Stadtohr

Stadtrundgang Ansbach · Station 10 von 16

Synagoge (Ansbach)

1746 · synagoge, jüdische geschichte, barock, novemberpogrom

Ausführlich

Sie stehen vor der Synagoge in der Rosenbadstraße 3. Die neuzeitliche jüdische Gemeinde in Ansbach entstand im 17. Jahrhundert. Im Dreißigjährigen Krieg flohen zahlreiche jüdische Familien in die Stadt. Bis 1675 fand der Gottesdienst in einem Zimmer im Haus des wohlhabenden Hoffaktors Amson Model statt. Nach einem Streit entstanden zwei Privatsynagogen. 1743 bot der Hoffaktor Löw Israel ein Anwesen für einen gemeinsamen Bau an, in dem bis 1737 eine Judenschule untergebracht war. Die Gemeinde musste es auf Druck des Markgrafen für 1.500 Gulden erwerben und kaufte ein Nachbarhaus dazu. Nach den Plänen des Architekten Leopoldo Retti entstand die Synagoge, eingeweiht am 2. September 1746. Schauen Sie auf die hohen Rundbogenfenster. Innen sieht man italienische Einflüsse. In der Mitte steht der Almemor mit achteckiger Steinbrüstung und acht gedrehten Holzsäulen. Sieben Messingleuchter hängen von der Decke. Das Bogenfeld des Toraschreins zeigt zwei Löwen, die die Gesetzestafeln halten. Zur Anlage gehören auch das Rabbinerhaus, das Schächterhäuschen und die Bäder für Männer und Frauen. Am 27. Oktober 1938 wurde während des Gottesdienstes eine Tränengasbombe in die Synagoge geworfen. Beim Novemberpogrom befahl die Gauleitung der NSDAP in Nürnberg dem Oberbürgermeister, die Synagoge niederbrennen zu lassen. Zwei SA-Männer inszenierten nur einen Brand, möglicherweise aus Rücksicht auf die angrenzenden Wohnhäuser. Sie zerschlugen Bänke, warfen Torarollen zu den Trümmern und zündeten alles an. Die Feuerwehr löschte schnell. Für Gottesdienste war die Synagoge danach nicht mehr nutzbar. Von 1939 bis 1945 diente sie als Lebensmittellager. Nach 1945 war sie Gotteshaus für amerikanische Soldaten und für Displaced Persons. 1964 wurde sie zu einem musealen und symbolischen Gotteshaus erklärt, weil die Zahl der jüdischen Einwohner ständig zurückging. Seit Juli 2012 gibt es hier ein Informationszentrum. Jedes Jahr im November findet eine Gedenkstunde zur Reichspogromnacht statt.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Synagoge, Rosenbadstraße 3. Sie wurde von 1744 bis 1746 nach Plänen von Leopoldo Retti errichtet und am 2. September 1746 eingeweiht. 1938 wurde sie geschändet, danach nicht mehr für Gottesdienste genutzt. Heute ist sie ein museales Gotteshaus mit Informationszentrum.

Für Kinder

Du stehst vor einer Synagoge. Das ist das Gotteshaus der jüdischen Gemeinde. Sie wurde von 1744 bis 1746 gebaut, und der Baumeister hieß Leopoldo Retti. Über dem Schrank für die Torarollen halten zwei Löwenfiguren die Gesetzestafeln. Im Jahr 1938 wurde die Synagoge geschändet. Männer im Dienst der Nationalsozialisten zerschlugen Bänke und zündeten sie an. Die Feuerwehr löschte schnell. Danach konnte man hier nicht mehr beten. Heute kann man sie besichtigen und eine Ausstellung sehen. Kennst du ein Gotteshaus in deinem Ort?

Quellen

Koordinaten: 49.30117, 10.57099 · auf der Karte

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