Stadtohr

Stadtrundgang Augsburg · Station 10 von 16

Fuggerhäuser

1515 · renaissance, fugger, handelshaus, innenhöfe

Ausführlich

Sie stehen vor den Fuggerhäusern, dem Ort, an dem das Geld der Fuggerei herkam. Jakob Fugger der Reiche ließ von 1512 bis 1515 an der Via Claudia, der heutigen Maximilianstraße, neben dem damaligen Weinmarkt zwei Häuser errichten: eine Stadtresidenz und ein Lagerhaus. Den Komplex entwarf er selbst, nach Plänen, die er auf seiner Italien-Reise notiert hatte. Baumeister war vermutlich Hans Hieber. Dieser Profanbau ist das erste Bauwerk nördlich der Alpen, das im Stil der italienischen Renaissance errichtet wurde. Nun gehen Sie zwei Schritte zurück und schauen die Fassade entlang. Sie ist eine der längsten in der Straße, und sie war Absicht, nicht Zufall. Die Gebäudesteuer wurde damals nach der Länge der Frontfassade berechnet. Wer eine lange Fassade hatte, zahlte viel, und zeigte damit, dass er es konnte. In der Mitte der Front sehen Sie das Adlertor mit Doppeladler und Habsburger Wappen. Das Tor war so hoch und breit, dass man mit größeren Pferdegespannen hineinfahren und durch das Tor im Reiterhof wieder herausfahren konnte. Der Doppeladler weist darauf hin, dass die Fuggerhäuser kaiserliches Quartier waren: Unter Anton Fugger wurde ein Palatium für Kaiser Karl den Fünften errichtet, das auch späteren Kaisern bei den Reichstagen als Herberge diente. An der Nordseite liegt der weiße Erker, hinter dem die Prunkräume Karls des Fünften lagen. Gedenktafeln an der Fassade erinnern daran, dass hier der Hauptsitz des Fuggerschen Firmenimperiums war. Und an eine zweite Sache: Im Oktober 1518 verweigerte Martin Luther hier gegenüber dem päpstlichen Legaten Thomas Cajetan den Widerruf seiner Thesen. Geschlafen hat er, wie Sie an St. Anna gehört haben, im Karmelitenkloster. Verhandelt wurde hier. Die Fassade sah einmal anders aus: zuerst bemalt von Hans Burgkmair, von 1861 bis 1863 von Ferdinand Wagner mit fünf Fresken aus der Geschichte Augsburgs neu gestaltet. Heute trägt die Außenfassade eine schlichte Kassettenmalerei, denn in der Nacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 erlitt der Bau schwere Schäden. Der Großteil der noch erhaltenen Innenausstattung verbrannte, dazu eine wertvolle Musikaliensammlung. Friedrich Carl Fugger von Babenhausen ließ von 1949 bis 1951 wiederaufbauen, Architekt war Raimund von Doblhoff, derselbe, der die Pläne für den Wiederaufbau der Fuggerei zeichnete. Gehen Sie hinein, soweit es erlaubt ist, denn die Höfe sind zugänglich. Der Damenhof mit seinen von toskanischen Säulen gestützten Arkadengängen und bemalten Bögen ist der bedeutendste. Er war der Garten für die weiblichen Familienangehörigen. Man erreicht ihn über den kleinen Zofenhof. Der dritte Hof heißt Serenadenhof. Im Fuggerschen Konzertsaal, der vermutlich im Bereich des rückwärtigen Portals am Zeugplatz lag, gab Wolfgang Amadeus Mozart 1777 ein Konzert.

Kurzfassung

Sie stehen vor den Fuggerhäusern in der Maximilianstraße. Jakob Fugger der Reiche ließ sie von 1512 bis 1515 als Residenz der Familie errichten. Es ist das erste Bauwerk nördlich der Alpen im Stil der italienischen Renaissance. Zu besichtigen sind der Damenhof und der Serenadenhof.

Für Kinder

Hier wohnte die reichste Familie der Stadt: die Fugger. Jakob Fugger ließ dieses Haus vor über fünfhundert Jahren bauen. Die Pläne dachte er sich selbst aus, nachdem er in Italien gewesen war. Jetzt kommt ein Trick. Damals zahlte man Steuern danach, wie breit die Vorderseite des Hauses war. Jakob Fugger baute absichtlich eine der breitesten Vorderseiten der Straße. So sah jeder: Dieser Mann kann sich das leisten. Würdest du lieber ein breites oder ein hohes Haus bauen? Durch das große Tor fuhren früher Pferdewagen.

Quellen

Koordinaten: 48.366027378, 10.89850334 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.