Sie stehen vor der Villa Dessauer. Dieses Haus hat drei Leben gehabt, und das zweite ist ein Verbrechen. Zuerst der Bau. Errichtet wurde die Villa 1884 im Stil der Neorenaissance, nach Plänen des in Hannover ansässigen Architekten Friedrich Geb. Wikidata nennt für dieses Gebäude das Jahr 1987, der Wikipedia-Quelle die Errichtung 1884. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt; 1987 ist das Jahr, in dem hier die Galerie eingerichtet wurde. Bauherr war Carl Dessauer, ein jüdischer Hopfenhändler. Halten wir das einen Moment fest, denn es sagt etwas über diese Stadt. Bamberg ist für seine Biertradition bekannt, und Bier braucht Hopfen. Wer mit Hopfen handelte, handelte mit dem Rohstoff einer ganzen Region. Das Haus diente, wie es in einer Quelle heißt, der repräsentativen Darstellung der gesellschaftlichen Stellung des Bauherrn. Es war lange Zeit ein gesellschaftlicher Mittelpunkt der besseren Bamberger Gesellschaft. Dann das zweite Leben. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der damalige jüdische Besitzer Max Pretzfelder von den Nationalsozialisten verschleppt und ermordet. Die Villa wurde beschlagnahmt. Das ist der ganze Satz, den die Quelle hergibt, und ich füge ihm nichts hinzu. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus dem Sohn Max Pretzfelders rückübertragen. Er verkaufte es an die Stadt Bamberg. Das dritte Leben begann 1987. Seit diesem Jahr ist in der Villa eine Galerie eingerichtet, die für Sonderausstellungen der Museen der Stadt Bamberg und für den Kunstverein Bamberg genutzt wird. Es finden Wechselausstellungen, Vorträge und musikalische Veranstaltungen statt; auch der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Oberfranken stellt hier aus. In den herrschaftlichen Räumen hängen Arbeiten regionaler und internationaler Künstler und Fotografen des 20. und 21. Jahrhunderts, darunter Werke von Andy Warhol, Joseph Beuys und Pablo Picasso. Eine Reihe heißt rapid art; sie gibt Künstlern Gelegenheit, die Räume kurzfristig in den Zwischenphasen größerer Ausstellungen zu nutzen. Ein Haus also, das mit Hopfengeld gebaut, seinem Besitzer geraubt, seiner Familie zurückgegeben und von der Stadt gekauft wurde, und in dem heute Bilder hängen. Schauen Sie beim Weitergehen auf die Fassade zurück.
Sie stehen vor der Villa Dessauer. Sie wurde 1884 im Stil der Neorenaissance für den jüdischen Hopfenhändler Carl Dessauer errichtet; Wikidata nennt das Jahr 1987, in dem hier die Galerie eingerichtet wurde. Heute ist das Haus eine Galerie für moderne Kunst.
Dieses große Haus hat ein Kaufmann gebaut, der mit Hopfen handelte. Hopfen braucht man, um Bier zu brauen, und davon gibt es in Bamberg viel. Der Kaufmann hieß Carl Dessauer, er war jüdisch, und das Haus war 1884 fertig. Später, in der Zeit der Nationalsozialisten, wurde der jüdische Besitzer dieses Hauses verschleppt und ermordet, und man nahm der Familie die Villa weg. Nach dem Krieg bekam sein Sohn sie zurück und verkaufte sie an die Stadt. Heute hängen hier Bilder von berühmten Künstlern.
Koordinaten: 49.8908, 10.8928 · auf der Karte