Stadtohr

Stadtrundgang Augsburg · Station 3 von 16

Perlachturm

989 · turm, wachturm, elias holl, sanierung

Ausführlich

Sie stehen am Perlachturm, und wir reden über einen Meter. 1526 wurde der Turm aufgestockt, auf 63 Meter. Der Augsburger Dom, von dem wir gerade kommen, ist 62 Meter hoch. Das ist kein Zufall. Die Bürgerstadt überragte die Bischofskirche um genau einen Meter. Dabei hatte der Turm bescheiden angefangen. 989 entstand in der damaligen Bischofsstadt an der Stelle mehrerer abgebrannter Häuser ein etwa 30 Meter hoher Wachturm, zur Ausschau nach Feuer und Eindringlingen. 1348 installierte man eine 76 Zentner schwere Feuerglocke. Nur der Stadtvogt hatte das Recht, sie zu läuten, bis 1805. Über fünfhundert Jahre lang blieb der Perlach dann nahezu unverändert. Zwischenzeitlich diente er als Glockenturm der Nachbarkirche St. Peter, im 15. Jahrhundert ging er in städtischen Besitz über. Im Erdgeschoss liegen heute noch zwei Kapellen dieser Kirche. Nach der Aufstockung bekam er Uhrwerk und Glocke und schlug der Stadt die Viertelstunden. Zwischen 1612 und 1618 gestaltete Elias Holl ihn im Zuge seines Rathausneubaus um: Oktogon mit zehn dorischen Säulen, Kuppel mit Laterne und Zwiebelhaube, 70 Meter. Auf die Laterne setzte er die Figur der heidnischen Stadtgöttin Cisa, eine Wetterfahne und eine kupferne Zirbelnuss, das Augsburger Stadtsymbol. Die Zirbelnuss werden Sie heute noch mehrmals sehen. Im Zweiten Weltkrieg stand auf dem Turm Flak. In der Nacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 brannte das komplette obere Turmgeschoss ab, 1950 war er wieder offen. Zum zweitausendjährigen Stadtjubiläum wurde er 1984 und 1985 nach dem Vorbild der Zeit Elias Holls restauriert, für 1,1 Millionen Mark, aufgebracht von der Stadt und von Bürgern. Damals bekam er seine grau-weiße Farbgebung zurück. Nun die Gegenwart, und die ist unbequem. 2017 wurde die schadhafte Treppe gesperrt. 2021 fand man weitere gravierende Schäden in den zwei obersten Geschossen und an der Fassade. 2022 kamen Schutznetze an die Turmspitze, im Dezember auch an den Sockel, damit nichts auf Passanten fällt. Die Sanierung begann im Frühjahr 2025 und kostet etwa neun Millionen Euro, rund fünf davon aus Bundesmitteln und Städtebauförderung, knapp vier von der Stadt. Fertig soll sie im September 2027 sein. Am 24. Juli 2025 wurde die Zwiebelhaube mitsamt Wetterfahne und goldener Cisa abgehoben, eine technische Herausforderung. Während der Bauzeit steht sie vor dem Rathaus. Zur Aussichtsplattform führen 258 Stufen. Bei Föhn wehte oben eine gelbe Fahne, dann reichte der Blick bis an die Alpen. Und in den Tagen um den 29. September erscheint am untersten Fenster das Turamichele, ein mechanischer Erzengel Michael, der zu jedem Glockenschlag auf den Teufel zu seinen Füßen einsticht. Die Kinder auf dem Platz zählen laut mit.

Kurzfassung

Sie stehen am Perlachturm, 70 Meter hoch. Im Jahr 989 entstand hier ein etwa 30 Meter hoher Wachturm, zur Ausschau nach Feuer und Eindringlingen. Heute ist er zusammen mit dem Rathaus das Wahrzeichen der Stadt. Wegen Sanierung ist er seit 2017 geschlossen.

Für Kinder

Schau nach oben. Dieser Turm ist 70 Meter hoch. Vor über tausend Jahren stand hier ein viel kleinerer Wachturm. Oben saß jemand und passte auf, ob irgendwo Feuer ausbricht oder Feinde kommen. Später wollten die Augsburger, dass ihr Turm höher ist als der Dom. Also machten sie ihn genau einen Meter höher. Ende September kommt am unteren Fenster ein Engel heraus und sticht zu jedem Glockenschlag auf einen Teufel. Die Kinder unten zählen laut mit. Gerade wird der Turm repariert. Fällt dir auf, dass oben die runde Haube fehlt?

Quellen

Koordinaten: 48.3692, 10.8983 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.