Sie stehen vor St. Anna, der Annakirche. Sie ist nicht die größte Kirche der Stadt, und das ist Teil ihrer Wirkung. Eine Quelle sagt es offen: Vielleicht weil sie nicht so groß und mächtig wirkt wie die bekannteren Bauten, ist sie bei Augsburgern und Touristen sehr beliebt. Gebaut haben sie 1321 Karmeliten, finanziell unterstützt von Bischof Friedrich dem Ersten und mit einer Bürgschaft der Familie Langenmantel. Diesen Namen merken Sie sich. Schauen Sie auf den Kirchturm an der Südseite. Er ist aus statischen Gründen um 45 Grad zum Kirchenbau gedreht, stammt vermutlich aus dem 14. Jahrhundert und wurde 1602 von Elias Holl erhöht und neu gestaltet. Ja, derselbe Holl wie am Rathaus und am Perlachturm. Nun das Jahr 1518. Augsburg galt damals als Hochburg der Katholiken. Vom 7. bis zum 20. Oktober musste Martin Luther dem römischen Kardinal Thomas Cajetan zu seinen Thesen Rede und Antwort stehen. Verhandelt wurde in den Fuggerhäusern, zu denen wir später kommen. Gewohnt und geschlafen hat Luther hier, im Karmelitenkloster. Der Papst verlangte über Cajetan den Widerruf der 95 Thesen. Luther verweigerte ihn. Dann floh er bei Nacht aus Augsburg, damit die kaiserlichen Soldaten ihn nicht festnahmen, und geholfen hat ihm ein Karmelit und Bürgermeistersohn: Christoph Langenmantel. Die Familie, die zweihundert Jahre früher für den Bau gebürgt hatte. Was folgte, ging schnell. Der Prior des Konvents, Johannes Frosch, schloss sich der Reformation an, trat 1523 von seinem Amt zurück und heiratete 1525. Zu Weihnachten 1525 wurde in der Annakirche die erste protestantische Liturgie gefeiert, das Abendmahl mit Brot und Wein ausgeteilt. Mit einer evangelischen Gottesdienstordnung unter dem Schutz des Stadtrats war die Reformation in Augsburg eingeführt. 1531 wurde in den Räumen des aufgelassenen Klosters das protestantische Gymnasium bei St. Anna gegründet, 1534 gab man das Karmelitenkloster auf. Und nun das Merkwürdigste an diesem Haus. Der Westchor ist die Fuggerkapelle, Anfang des 16. Jahrhunderts angebaut, von Jakob Fugger 1509 gemeinsam mit seinen Brüdern gestiftet, eines der frühesten Renaissancebauwerke nördlich der Alpen und der erste Bau dieser Art im heutigen Bayern. Als die Kirche 1548 protestantisch wurde, blieb diese Kapelle katholisch. Ein Gitter zur Trennung der beiden Gebäudeteile war geplant und wurde nie verwirklicht. Zwei Konfessionen, ein Raum, keine Wand. Links vom Altar im Ostchor hängen Porträts von Martin Luther und Kurfürst Johann Friedrich dem Ersten, beide aus der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren. Und am 31. Oktober 1999 unterzeichneten hier Vertreter der katholischen und der evangelisch-lutherischen Kirchen die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, eines der wichtigsten Ereignisse der ökumenischen Bewegung.
Sie stehen vor St. Anna, heute evangelisch-lutherische Pfarrkirche. Karmeliten erbauten sie 1321. Im Oktober 1518 übernachtete Martin Luther im Kloster und weigerte sich vor Kardinal Cajetan, seine Thesen zu widerrufen. Die Kirche vereinigt Baustile von der Gotik bis zum Klassizismus.
Diese Kirche sieht von außen ruhig aus. Hier hat ein Mann die Welt verändert. Er hieß Martin Luther. Im Jahr 1518 kam er nach Augsburg und schlief in dem Kloster, das zu dieser Kirche gehörte. Ein wichtiger Mann aus Rom verlangte: Nimm alles zurück, was du geschrieben hast. Luther sagte nein. Weil Soldaten ihn verhaften sollten, floh er mitten in der Nacht aus der Stadt. Geholfen hat ihm ein Mönch von hier. Hättest du dich auch getraut, nein zu sagen?
Koordinaten: 48.3678, 10.8953 · auf der Karte