Sie stehen vor dem Schaezlerpalais. Ein Haus, das sich klein macht. Die Gebäudefassade zur Maximilianstraße ist 19 Meter breit. Die Hausfront, die an der Katharinengasse entlangläuft, ist 107 Meter lang. Gehen Sie, wenn Sie Zeit haben, um die Ecke, dann verstehen Sie die Größenordnung. An dieser Stelle wurde schon 1346 ein Gebäude erwähnt. 1499 ließ der Kaiserliche Rat Philipp Adler hier neu bauen, und seine Enkelin war Philippine Welser. 1764 kaufte es der Bankier Benedikt Adam Liebert von David von Stetten. Die Lieberts waren 1733 nach Augsburg gekommen und im Silberhandel zu Vermögen gelangt. 1763 war der Vater, Johann Adam Liebert, als Edler von Liebenhofen in den erblichen Reichsadelsstand und in das Augsburger Patriziat erhoben worden. Ein standesgemäßes Logis war nun erforderlich, heißt es in einer Quelle, und das ist der ganze Mechanismus dieses Hauses in einem Satz. Ab 1765 ersetzte ein Neubau das gekaufte Haus, ein Rokoko-Palais nach Plänen des Münchner Hofbaumeisters Karl Albert von Lespilliez. Die Bauzeit betrug viereinhalb Jahre. Besonders prächtig gerieten die Innenräume. Die geschnitzten Wandvertäfelungen des zweigeschossigen Festsaals stammen von Placidus Verhelst, die Stuckaturen von Franz Xaver Feichtmayr dem Jüngeren. Das Deckengemälde gestaltete 1767 Gregorio Guglielmi, und sein Thema passt zu dieser Straße: Merkur und der Welthandel. Derselbe Merkur, dessen Brunnen wir vorhin gesehen haben, nun an einer Zimmerdecke. Die Einweihung war am 28. April 1770. Zu Gast war die vierzehnjährige Marie-Antoinette, die sich auf ihrer Brautfahrt nach Versailles befand und in Augsburg Zwischenstation machte. Der Legende nach tanzte die dem französischen Dauphin versprochene jüngste Tochter der Kaiserin Maria Theresia in diesem Festsaal ein Paar roter Schuhe durch. Die Legende ist als Legende gekennzeichnet, so gebe ich sie weiter. Lieberts Tochter Marianna Barbara heiratete den aus Ansbach stammenden Unternehmer Johann Lorenz Schaezler, der 1821 zum Freiherrn erhoben wurde und allen Verwandten ihre Besitzanteile abkaufte. Vier Generationen lang wohnte die Bankiersfamilie von Schaezler hier und hielt das Haus instand. Es überstand den Zweiten Weltkrieg ohne größere Schäden, eine Ausnahme auf diesem Rundgang. Am 4. Oktober 1958 schenkte Wolfgang Freiherr von Schaezler das Gebäude der Stadt Augsburg, zum Gedenken an seine im Krieg gefallenen Söhne, mit der Auflage, es niemals zu veräußern und ausschließlich für kulturelle Zwecke zu nutzen. Damit der Unterhalt dauerhaft gesichert war, übergab er zusätzlich 138 Hektar Wald. Ein Haus und ein Wald, der es bezahlt.
Sie stehen vor dem Schaezlerpalais am Herkulesbrunnen. Der Bankier Benedikt Adam Liebert ließ es ab 1765 nach Plänen des Münchner Hofbaumeisters Karl Albert von Lespilliez errichten. Die Einweihung war am 28. April 1770. Heute beherbergt es städtische und staatliche Kunstsammlungen.
Dieses Haus spielt ein Spiel mit dir. Von vorn ist es nur 19 Meter breit. Geh um die Ecke und schau die Seitenwand an: Dort ist es 107 Meter lang. Gebaut hat es ein Bankier, weil seine Familie gerade in den Adel aufgestiegen war. Am 28. April 1770 wurde gefeiert. Zu Gast war ein Mädchen von vierzehn Jahren: Marie-Antoinette. Man erzählt, sie habe so lange getanzt, dass ein Paar rote Schuhe durchgetanzt war. Ob das stimmt, weiß niemand. Glaubst du die Geschichte?
Koordinaten: 48.364981425, 10.898598192 · auf der Karte