Stadtohr

Stadtrundgang Augsburg · Station 15 von 16

St. Ulrich und Afra

1467 · spätgotik, basilika, zwiebelturm, wallfahrt

Ausführlich

Sie stehen vor St. Ulrich und Afra, dem letzten großen Bau dieses Rundgangs. Fangen wir unten an, tief unten. Das Gelände diente in der Spätantike als christliche Nekropole, außerhalb der Kernstadt. Hier soll die heilige Afra nach ihrem Märtyrertod im Jahr 304 ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Bisher sind etwa siebenhundert überwiegend geostete Gräber von der späten Römerzeit bis zum Frühmittelalter nachgewiesen. Seit Mitte des 6. Jahrhunderts ist am Grab der heiligen Afra eine christliche Verehrungsstätte bezeugt. Eine Memorialkirche an dieser Stelle bleibt hypothetisch, sagt eine Quelle, und ich sage es ihm nach. 1466 musste die baufällige Vorgängerkirche abgetragen werden, 1467 begann der Neubau in spätgotischen Formen. Baumeister war der Straßburger Valentin Kindlin, der wohl Entwürfe des gleichberechtigten Werkmeisters Hans von Hildesheim ausführte. Dann, 1474, ein Sturm: Der Rohbau fiel ihm teilweise zum Opfer. Im selben Jahr begann Kindlin den Bau als Backsteinbau, 1489 waren die Gewölbe des nördlichen Seitenschiffes vollendet, 1499 das Langhaus eingewölbt, 1500 schloss Stadtbaumeister Burkhart Engelberg ab. Im selben Jahr legte der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Maximilian der Erste den Grundstein für den Chorbau seines Reichsgotteshauses. Beim Bildersturm 1532 erlitt die Ausstattung schwere Schäden. Erst 1603 und 1604, zum dreizehnhundertjährigen Afra-Jubiläum, wurde der Chorbau vollendet, 1607 vollzog Bischof Heinrich der Fünfte von Knöringen die Schlussweihe. Hundertvierzig Jahre Bauzeit. Nun treten Sie einen Schritt zurück und schauen den Turm an. 93 Meter, seit 1594 mit der Kupferkuppel, dem Afraturm. Dieser zwiebelförmige Turmhelm wurde zum Vorbild für barocke Kirchen in Bayern. Wenn Sie in diesem Land eine Zwiebelturmkirche sehen, sehen Sie eine Verwandte von hier. Ein zweiter Turm war auf der Südseite geplant und wurde wegen Geldmangels nie gebaut. Die Choransicht vom Fuß des Milchberges wird zu den eindrucksvollsten mittelalterlichen Architekturbildern Deutschlands gezählt. Gehen Sie dort hin, wenn Sie noch Zeit haben. Eine letzte Sache, die diesen Rundgang zusammenbindet. Die Vorhalle, die den Pilgern früher als Markthalle und den Bürgern als Grablege diente, wurde 1526 den Protestanten übertragen und ihnen im Westfälischen Frieden endgültig als Pfarrkirche zugesprochen. Katholische Basilika und evangelische Kirche, Tür an Tür, wie in St. Anna die Fuggerkapelle im protestantischen Haus. In der Sakristei wurden 1653 Ferdinand der Vierte und 1690 Joseph der Erste zum römisch-deutschen König proklamiert. Zwei Tage nach dieser Proklamation wurde Joseph im Dom gekrönt, an dem wir zu Beginn des Rundgangs standen.

Kurzfassung

Sie stehen vor St. Ulrich und Afra, seit 1937 Päpstliche Basilika. Der Neubau begann 1467 in spätgotischen Formen und zählt zu den letzten großen spätgotischen Kirchenbauten in Schwaben. Der 93 Meter hohe Zwiebelturm steht seit 1594 und wurde zum Vorbild für barocke Kirchen in Bayern.

Für Kinder

Diese Kirche hat einen Turm mit einer Haube, die aussieht wie eine Zwiebel. Er ist 93 Meter hoch. Diese Form wurde so beliebt, dass viele Kirchen in Bayern danach gebaut wurden. Siehst du irgendwo noch einen Zwiebelturm? Gebaut wurde sehr langsam. Angefangen hat man 1467. Dann riss ein Sturm einen Teil des Rohbaus um. Also fing man wieder an, diesmal mit Ziegelsteinen. Fertig war die Kirche erst 140 Jahre später. Einen zweiten Turm wollte man auch bauen. Dafür war am Ende kein Geld mehr da.

Quellen

Koordinaten: 48.3615, 10.9003 · auf der Karte

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