Stadtohr

Stadtrundgang Aschaffenburg · Station 2 von 16

Schlosskapelle im Schloss Johannisburg

· kapelle, alabaster, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen vor der Schlosskapelle, im Nordflügel von Schloss Johannisburg, angebaut an den mittelalterlichen Bergfried. Sie ist Johannes dem Täufer geweiht. Schauen Sie zuerst auf das Portal, ein Gemeinschaftswerk des Baumeisters Georg Ridinger und des Bildhauers Hans Juncker. Links steht Johannes der Täufer im Fellgewand mit einem Lamm, rechts Johannes der Evangelist mit einem Adler zu Füßen. Über dem Portal zeigt ein Relief die Taufe Jesu im Jordan. Das Portal ist aus rotem Main-Sandstein, die Figuren sind aus Trachyt-Tuff. Eine Kapelle gab es schon in der mittelalterlichen Burg. 1285 wird eine vom Mainzer Erzbischof Werner von Eppstein geweihte „neue Kapelle“ zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Der Erzbischof hielt sich vom 18. Juli 1283 bis zu seinem Tod am 2. April 1284 mehrmals in Aschaffenburg auf, in dieser Zeit dürfte die Weihe liegen. Der die Quelle zu Schloss nennt dafür das Jahr 1284. Es gibt also zwei Angaben, ich nenne Ihnen beide. Als die Burg 1552 im Markgräflerkrieg zerstört wurde, bestand die Kapelle in einem erhaltenen Bauteil weiter. Nun der Altar. Er ist ein Meisterwerk von Hans Juncker, in schwarzem und achatfarbenem Marmor, und reicht bis zum Gewölbescheitel. Die 150 Figuren und die Ornamente sind aus Alabaster. In der Mitte steht eine Kreuzigungsgruppe. Links sehen Sie den heiligen Martin als römischen Soldaten, der seinen Mantel mit einem Bettler teilt, rechts den Bauherrn Johann Schweikhard von Cronberg mit dem Modell des Schlosses in der Hand. Begonnen 1609, war der Altar 1614 fertig. Dann kam der Krieg. Am 21. November 1944 erhielt das Schloss fünf Sprengbombenvolltreffer, am 21. Januar 1945 wurde es schwer getroffen, das Gewölbe der Kapelle stürzte ein. Eine Schutzwand vor dem Altar hielt. Am Karfreitag, dem 30. März 1945, ließ Beschuss mit Phosphorgranaten das Schloss wie eine riesige Fackel brennend in sich zusammenfallen. Als man im September 1945 die Schutzwand abriss, zeigte sich: Brennende Teile waren in den Zwischenraum gestürzt, Köpfe, Arme, Beine und Engelsflügel waren abgeschmolzen oder abgesprengt. Man setzte nur die vorhandenen Teile wieder ein, ergänzt wurde nichts. Das Kreuz blieb deshalb lange ohne Corpus, erst 1989 wurde ein rekonstruierter angebracht. 1993 kamen vier Alabasterköpfe aus Amerika zurück, die ein amerikanischer Soldat als Souvenir aus dem Trümmerschutt mitgenommen hatte.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Schlosskapelle im Nordflügel von Schloss Johannisburg. Sie ist Johannes dem Täufer geweiht. Der Altar von Hans Juncker aus Marmor und Alabaster war 1614 fertig. Von allen bedeutenden Räumen des Schlosses hat allein die Kapelle ihre ursprüngliche Raumgestalt bewahrt.

Für Kinder

Du stehst vor der Kapelle des Schlosses. Am Eingang stehen zwei Männer aus Stein, beide heißen Johannes. Einer hat ein Lamm bei sich, der andere einen Adler. Drinnen steht ein riesiger Altar aus Marmor mit 150 Figuren aus Alabaster. Im Jahr 1945 brannte das Schloss. Die Hitze schmolz Köpfe, Arme und Flügel von den Figuren ab. Nach dem Krieg setzte man nur die Teile wieder ein, die noch da waren. Vier Köpfe hatte ein amerikanischer Soldat als Andenken mitgenommen. 1993 kamen sie zurück. Findest du die beiden Tiere am Eingang?

Quellen

Koordinaten: 49.9762, 9.14137 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.