Stadtohr

Stadtrundgang Bautzen · Station 4 von 16

Michaeliskirche

1473 (Kapelle erstmals erwähnt) · kirche, sorben, hussiten, stadtbrand

Ausführlich

Sie stehen an der Michaeliskirche, auf dem Südwestbogen des Felssporns über der Spree, auf dem die Altstadt erbaut wurde. Der Platz zwischen Kirche, Wasserkunst und den Stadtmauern heißt Wendischer Kirchhof. Wendisch hieß im Deutschen früher sorbisch. Denn die Kirche dient seit dem 17. Jahrhundert vorwiegend den evangelischen Sorben des Umlandes. Zusammen mit der Alten Wasserkunst ist sie das Wahrzeichen der Stadt. Fangen wir mit dem Anlass an. 1429 belagerten die Hussiten Bautzen von Westen her. Hier stand die Stadtmauer, davor lag ein Plateau, der heutige Kirchplatz, auf dem die Angreifer lagerten. Die Bewohner verteidigten ihre Stadt tapfer. Als die Angriffe am stärksten waren, soll, so die Sage, der Erzengel Michael am Himmel erschienen sein und sein Schwert geschwungen haben. Zum Dank errichteten die Bürger später hier eine Kapelle. Eine Quelle nennt die Kapelle erstmals 1473, Wikidata nennt 1460. Für 1460 steht in einer Quelle nichts, ich halte mich an 1473 und sage dazu, dass es zwei Angaben gibt. Die Kapelle bildet den Ostteil der Kirche. 1495 wurden an der Südseite der Turm und im Westen das Langhaus gebaut, um 1520 waren Gewölbe und Dach vollendet. Nach der Reformation wurden hier 99 Jahre lang keine Gottesdienste mehr abgehalten. Erst im Sommer 1619 wurde der evangelische Gottesdienst auf Sorbisch im Königreich Böhmen erlaubt, zu dem Bautzen damals gehörte. Der Stadtrat richtete die Kirche als Pfarrkirche der protestantischen Sorben ein. Bis 1836 war die Gemeinde rein sorbisch, heute gibt es einmal im Monat einen sorbischen Gottesdienst. 1634 brannte die Stadt. Oberst von der Goltz ließ am 2. Mai die Reste der Vorstädte niederbrennen, der Brand griff auf die Stadt über, 700 Bewohner kamen ums Leben. Die Michaeliskirche wurde nur leicht beschädigt, das Dach brannte aus. In ihr lagerten etwa fünf Tonnen Pulver, und dieses ging nicht in Feuer auf. Sie war eines der wenigen erhaltenen Gebäude und diente zwischenzeitlich der Petri-Gemeinde als Gotteshaus, da der Petridom zerstört war. Zum Schluss ein Detail aus dem Zweiten Weltkrieg: Die Turmhaube brannte aus, aber eine Glocke von 1929 blieb erhalten. Sie läutete Neujahr 1946 als einzige in der ganzen Stadt.

Kurzfassung

Sie stehen an der Michaeliskirche, nahe der Alten Wasserkunst. Der Platz heißt Wendischer Kirchhof, denn seit dem 17. Jahrhundert ist sie das Gotteshaus der evangelischen Sorben des Umlandes. Gemeinsam mit der Wasserkunst ist sie das Wahrzeichen Bautzens.

Für Kinder

Diese Kirche steht neben der Alten Wasserkunst, und zusammen sind die beiden das Wahrzeichen von Bautzen. Die Sage erzählt, wie sie entstand. Die Hussiten belagerten die Stadt. Als es am schlimmsten war, soll der Erzengel Michael am Himmel erschienen sein und sein Schwert geschwungen haben. Die Bürger bauten zum Dank eine Kapelle. Beim großen Stadtbrand 1634 lagen etwa fünf Tonnen Pulver in der Kirche. Aber es explodierte nichts. Hättest du in der Kirche bleiben wollen?

Quellen

Koordinaten: 51.181, 14.421 · auf der Karte

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