Stadtohr

Stadtrundgang Augsburg · Station 13 von 16

Herkulesbrunnen

1596–1600 · brunnen, manierismus, reichsstadt, welterbe

Ausführlich

Sie stehen am Herkulesbrunnen, und dieser Brunnen ist eine politische Aussage in Bronze. Zuerst die Daten, und die sind nicht ganz eindeutig. Eine Quelle nennt an einer Stelle 1596 bis 1600, an anderer 1597 bis 1600 als Entstehungszeit. Modelliert hat Adriaen de Vries, gegossen Wolfgang Neidhardt in Augsburg, aufgestellt wurde der Brunnen 1602 auf dem Weinmarkt vor dem Siegelhaus und den Fuggerhäusern. Ich nenne Ihnen beide Angaben und glätte sie nicht. Nun die Figur. Drei Meter hoch, der Prototypus aller Helden: muskulös, nackt, bärtig, mit einer Siegerbinde in den krausen Haaren. In der Hand hält er eine Flammenkeule und erschlägt damit das siebenköpfige, geschuppte und geflügelte Ungeheuer, die Hydra. Warum Flammen? Nach der Sage brauchte Herkules sie, um die Wurzeln der abgeschlagenen Köpfe zu versengen und die Hydra so zu hindern, neue Köpfe hervorzutreiben. Auf der Oberfläche heißt das: Sieg des Menschen über die wilde Kraft des Wassers und die Macht des Feuers, und Sinnbild für die Stärke der Freien Reichsstadt. Darunter liegt eine zweite Lesart, und eine Quelle benennt sie. Der Brunnen weist auf den geharnischten Reichstag zu Augsburg von 1547 und 1548 hin, bei dem Kaiser Karl der Fünfte den Protestantismus niederwerfen wollte. Herkules verkörpert dann den Kaiser, und die sieben Köpfe der Hydra sind die sieben deutschen Kurfürsten, die ihm Widerstand entgegenbrachten. Und nun schauen Sie sich um, wo Sie stehen. Karl der Fünfte verdankte den Erwerb der Kaiserkrone dem Augsburger Handelshaus der Fugger, das ihm auch die Mittel für die Niederschlagung der Protestanten im Schmalkaldischen Krieg verschafft hatte. Vermutlich deshalb, sagt eine Quelle, steht der Herkulesbrunnen vor den Fuggerhäusern. Gehen Sie näher heran. Auf dem Vorsprung des unteren Pfeilerblocks sitzen drei Najaden. Eine wringt ein Tuch aus, die zweite streift sich das Wasser aus dem Haar, die dritte gießt sich aus einer Kanne Wasser über die übereinandergeschlagenen Beine. Die drei vergoldeten Bronzerelieftafeln zwischen den Frauengestalten erzählen die Gründungsgeschichte: Auf dem ersten ziehen ein Stier und eine Kuh unter dem Joch den Furchenpflug, mit dem die Grenze der Stadt in die Erde gegraben wird, und die Fahne mit dem Stadtwappen wird aufgerichtet. Auf dem zweiten reichen Roma und Augusta Vindelicorum sich die Hand. Auf dem dritten zieht die Stadtgöttin auf dem Triumphwagen in ihre neue Stadt ein, über dem Stadttor steht Merkur. Auch diese Figuren sind Nachgüsse. Die originale Bronzestatue steht im Innenhof des Maximilianmuseums, alle anderen Figuren und die Bronzetafeln wurden nach und nach durch wetter- und graffitiresistente Nachgüsse ersetzt und befinden sich seit 2018 im Museum.

Kurzfassung

Sie stehen am Herkulesbrunnen in der Maximilianstraße, dem dritten der Augsburger Prachtbrunnen. Adriaen de Vries schuf ihn um 1596 bis 1600, aufgestellt wurde er 1602. Die drei Meter hohe Bronzegruppe zeigt Herkules im Kampf mit der Hydra. Seit 2019 gehört er zum UNESCO-Welterbe.

Für Kinder

Schau nach oben. Der starke Mann heißt Herkules. Er kämpft gegen ein Ungeheuer mit sieben Köpfen, die Hydra. Das Problem war: Schlug man ihr einen Kopf ab, wuchsen neue nach. Darum hält Herkules eine Keule mit Feuer. Damit verbrennt er die Stellen, damit nichts nachwächst. Die Figur bedeutet noch etwas: Die sieben Köpfe sollen sieben mächtige Fürsten sein, die sich mit dem Kaiser gestritten haben. Suche unten die drei Frauen aus Bronze und die Jungen mit den Gänsen. Wie viele Tiere findest du?

Quellen

Koordinaten: 48.3651, 10.8996 · auf der Karte

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