Sie stehen an St. Moritz, mitten in der Maximilianstraße. Diese Kirche ist ein Bauwerk, dem man die Jahrhunderte ansieht, wenn man weiß, wo man hinschauen muss. 1019 gründete Bischof Bruno hier ein Kollegiatstift zu Ehren des Ritterpatrons Moritz. Bruno war ein Bruder Kaiser Heinrichs des Zweiten, und die Kirche war als seine Grablege und zu seinem Gedenken gedacht. Sie lag damals noch außerhalb der Stadt, auf halber Höhe zwischen den beiden großen Kirchen, an denen Sie heute auch vorbeikommen. Dann die Rückschläge: Brand 1084, teilweiser Einsturz 1299. 1314 wurde etwas größer wieder aufgebaut, und die Mauern dieses Baus bilden immer noch die Außenmauern der heutigen Kirche. Schauen Sie jetzt den Glockenturm hinauf. 1494 erhöhte der Baumeister Burkhart Engelberg ihn, das erste neue Geschoss bekam Blendmaßwerk aus Formziegeln. 1533 und 1534 kam der zweigeschossige, achteckige Aufsatz mit der Kuppelhaube darauf, dazu eine Balustrade aus Terrakottaelementen. Aufsatz und Balustrade zählen zu den ältesten architektonischen Zeugnissen der Renaissance in Augsburg. 1510 erwarb Jakob Fugger der Reiche das Präsentationsrecht: Papst Julius der Zweite genehmigte, dass eine der Stiftsherren-Stellen in eine Predigerstelle umgewandelt wird, die Jakob Fugger und seine Nachfahren besetzen und finanzieren. Dieses Recht besteht bis heute. 1714 und 1715 ließen die Stiftsherren die Kirche von dem Füssener Baumeister Johann Jakob Herkomer barock umgestalten, mit einer Vollkuppel über dem ersten Joch des Chores und Deckenfresken von Melchior Steidl. Innen entstand, der großartigste Barockbau Augsburgs. 1803 wurde das Stift in der Säkularisation aufgehoben. Nun die Bombennacht, und hier muss ich auf die Quellen hinweisen. Dieser Quelle nennt die Nacht vom 24. auf den 25. Februar 1944, die anderen Quelle dieses Rundgangs die Nacht vom 25. auf den 26. Februar. Es gibt also zwei Angaben, und ich glätte das nicht. Die Kirche brannte aus. Das Feuer vernichtete die Hauptschiffdecke mit der Chorkuppel und fast die gesamte Innenausstattung: Hochaltar, Seitenaltäre, Kanzel, Bestuhlung, Orgel. Beim Wiederaufbau von 1946 bis 1950 durch den Kölner Architekten Dominikus Böhm schlug man die noch weitgehend erhaltenen barocken Stuckaturen ab. Zurück blieb der dreischiffige basilikale Baukörper in klarer Struktur. Auf die barocke Chorkuppel wurde verzichtet. Von 2008 bis 2013 gestaltete der Londoner Architekt John Pawson den Raum neu, mit den Stichworten Klarheit und Minimalismus. In der lichten Apsis steht heute der Christus Salvator von Georg Petel, an dem der Bildhauer seit 1630 arbeitete und der nach seinem frühen Tod 1634 hierher kam: der wiederkehrende Christus, in den Jahren des Dreißigjährigen Krieges eine ungewöhnliche Wahl.
Sie stehen an St. Moritz in der Maximilianstraße. Bischof Bruno, ein Bruder Kaiser Heinrichs des Zweiten, gründete hier 1019 ein Kollegiatstift. Die Kirche war seine Grablege. 1944 brannte sie aus, von 1946 bis 1950 wurde sie vereinfacht wiederaufgebaut, von 2008 bis 2013 neu gestaltet.
Diese Kirche ist über tausend Jahre alt. Gegründet hat sie ein Bischof namens Bruno. Sein Bruder war der Kaiser. Damals stand die Kirche noch vor der Stadt, draußen auf dem Feld. Dann ging einiges schief: Es brannte, später stürzte ein Teil ein. Jedes Mal baute man wieder auf. Schau den Turm an: Unten ist er viereckig, oben achteckig, mit einer runden Haube. Der untere Teil ist viel älter. Im Krieg brannte das Innere aus. Heute ist es ganz schlicht und hell. Wie würdest du einen Raum gestalten, in dem alle still sein wollen?
Koordinaten: 48.366917544, 10.897913811 · auf der Karte