Stadtohr

Stadtrundgang Bayreuth · Station 15 von 16

Altes Schloss, heute Finanzamt

· schloss, renaissance, brand, markgrafen

Ausführlich

Sie stehen vor dem Alten Schloss, und damit sind wir am Ende des Rundgangs und am Anfang von allem. Hier war die Residenz. Die Grafen von Andechs waren zwischen 1098 und 1248 Herren des Orts und ließen ein erstes Schloss errichten, vermutlich einen unbefestigten Amtssitz, weil eine Befestigung einem Vertrag von 1149 widersprochen hätte. Wie dieses Meranierschloss aussah, ist nicht überliefert. 1481 berichtete Hans von Redwitz dem Markgrafen Albrecht Achilles, das Schloss sei sehr verfallen; das Dach müsse erneuert werden, das Gebälk könne die Last nicht mehr tragen. Eine Zahl noch aus dieser Zeit: Der damalige Turm trug 1447 bereits Glocken, und nach der Polizeivorschrift jenes Jahres durfte kein Wirt mehr Getränke ausschenken, sobald die Schlossglocken zur Nacht geläutet hatten. Die Glocke war die Sperrstunde. Markgraf Christian verlegte 1603 seine Residenz von Kulmbach nach Bayreuth, und damit begann der heutige Bau. Hofbaumeister Michael Mebart führte den Marstallbau und die erdgeschossigen Anlagen aus, Elias Gedeler leitete später die Erhöhung der Flügel auf drei Geschosse. Ab 1691 wurden alle Hoffassaden durch vorgeblendete Arkaden- und Pilastergliederung vereinheitlicht, nach dem Entwurf von Charles Philippe Dieussart, vollendet von Leonhard Dientzenhofer. Der einzige bauplastische Schmuck ist eine Serie von dreiundvierzig Medaillons oberhalb der Erdgeschossfenster mit antiken Göttern und Helden wie Diana und Herkules. Ende des 17. Jahrhunderts war das Bauwerk eine Vierflügelanlage um den heutigen inneren Hof; die Hauptfront zeigte nach Norden, zum heutigen Luitpoldplatz. Von diesen Bauteilen steht nur noch der achteckige Turm, von 1565 bis 1567 von Caspar Vischer errichtet. Markgraf Christian Ernst, dessen Reiterstandbild wir am Markgrafenbrunnen gesehen haben, ließ erweitern, und die sechs Bürgerhäuser in der vorderen Reihe wurden nach dem Stadtbrand von 1621 nach und nach aufgekauft und abgebrochen, wodurch sich der Ehrenhof zum Markt hin öffnete. Im großen Saal ließ er eine Theaterbühne einbauen, auf der deutsche und italienische Opern sowie Komödien von Molière gespielt wurden. Und nun die Nacht im Januar 1753. Offenbar hatte Markgraf Friedrich vergessen, eine Kerze zu löschen, als er nach 20 Uhr ein Gemäldekabinett verließ. Das Feuer breitete sich in Windeseile aus. Es standen nur primitive Spritzen zur Verfügung, und das Löschwasser gefror rasch. Schließlich ließ er Artillerie auffahren und eine Bresche zwischen den brennenden und den noch unversehrten Schlossbereich schießen. In jener Nacht wurde der ältere Schlossbereich mit Turm und Kapelle ein Raub der Flammen. Verloren war auch der ehemalige Hauptsaal, der seit dem frühen 17. Jahrhundert für Singspiel, Oper und Ballett diente, samt dem Deckengemälde von Johann Oswald Harms. Friedrich verlor nahezu sein gesamtes persönliches Hab und Gut. Wilhelmine konnte ihr wertvollstes Mobiliar, ihre Bücher, Noten und Instrumente weitgehend in Sicherheit bringen lassen. Zwei Menschen in einem brennenden Haus, und sie rettete die Noten. Was danach kam, haben Sie heute gesehen: das Neue Schloss, ab 1753 in der Ludwigstraße. Der alte Nordflügel und das Prunkportal wurden nicht wiederhergestellt; an ihrer Stelle stehen das Gontard-Haus und das Palais d Adhemar, 1759 bis 1761 von Carl von Gontard errichtet. Im Palais hatte über hundert Jahre die Gesellschaft Harmonie ihr Domizil; vorübergehend wohnte dort Jean Paul. Im Gontard-Haus gab es 1897 die erste Filmvorführung Bayreuths. Der Schlossturm bekam ein einfaches Zweckdach, und der Mitteltrakt zwischen Ehrenhof und innerem Hof blieb ein eingeschossiges Provisorium, das bis heute so besteht. Über dem Portal prangt eine Kartusche mit dem Monogramm des letzten Markgrafen Alexander. Der Wiederaufbau zog sich bis in die 1860er Jahre. Danach saßen hier Behörden: Hauptzollamt, Kanzleibibliothek, Gendarmerie, Messungsamt, Straßen- und Flussbauamt, und bis 1904 im Südflügel das Königliche Landgericht mit Schwurgericht, dessen Saal der umgebaute ehemalige Rittersaal war. Seit 1954 ist hier das Finanzamt. Damit schließt sich der Bogen dieses Rundgangs. Ein Opernhaus, das ein Fürstentum in Schulden stürzte und überlebte, weil niemand mehr Kerzen anzündete. Und eine Residenz, die verbrannte, weil einmal jemand eine Kerze vergaß.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Alten Schloss, der früheren Residenz der Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth. Die Dreiflügelanlage wurde ab 1603 im Auftrag Markgraf Christians nach Entwurf von Michael Mebart im Renaissancestil erbaut. Im Januar 1753 brannte sie größtenteils ab. Seit 1954 sitzt hier das Finanzamt.

Für Kinder

Hier stand früher das Schloss der Fürsten von Bayreuth. Gebaut wurde es ab 1603. Der achteckige Turm ist noch viel älter. Im Januar 1753 brach ein Feuer aus. Der Fürst hatte abends vergessen, eine Kerze auszupusten. Das Feuer wurde so groß, dass man es mit den kleinen Spritzen nicht löschen konnte, und das Wasser fror sofort ein. Am Ende ließ der Fürst mit Kanonen eine Lücke in sein eigenes Schloss schießen, damit das Feuer nicht weiterlief. Er verlor fast alles, was er besaß. Seine Frau Wilhelmine konnte ihre Bücher, Noten und Instrumente retten. Danach baute die Familie das Neue Schloss. Heute arbeitet hier das Finanzamt.

Quellen

Koordinaten: 49.94425, 11.57659 · auf der Karte

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