Sie stehen vor St. Peter am Perlach, der Perlachkirche. Erste Klarstellung: Obwohl sie mit dem Perlachturm baulich verbunden ist, ist sie kein Teil von ihm. Beide wurden unabhängig gebaut und genutzt. Zweite Klarstellung, die Quellenlage. Der genaue Bautermin ist nicht bekannt. Eine Quelle nennt um 1060 und den Augsburger Bischof Embrico als Bauherrn. Wikidata nennt 1001. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt. Schriftlich nachweisbar ist, dass 1067 in einer bereits bestehenden Kirche ein Kollegiatstift errichtet wurde. Die Kirche steht direkt an der Kante des Lechtals. Das war anfangs ein Problem, denn sie lag noch nicht innerhalb der Stadtmauer und wurde deshalb des Öfteren zerstört. Dann 1182: Die Kirche stürzte während eines Gottesdienstes ein. Was Sie heute sehen, ist der Bau danach, errichtet in Ziegelbauweise, einer der ersten in diesem Stil in Süddeutschland. Eine Terrakottafigur aus dieser Zeit ist erhalten. Treten Sie, wenn die Kirche offen ist, einmal hinein und schauen Sie auf die Höhe der Schiffe. Sie sind fast alle gleich hoch, ein Querschiff fehlt. Das ist das Merkmal einer Hallenkirche, und romanische Hallenkirchen sind in Süddeutschland selten geblieben. Der Innenraum ist 27,5 Meter lang, fast 15 Meter breit, im Mittelschiff etwa 10,6 Meter hoch. Jedes Schiff endet anders: das Mittelschiff im rechteckigen Hauptchor, das südliche in einer halbrunden Apsis, das nördliche in einem Altarraum. In der südlichen Apsis hängt das Wallfahrtsbild der Maria Knotenlöserin. Jetzt zur Politik. 1385 und 1622 wurde festgelegt, dass vor der Bürgermeisterwahl in St. Peter ein Gottesdienst stattzufinden hat. Daraus ist eine Tradition geworden: Stadtrat und Oberbürgermeister feiern hier jedes Jahr nach der Sommerpause einen ökumenischen Gottesdienst. Ratskirche heißt diese Kirche deshalb. Draußen war weniger feierlich: Ab 1260 lag vor der Kirche ein Fischmarkt, der Platz gehörte der Kirche, und sie benutzte ihn als Richtplatz. Nach der Eingliederung der Freien Reichsstadt Augsburg in Bayern löste der Staat das Stift auf und wollte die Kirche abreißen. Die Bürger erzwangen 1811 eine Eröffnung für Gottesdienste, aber erst 1913 sicherte ein Vertrag mit dem Staat Bayern den Erhalt. Am 25. Februar 1944 wurde die Kirche durch britische Luftangriffe schwer beschädigt, erst 1954 konnte man sie wieder betreten. Und eine Kuriosität, die zeigt, wie zäh so etwas ausgeht: Die Außenmauern gehören dem Freistaat Bayern, das Kircheninnere dem Bürgerverein St. Peter am Perlach, der Turm der Stadt Augsburg, die große Sakristei ist Privateigentum. Vier Eigentümer, ein Gebäude.
Sie stehen vor St. Peter am Perlach, der Perlachkirche. Sie ist eine der wenigen romanischen Hallenkirchen, die sich in Süddeutschland erhalten haben. Zum Jahr des Baus gibt es zwei Angaben: Wikidata nennt 1001, eine Quelle um 1060. Mit dem Perlachturm ist sie nur baulich verbunden.
Diese Kirche und der große Turm daneben kleben aneinander, aber sie gehören nicht zusammen. Noch erstaunlicher: Dieses eine Gebäude hat vier Besitzer. Die Außenwände gehören dem Land Bayern, das Innere einem Verein, der Turm der Stadt, und ein Raum einer Privatperson. Im Jahr 1182 stürzte die Kirche ein, während gerade ein Gottesdienst lief. Danach baute man sie neu, diesmal aus gebrannten Ziegelsteinen. Das war hier ganz neu. Wem würdest du so ein Haus geben, wenn du entscheiden dürftest?
Koordinaten: 48.369153, 10.898414 · auf der Karte