Stadtohr

Stadtrundgang Augsburg · Station 5 von 16

Augsburger Rathaus

1624 · renaissance, elias holl, reichsstadt, goldener saal

Ausführlich

Sie stehen vor dem Augsburger Rathaus. Ein Haus, das zu spät fertig wurde. 1260 erwähnen Urkunden erstmals ein Rathaus in Augsburg, in Holzbauweise. Anfang des 17. Jahrhunderts wollte man nur umbauen, damit das Gebäude für die Reichstage genügte. 1609 beauftragte die Stadtregierung Elias Holl mit einem Umbauplan. Er tat sich schwer, brauchte sechs Jahre, und der Stadtrat lehnte das Ergebnis ab. Dann, 1614, die Überraschung: Holl sollte das gotische Rathaus mit seinen drei Giebeln und dem Glockenturm abreißen und einen prächtigen Neubau errichten. Grundsteinlegung war der 25. August 1615. Die Stadtväter wollten keine Türme. Holl bestand auf den Zwiebeltürmen neben dem Giebel und setzte sich erst 1618 durch, da war längst gebaut. 1620 waren die Außenarbeiten fertig, 1624 der Innenausbau: fünfzehn Jahre Planung, neun Jahre Bauzeit, etwa 100.000 Gulden. Vom alten gotischen Rathaus blieb ein einziger Wappenstein, eingemauert in die Rückfront. Technisch war der Bau eine Pionierleistung. Bei seiner Fertigstellung galt er als weltweit einziges bestehendes Gebäude mit mehr als sechs Stockwerken. Innen liegen drei Säle übereinander: im Erdgeschoss der Untere Fletz, darüber der Obere Fletz, Fletz heißt Hausflur. Und dann der Goldene Saal, 552 Quadratmeter, 14 Meter Deckenhöhe, über zwei Geschosse, mit Prunkportalen, Wandmalereien von Matthias Kager und einer Kassettendecke. Seinen Namen hat er von dem Goldschmuck. Jetzt das Traurige. Der Dreißigjährige Krieg begann wenige Jahre vor der Fertigstellung. Vor dem Krieg war Augsburg eines der bedeutenden Wirtschaftszentren des Kontinents, Mitte des 17. Jahrhunderts war die Stadt im Niedergang und hatte mehr als die Hälfte ihrer Bevölkerung verloren. Die Reichstage, für die das Haus gebaut worden war, fanden nun in anderen Städten statt. Nur einmal noch wurde hier im großen Stil gefeiert: 1690 hielt Joseph der Erste im Goldenen Saal ein Festbankett nach seiner Krönung. 1806, bei der bayerischen Besetzung, wurden die bronzenen Reichsadler von beiden Giebelseiten entfernt, auf bayerischen Befehl. Sie sind seitdem verschollen, die heutigen sind 1985 aufgemalt. In der Nacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 brannte das Rathaus bis auf die Außenmauern aus. 1951 hatten die Türme ihre Kuppeln zurück, 1955 war die Fassade rekonstruiert, 1962 der Innenausbau abgeschlossen. Schauen Sie sich nun einmal um, über den Platz. Dieser freie Blick auf die Fassade ist unhistorisch. Bis zu den Luftangriffen stand gegenüber ein Häuserblock mit dem Börsengebäude. Erst seine Abtragung öffnete die Sicht, und 1961 und 1962 wehrten sich die Augsburger Bürger in einer großen Bürgeraktion erfolgreich gegen eine Neubebauung des Platzes. Sie stehen also in einer Lücke, die jemand verteidigt hat.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Augsburger Rathaus. Elias Holl errichtete es von 1615 bis 1624 an der Ostseite des Rathausplatzes. Der 57 Meter hohe Bau gilt als einer der bedeutendsten der Renaissancearchitektur nördlich der Alpen. Im Inneren liegt der Goldene Saal.

Für Kinder

Du stehst vor dem Rathaus. Der Baumeister hieß Elias Holl. Erst sollte er das alte Rathaus nur umbauen. Sechs Jahre lang zeichnete er Pläne, dann sagte der Stadtrat nein. Danach durfte er ein ganz neues Haus bauen. Der Stadtrat wollte keine Türme, Holl wollte Türme. Er baute einfach los und bekam am Ende seine Türme. Als das Haus fertig war, hatte es mehr als sechs Stockwerke. Kein anderes Gebäude der Welt war damals so hoch gebaut. Ganz oben am Giebel sitzt ein großer Zapfen aus Kupfer. Findest du ihn?

Quellen

Koordinaten: 48.3687, 10.8987 · auf der Karte

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