Sie stehen auf dem Gelände einer Reichsabtei, auf dem heute ein Tagungshotel steht. Das ist kein Niedergang, das ist Geschichte, und sie lässt sich erzählen. Die Anfänge des geistlichen Lebens werden in einer benediktinischen Mönchsgemeinschaft nach 743 vermutet. Besser belegt ist: Ein hier bestehendes Kollegiatstift St. Afra wurde zwischen 1006 und 1012 durch Bischof Brun, den Bruder Kaiser Heinrichs des Zweiten, in ein Benediktinerkloster umgewandelt und mit Mönchen aus der Abtei Tegernsee neu besetzt, unter einem ersten Abt Reginbald. Die Kanoniker gingen an die Domkirche. 1500, bei der Grundsteinlegung des Chores der Kirche, erklärte Kaiser Maximilian der Erste den Bau zum Reichsgotteshaus. Und doch: Trotz päpstlicher und kaiserlicher Privilegien konnte sich das Kloster bis zum Ausgang des Mittelalters nicht von der bischöflichen Abhängigkeit befreien. Nun das, wofür dieses Haus berühmt war: Bücher. In den Schreibstuben entstanden Chroniken, Heiligenviten und Notenschriften. Noch kurz vor der Auflösung verfügte die Abtei über 689 Handschriften und 1000 Frühdrucke, und die meisten Werke sind bis heute erhalten. Durch die Melker Reform im 15. Jahrhundert kam eine zweite Blüte, unter Abt Melchior von Stamham war es zeitweise eines der bedeutendsten Stifte Süddeutschlands. Dann kommt der Buchdruck, und zwar früh. 1468 wurde Günther Zainer hier der erste Drucker der Inkunabelzeit in Augsburg. Er leitete die Druckerei des Klosters und schuf gedruckte Bücher von hoher Qualität nach dem Vorbild mittelalterlicher Handschriften. Der Schreiber und Subprior Pater Leonhard Wagner war der bedeutendste Kalligraph der deutschen Renaissance und entwickelte eigene Schriftarten. In diesem Haus lagen Handschrift und Druck eine Zeit lang nebeneinander auf dem Tisch. In der Reformationszeit, mit dem Verbot der katholischen Messe 1537 in Augsburg, gingen die meisten Benediktiner ins konfessionelle Exil nach Unterwittelsbach. Nach der Rückkehr 1548 begann unter Abt Jakob Köplin ein Kampf um die weltliche Unabhängigkeit vom Hochstift Augsburg. 1577 erlangte das Kloster den Rang einer freien Reichsabtei. 1802 kam die Säkularisation. Schon im September besetzten Soldaten der kurbayerischen Infanterie die Reichsabtei. Der letzte Reichsabt Gregor Schäffler bat am 20. Oktober 1802, wenigstens den Konvent zu erhalten und das Kloster in ein landsässiges umzuwandeln. Bis 1805 blieben die Mönche im aufgehobenen Kloster. 1805 wurden hier ein Militärspital und eine Kaserne für die Kavallerie eingerichtet, die Ulrichskaserne. Sie bestand bis zum Zweiten Weltkrieg. Im Februar 1944 wurde sie zerstört. Die Trümmer wurden erst von 1968 bis 1971 beseitigt, und seit 1975 steht hier das Tagungshotel Sankt Ulrich der Diözese Augsburg.
Sie stehen am Gelände des ehemaligen Klosters St. Ulrich und Afra, einer Reichsabtei des Benediktinerordens. Ein Kollegiatstift wurde hier zwischen 1006 und 1012 in ein Benediktinerkloster umgewandelt. 1577 erlangte es den Rang einer freien Reichsabtei. 1802 wurde es aufgelöst.
Hier stand früher ein Kloster. Mönche lebten darin, viele hundert Jahre lang. Das Besondere war ihre Bibliothek: 689 Bücher, die mit der Hand geschrieben waren, und 1000 Bücher aus der Anfangszeit des Buchdrucks. Wie lange würdest du brauchen, um ein ganzes Buch abzuschreiben? Ein Mönch hier konnte das besonders schön und erfand sogar eigene Schriften. Fast zur gleichen Zeit kam die Druckmaschine ins Kloster. Von da an ging es viel schneller. Später zogen Soldaten ein. Heute steht hier ein Tagungshaus.
Koordinaten: 48.3614, 10.9004 · auf der Karte