Stadtohr

Stadtrundgang Bamberg · Station 5 von 16

ETA Hoffmann Theater

1802 · theater, romantik, stadttheater

Ausführlich

Sie stehen vor dem ETA Hoffmann Theater, dem Stadttheater von Bamberg. Es trägt den Namen eines Mannes, dessen Anstellung hier eine kleine Katastrophe war. Erst das Haus. Am Ende des 18. Jahrhunderts ließ Reichsgraf Friedrich Julius Heinrich von Soden den Gebäudekomplex am Schillerplatz zum Theater umbauen. Vorher hatte der Kaufmann Ignaz Kaspar Fexer aus den Gütern im Zinkenwörth ein Gesellschaftshaus gemacht, eine bürgerliche Versammlungsstätte mit Restauration, Garten und Vergnügungsmöglichkeiten. Soden übernahm den Komplex im April 1802, und am 3. und 4. Oktober 1802 wurde das Theater eröffnet, als Hochfürstlich privilegierte Schaubühne zu Bamberg, durch Soden und den Theaterdirektor Gottlieb Daniel Quandt. Das Haus hatte als eines der ersten Theater ein eigenes festes Ensemble, fünfhundert Plätze im Parkett und auf zwei Rängen und eine relativ kleine Bühne. 1808 wurde mit einem Ball der Bamberger Gesellschaft der Honoratioren ein neues Gebäude am Schillerplatz eröffnet, das noch heute das Kernstück des Theaters ist. Das erste dort gespielte Stück war am 16. Oktober 1808 E.T.A. Hoffmanns Allegorie Das Gelübde. Und nun zu Hoffmann. Im selben Jahr 1808 kam er als musikalischer Leiter an das Bamberger Theater. Engagiert war er als Kapellmeister. Dirigiert hat er effektiv eine einzige Oper. Vermutlich wegen interner Streitigkeiten, denn das Theater besaß schon einen anderen Kapellmeister, blieb er dem Haus in anderen Anstellungen erhalten: als Dramaturg, als Kulissenmaler und als Kartenabreißer. Für die deutsche Erstaufführung des Käthchens von Heilbronn 1811 zeichnete er für die Kulissen verantwortlich. Der Namensgeber dieses Theaters hat hier also vor allem Bilder gemalt und Karten kontrolliert. Eine erste Blütezeit brachte der Wiener Theaterdichter Franz von Holbein, der 1810 die Leitung übernahm; in dieser Zeit wurde Calderón de la Barca für das deutsche Theater entdeckt. Schon 1812 ging Holbein nach Würzburg. In den folgenden rund hundertfünfzig Jahren überstand das Theater zahlreiche Wechsel der Leitungen und Trägerschaften, meist wegen Geldmangels, bis es unter den Nationalsozialisten ganz geschlossen wurde. Nach dem Krieg diente das Gebäude als Flüchtlingslager, das kleine Ensemble spielte in Ausweichspielstätten. Erst 1959 wurde das Theater wieder eröffnet, ab 1970 unter dem Namen E.T.A.-Hoffmann-Theater; im selben Jahr übernahm die Stadt Bamberg es in Eigenregie. Der Bau ist ein Konglomerat aus Gebäuden ganz unterschiedlicher Zeiten und Stile, mit Elementen des Barock, des Biedermeier und des Jugendstils. Der älteste Teil ist ein Speicherkeller mit gotischem Portal von 1516. Erhalten sind die Harmoniesäle und der neoklassizistische Zuschauerraum in der Ausgestaltung, die der Stadtbaumeister Karl Georg Lang 1861 veranlasste.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem ETA Hoffmann Theater, dem Stadttheater von Bamberg. Es besteht seit 1802 und war zeitweise Wirkungsstätte seines Namensgebers. Der Kern des heutigen Hauses wurde 1808 eröffnet. Heute spielt hier ein festes Ensemble von vierzehn Schauspielern.

Für Kinder

Das ist das Stadttheater von Bamberg. Es wurde 1802 eröffnet, und zwar in einem Haus, in dem die Leute vorher gegessen, getanzt und Karten gespielt hatten. Das Theater heißt nach E.T.A. Hoffmann, dem Mann aus dem Haus von vorhin. Und jetzt kommt das Lustige: Er war hier als Dirigent angestellt, hat aber nur eine einzige Oper dirigiert. Stattdessen malte er Kulissen, schrieb Stücke um und riss sogar Eintrittskarten ab. Trotzdem heißt das Theater heute nach ihm. Findest du das gerecht?

Quellen

Koordinaten: 49.8906, 10.8915 · auf der Karte

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