Sie stehen am Standort des Drudenhauses, etwa auf der Höhe der heutigen Häuser Franz-Ludwig-Straße 8 und 10. Hier ist nichts mehr zu sehen, und das ist der Grund, warum diese Station Worte braucht. Das Haus hieß Drudenhaus, auch Malefizhaus. Es war ein Gefängnis, das allein dazu gebaut wurde, Menschen einzusperren und zu verhören, die der Hexerei beschuldigt waren. Im Nebengebäude, auf dem Areal des heutigen Hauses Nummer 10, lag die Folterstätte, die Peinliche Frag. Errichtet wurde es 1627 für etwa dreißig Gefangene, auf Anordnung des Fürstbischofs Johann Georg II. Fuchs von Dornheim. Nun die Zahlen, denn sie sind hier das Wichtigste. Die Jahre 1626 bis 1631 waren die Zeit der letzten und größten Welle der Hexenprozesse im Hochstift Bamberg. Mindestens 642 Personen wurden in dieser Zeit Opfer der Verfolgung. Es traf nicht nur die Armen: Unter den Opfern waren der fürstbischöfliche Kanzler Georg Haan mit seiner ganzen Familie sowie mehrere Bürgermeister und Ratsherren der Stadt, etwa Johannes Junius. In den Jahren 1628 bis 1631 wurden 196 Bamberger Bürger wegen Hexerei gefangengesetzt, die meisten von ihnen in diesem Haus. Wir wissen so genau, wie es aussah, weil der Fürstbischof selbst einen Kupferstich davon in Umlauf bringen ließ, 1627, wahrscheinlich von Peter Isselburg. Der Grundriss weist 26 Einzelzellen und zwei etwas größere Zellen aus. Über dem Portal stand ein Satz aus Vergils Aeneis: Lasst euch das eine Ermahnung sein, Gerechtigkeit zu lernen und die Götter nicht zu missachten. Und auf der Höhe des ersten Stockwerks ein Vers aus dem ersten Buch der Könige, in dem es heißt, dieses Haus werde ein Exempel werden, und alle, die vorübergehen, werden sich entsetzen. Der Bischof ließ also an die Mauer schreiben, was das Haus bedeuten sollte. Es gab Widerstand. Der Reichshofrat in Wien hatte schon seit Ende 1629 auf Klagen von Verfolgungsopfern und deren Angehörigen mehrere Mandate gegen die Bamberger Prozesse erlassen und in immer schärferen Tönen die Freilassung aller Gefangenen verlangt. Im September 1631 legte der Fürstbischof seiner Verteidigungsschrift an den Reichshofrat ein Exemplar des Kupferstichs bei, mit der Behauptung, er habe das Haus eigens neu erbauen lassen und die Verhältnisse seien dort teilweise besser als bei den Inhaftierten zu Hause. So liegt dieses Blatt heute in einem Wiener Archiv. Vor dem Sommer 1631 wurde trotz aller kaiserlichen Mandate niemand freigelassen. Nach dem Tagebuch der Dominikanernonne Maria Anna Junius kamen die letzten zehn Inhaftierten erst frei, als sich am 11. Februar 1632 schwedische Truppen der Stadt näherten. Sie mussten Urfehde schwören: schweigen über die Behandlung in der Haft und keine rechtlichen Schritte unternehmen. 1654 wurden die Steine des Hauses beim Bau des Kapuzinerklosters verwendet.
Sie stehen am Standort des Drudenhauses in der Franz-Ludwig-Straße. Es war ein Gefängnis für Menschen, die der Hexerei beschuldigt wurden, erbaut 1627 für etwa dreißig Gefangene. Bis Ende 1631 war es in Betrieb. Nach 1635 wurde es abgerissen.
Hier ist heute nur Straße. Vor vierhundert Jahren stand an dieser Stelle ein Gefängnis. Es wurde 1627 gebaut, und zwar nur für Menschen, denen man vorwarf, sie seien Hexen oder Zauberer. Das war nicht wahr. Trotzdem wurden sie eingesperrt, gequält und getötet, auch der Kanzler des Bischofs und mehrere Bürgermeister der Stadt. Der Bischof war so stolz auf das Haus, dass er Bilder davon drucken ließ. Deshalb weiß man heute, dass es 26 kleine Zellen hatte. Später riss man das Haus ab und baute mit den Steinen ein Kloster.
Koordinaten: 49.893411111, 10.891238888 · auf der Karte