Stadtohr

Stadtrundgang Augsburg · Station 1 von 16

Fuggerei

1521 · stiftung, sozialer wohnungsbau, fugger, wiederaufbau

Ausführlich

Willkommen in Augsburg. Wir fangen nicht am Rathaus an, sondern hier, in einer Wohnsiedlung. Das hat einen Grund. Sie stehen in der Fuggerei, gestiftet am 23. August 1521 von Jakob Fugger dem Reichen. Erbaut wurde die Anlage zwischen 1516 und 1523 unter Federführung des Baumeisters Thomas Krebs. Damals entstanden 52 Häuser in sechs Gassen, in jedem Haus zwei Wohnungen. Ein Haus war für die Verwaltung vorgesehen, deshalb standen nicht 104, sondern 102 Wohnungen zur Verfügung. Schauen Sie die Gasse hinunter, auf die Reihe gleicher Türen. Die Grundrisse waren weitgehend standardisiert und für die Verhältnisse der Entstehungszeit großzügig geplant. Jede Wohnung hatte einen eigenen Eingang. Das war damals Luxus: Privatheit. Entscheidend ist aber der Gedanke dahinter. Die Fuggerei war Hilfe zur Selbsthilfe. Sie war für Handwerker und Taglöhner gedacht, die von Armut bedroht waren und etwa wegen einer Krankheit keinen eigenen Haushalt führen konnten. Sie durften ihrem Broterwerb weiter nachgehen, innerhalb und außerhalb der Siedlung, und sollten wieder ausziehen, wenn es ihnen besser ging. Einziehen durften nur die, die der Stiftungsbrief würdige Arme nannte. Bettler wurden nach dem Willen des Stifters nicht aufgenommen. Diese Grenze gehört zur Geschichte dazu. Die Miete hat sich seit der Gründung nicht verändert: der nominelle Wert eines Rheinischen Guldens, heute 88 Cent im Jahr, ohne Rücksicht auf die Inflation. Die Nebenkosten tragen die Mieter, 85 Euro seit dem 1. Juli 2013. Achten Sie auf die Türglocken. Sie werden mit einem Zug betätigt, und ihre Gehänge und Handgriffe sind verschieden. Angeblich, damit man sich in der unbeleuchteten Fuggerei nicht in der Haustür irrte. Und nun eine Sache, die Sie auf diesem Rundgang noch mehrmals hören werden. In der Nacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 zerstörten die Luftangriffe der Royal Air Force rund zwei Drittel der Siedlung, in zwei aufeinanderfolgenden Angriffswellen. Am 1. März 1944, fünf Tage danach, fasste das Fuggersche Familienseniorat den schriftlichen Beschluss zum Wiederaufbau. Am 4. September 1947 wurden die ersten drei Häuser in der Herrengasse wieder bezogen. Bis 1973 wuchs die Fuggerei durch Zukauf angrenzender Trümmergrundstücke um etwa ein Drittel auf 67 Häuser mit 140 Wohnungen. Ein Nachbar aus früherer Zeit: Der Baumeister Franz Mozart, Urgroßvater von Wolfgang Amadeus Mozart, lebte von 1681 bis zu seinem Tod 1694 hier. Um zweiundzwanzig Uhr schließt der Nachtwächter das Tor. Wer bis Mitternacht zurückkommt, gibt ihm 50 Cent, danach einen Euro. Gehen wir los, zum Dom.

Kurzfassung

Sie stehen in der Fuggerei. Jakob Fugger der Reiche stiftete diese Reihenhaussiedlung im Jahr 1521 für bedürftige Augsburger Bürger. Sie gilt als eine der ältesten bestehenden Sozialsiedlungen der Welt. In 67 Häusern liegen heute 140 Wohnungen. Die Jahresmiete beträgt 88 Cent.

Für Kinder

Du stehst in einer kleinen Stadt mitten in der Stadt. Sie heißt Fuggerei und hat eigene Gassen, eigene Tore und eine eigene Kirche. Ein sehr reicher Mann, Jakob Fugger, ließ sie 1521 für Menschen bauen, die wenig Geld hatten. Eine Wohnung kostet hier 88 Cent Miete. Nicht im Monat, sondern im ganzen Jahr. Was würdest du dir für 88 Cent kaufen? Schau dir die Türglocken an. Jeder Griff fühlt sich anders an. Früher gab es hier keine Laternen, und im Dunkeln konnte man ertasten, ob man vor der richtigen Tür steht.

Quellen

Koordinaten: 48.369727666, 10.903847924 · auf der Karte

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