Stadtohr

Stadtrundgang Bautzen · Station 8 von 16

Ortenburg

um 1000 · burg, landvogt, oberlausitz, stuckdecke

Ausführlich

Sie stehen vor der Ortenburg. Sie liegt etwa zwanzig Meter hoch auf einem Felssporn über dem östlichen Ufer der Spree, der Sporn ist auf drei Seiten von der Spree umflossen. Strategische Bedeutung erhielt sie durch die nahen Flussübergänge, an denen wichtige Verkehrswege in west-östlicher Richtung zusammenliefen. Siedlungsspuren gibt es schon aus der Bronzezeit. Über die Gestalt einer frühen Burg weiß man nichts Verlässliches. Um das Jahr 1000 galt die Burg als politischer Mittelpunkt des Milzener Landes. Nach der Stadtgeschichte wurde sie 1002 als budusin civitatem erstmals genannt, damals fiel sie an den polnischen Fürsten Bolesław Chrobry und blieb bis 1031 in polnischer Hand. 1018 wurde hier der Friede von Bautzen zwischen dem Heiligen Römischen Reich und Polen unterzeichnet. Als castrum Orthenburg in Budissin wird sie erst 1405 erstmals erwähnt. Vom 12. bis zum 17. Jahrhundert war sie Sitz der Landvögte der Oberlausitz. Sie regierten als Stellvertreter des Landesherrn das Markgraftum, das zu den Ländern der böhmischen Krone gehörte, bis es 1635 an Kursachsen überging. Die Belagerungen durch die Hussiten 1429 und 1431 und wiederkehrende Brände hatten die Burg schwer beschädigt. Deshalb ließ der ungarische König Matthias Corvinus durch seinen Landvogt Georg von Stein die verfallenen Bauten weitgehend abreißen und zwischen 1483 und 1486 ein dreiflügeliges Hauptgebäude mit dem Matthiasturm von Grund auf neu bauen. Die spätgotische Bauweise ist noch bestens erkennbar. Aus kursächsischer Zeit sind Planungen überliefert, das schmucklose Haus zur Residenz auszubauen. Umgesetzt wurden bis 1662 der Stucksaal und 1698 die markanten Renaissancegiebel. Die Stuckdecke im Audienzsaal gilt als einmalig in der sächsischen Kulturlandschaft. Italienische Stuckateure schufen sie, in neun Szenen wird ein Anspruch des Hauses Wettin auf die Oberlausitz abgeleitet, der mit Karl dem Großen beginnt. Zwischen 1832 und 1932 saß hier der Kreishauptmann. Im April und Mai 1945 zog sich der Kommandant der Wehrmacht vor der Roten Armee in die Burg zurück. Die Rekonstruktion in den 1990er Jahren endete 2002 mit der Übergabe an das Sächsische Oberverwaltungsgericht. Und im Gebäude befindet sich auch das Sorbische Museum, zu dem wir gleich kommen. Noch eine Sage: Die einstige Marienkapelle, vermutlich eine Rotunde, lebt in der Sage von der Bautzener Venus weiter.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Ortenburg, die etwa zwanzig Meter hoch auf einem Felssporn über der Spree liegt. Um das Jahr 1000 galt sie als politischer Mittelpunkt des Milzener Landes. Vom 12. bis zum 17. Jahrhundert saßen hier die Landvögte der Oberlausitz. Heute tagt das Oberverwaltungsgericht hier.

Für Kinder

Du stehst vor der Ortenburg, einer Burg auf einem Felsen über der Spree. Schon um das Jahr 1000 war sie das Zentrum des Landes. Hier lebte der Landvogt, das war der Vertreter des Herrschers. Hussiten und Brände hatten die Burg schwer beschädigt. Darum ließ ein König sie fast ganz abreißen und neu bauen. Heute ist hier ein Gericht, das Sächsische Oberverwaltungsgericht. In einem Gebäude der Burg ist auch ein Museum. Wie, glaubst du, verteidigt man eine Burg auf einem Felsen?

Quellen

Koordinaten: 51.1831, 14.4204 · auf der Karte

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