hierher zurück, bis 1972 das zweite Neue Rathaus eröffnete. Dann wurde das Haus Dienstgebäude der bayerischen Landespolizei, und im Dezember 1974 nahm hier die Verkehrsleitzentrale ihren Betrieb auf. Die Polizei blieb bis 1995. In jenem Jahr erwarb die Stadt Bayreuth das Gebäude von der Hospitalstiftung und sanierte es von 1996 bis 1999 für rund dreizehn Millionen Mark. Am 3. Dezember 1999 wurde es als kulturelles Zentrum mit neuem Kunstmuseum und Gastronomie übergeben. Eine Nutzung ist geblieben: Das Standesamt bietet Trauungen im historischen Sitzungssaal an.
Sie stehen vor dem Alten Rathaus, Maximilianstraße 33, Ecke Brautgasse. Es ist ein dreigeschossiges, giebelständiges Eckhaus mit Walmdach und zwei Erkern. Rathaus war es von 1721 bis 1917 und von 1945 bis 1972. Es steht unter Denkmalschutz.
Das ist das Alte Rathaus. Hier haben früher die Leute gearbeitet, die die Stadt verwalten. Es war aber nicht das erste Rathaus. Das erste brannten 1430 fremde Krieger nieder. Dabei verbrannten alle Urkunden der Stadt. Darum weiß man über die Zeit davor nur wenig. Das zweite Rathaus verbrannte beim großen Stadtbrand 1621. Danach gab es hundert Jahre lang kein Rathaus, und der Rat traf sich in einem Zimmer im Krankenhaus. Dieses Haus hier war erst ein Palast für eine Adelsfamilie. Ab 1721 wurde es Rathaus. Später war eine Schule darin, dann die Post, dann die Bücherei, dann die Polizei. Heute ist darin das Kunstmuseum. Schau mal: Die Haustür ist nicht in der Mitte.
Koordinaten: 49.94412, 11.57483 · auf der Karte