Sie stehen vor dem Augsburger Dom, dem Hohen Dom Mariä Heimsuchung. Nehmen Sie sich einen Moment für die Türme und merken Sie sich: Der eine wurde 1487 aufgestockt, fast ganz in Backstein, der andere erst 1565. Der Dom liegt innerhalb der Mauern der ehemaligen römischen Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum. Unter dem Bau wurden 1978 und 1979 Fundamente aus dem 4. Jahrhundert ergraben, die möglicherweise auf eine frühchristliche Kirche hinweisen. Nachweise in den Quellen fehlen dafür bisher. Die jüngste Auswertung älterer Grabungen legt die ursprüngliche Bischofskirche an eine andere Stelle, auf das Areal von St. Gallus. Die ersten nachweisbaren Dombauten entstanden unter den Bischöfen Wikterp und Simpert, dessen Bischofskirche 805 geweiht wurde. Die älteste erhaltene urkundliche Erwähnung des Mariendomes stammt von 822. Dann der 994er Einsturz des Westbaus, der Neubau unter Bischof Liutold mit Kaiserin Adelheid, 1006 schon Mittelschiff und Westquerhaus fertig. Dieser Kern steht heute noch. Wikidata nennt für den Dom das Jahr 1065. Das ist das Jahr, in dem Bischof Embriko einen Hauptaltar im Westchor weihte und damit eine Umbauphase abschloss. Die älteren Zahlen stehen daneben, beide stimmen, sie zählen nur nicht dasselbe. Nun zum Osten. Ab 1331 wurde der romanische Dom gotisch ausgebaut, mit doppelten Seitenschiffen, wie sie zur selben Zeit am Kölner Dom entstanden. 1356 legte Bischof Marquard den Grundstein für den Ostchor, vollendet war er erst 1431. Die Erstplanung sah eine Nachbildung des Kölner Domchores vor, mit offenem Strebewerk. Gebaut wurde dann vereinfacht. Als Baumeister konnte Heinrich Parler der Ältere ermittelt werden, bis dahin Parlier an der Kölner Dombauhütte. Die originale Grundrisszeichnung hat sich in einer Nachzeichnung um 1500 erhalten. Zwischen 1537 und 1548 verwüsteten protestantische Bilderstürmer das Gotteshaus, in der Gegenreformation wurde die Ausstattung allmählich ersetzt. 1655 bis 1658 wurde das Innere barock umgestaltet, von 1852 bis 1863 die Barockausstattung beseitigt und der Dom neugotisch mittelalterlich gemacht, 1934 dann die mittelalterliche Raumgestalt rekonstruiert. Vier Anläufe, dasselbe Gebäude. Und noch einmal die Nacht vom 25. auf den 26. Februar 1944. Rund siebzig Bombentreffer wurden am Dom gezählt. Dass er steht, liegt an einer Brandwache unter dem damaligen Domkaplan Johann Aichele und an jugendlichen Ministranten, die die Brandbomben aus dem Dachstuhl entfernten. Weitere Hilfe blieb aus, denn das Löschen von Kirchengebäuden war der örtlichen Feuerwehr untersagt. 2019, fünfundsiebzig Jahre danach, wurde für sie eine Gedenktafel an der Konradsäule angebracht.
Sie stehen vor dem Augsburger Dom, der Kathedrale des Bistums Augsburg. Die Ursprünge reichen ins 8. Jahrhundert, die heutige Anlage entstand im Kern ab 995. Es ist die einzige erhaltene ottonische Bischofskirche Deutschlands. 1690 wurde hier ein römisch-deutscher König gekrönt.
Du stehst vor dem Augsburger Dom. Schon vor mehr als tausend Jahren stand hier eine Kirche. Einmal ging etwas schief: Im Jahr 994 fiel der vordere Teil einfach um. Also baute man neu, und dieser Teil steht heute noch. Schau dir die zwei Türme an. Sie sehen ähnlich aus, aber einer ist fast hundert Jahre jünger. Im Krieg fielen siebzig Bomben auf den Dom. Dass er nicht abbrannte, liegt an Männern und Jugendlichen, die nachts die brennenden Bomben vom Dachboden nach draußen trugen. Würdest du da hochgehen?
Koordinaten: 48.372743587, 10.896565711 · auf der Karte