Stadtohr

Stadtrundgang Bautzen · Station 7 von 16

Matthiasturm

1483–1486 · torturm, ortenburg, matthias corvinus, relief

Ausführlich

Sie stehen vor dem Matthiasturm, dem Torturm und Hauptzugang der Ortenburg. Eine Quelle nennt als Bauzeit die Jahre 1483 bis 1486, Wikidata nennt 1220. Für 1220 steht in einer Quelle nichts, ich halte mich an 1483 bis 1486 und sage dazu, dass es zwei Angaben gibt. Ursprünglich trennte ein Graben die Burg von der Stadt. Die rechteckigen Aussparungen im unteren Mauerwerk lassen noch Lage und Größe der Zugbrücken ahnen. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Graben zugeschüttet und das heutige Haupttor durch die Mauer gebrochen. Der Name ist wohl umgangssprachlich entstanden, nach dem Relief des ungarischen Königs Matthias Corvinus an der stadtseitigen Front. Schauen Sie hinauf. Das Sandsteinrelief ist neun Meter hoch und vier Meter breit. Oben steht MATHIAS REX, unten ANNO MCCCCLXXXVI, deshalb gilt 1486 als Datierung. Der König sitzt unter einem Baldachin, seine Füße ruhen auf einem liegenden Löwen. Zwei schwebende Engel halten eine Krone über seinem auffällig porträtnahen Kopf. Insgesamt elf Wappen und Symbole sind als Besitz- und Anspruchswappen ausgeführt. Originale Unterlagen zu den Künstlern sind verloren gegangen. Die frühere Zuordnung zum einheimischen Bildhauer Briccius Gauske wird heute abgelehnt. Auch die oft erzählte Geschichte, der Landvogt sei dreimal mit dem Kopf der Figur zum König nach Ofen gereist, weil die Entwürfe ihm nicht ähnlich genug waren, ist wohl unbewiesen. Matthias kannte den Plan seines Landvogtes offenbar gar nicht und hat das Denkmal nie gesehen. Es ist die einzige plastische Darstellung des Königs und wurde daher mehrfach kopiert: Für die Ausstellung zum Millennium der ungarischen Landnahme 1896 kopierte es der Bildhauer Alajos Strobl, davon gibt es Abformungen in Budapest, Szeged und im slowakischen Kráľova Lehota. Im Tordurchgang hängt außerdem das Prinzenwappen von Sigismund Jagiello, Landvogt der Oberlausitz von 1504 bis 1506 und späterer König von Polen. Es wurde 1925 auf dem Burggelände geborgen und ist das einzige erhaltene Monumentalrelief seines Prinzenwappens. Im zweiten Obergeschoss des Turms lag die St.-Georgs-Kapelle der Burg. Von außen erkennen Sie sie an den zwei großen Spitzbogenfenstern. Eine Burgkapelle hatte 1225 der Meißner Bischof Bruno II. dem heiligen Georg geweiht. Der große Brand von 1400 hatte ihre Räume zerstört, im Turm bekam sie ein neues Domizil. Im Dreißigjährigen Krieg brannte sie 1639 aus.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Matthiasturm, dem Torturm der Ortenburg. Er entstand bei den Bauarbeiten von 1483 bis 1486. Sein Name kommt vom Relief des ungarischen Königs Matthias Corvinus an der Stadtseite. Es ist neun Meter hoch und trägt die Jahreszahl 1486.

Für Kinder

Du stehst vor dem Haupttor der Ortenburg. Der Turm hat seinen Namen von einem König, der nie hier war: Matthias Corvinus, König von Ungarn. Über dem Tor siehst du sein Bild aus Stein. Es ist neun Meter hoch. Der König sitzt unter einem Baldachin, einem schmuckvollen Dach über ihm, und seine Füße ruhen auf einem Löwen. Zwei Engel halten eine Krone über seinem Kopf. Unten steht die Jahreszahl 1486 in römischen Ziffern. Der König hat sein Bild nie gesehen. Findest du den Löwen?

Quellen

Koordinaten: 51.18276, 14.42012 · auf der Karte

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